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Kaffeefahrt mit Senat
Erste Berliner Genossenschaftstour im Doppeldeckerbus: Gemeinwohlorientierter Neubau auf Tiefpunkt – Forderungspapier überreicht
Die Unruhe ist groß, der Frühstücksimbiss verzehrt. Rund drei Dutzend Verbandsvertreter, Presseleute und Schaulustige sammeln sich vor den beiden Eingangstüren des Doppeldeckerbusses. Treppe hoch, Gang entlang, Platz suchen. Gemurmel, Getuschel, Gekicher. Die illustre Runde ist in Stimmung. Wie bei einer Kaffeefahrt, wie bei einem Schulausflug. Und ein bisschen so fühlt es sich auch für alle Beteiligten an. Freitag vormittag, Viertel nach neun, Adlershof.
Nur: Heizdecken, Geschirr und Staubsauger werden hier nicht verhökert, es steht auch kein Zoobesuch an. Es ist die Premiere der Berliner Genossenschaftstour – organisiert vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Mit an Bord das Senatstrio: Kai Wegner (CDU), Christian Gaebler (SPD), Stefan Evers (CDU). Also der Regierende Bürgermeister samt Bau- und Finanzsenator.
Und der Autor? Der sitzt mittenmang. Zwei, drei Reihen vor Wegner und Co. in Hörweite. Besonders auffällig: der Begleittross von Evers. »Hey, wir müssen ein Klassenfoto machen«, sagt eine Mitarbeiterin – rosa Blazer, schwarze Stoffhose, weiße Sneaker und als optisches Bonbon: schwarz-rot-gold lackierte Fingernägel. Ihr Chef prompt: »Ach, schneid’ mich dann aber raus und setz’ ein Smiley rein.« Gelächter.
Der Motor läuft – der Bus setzt sich in Bewegung. Der Ablaufplan ist eng getaktet. Vier Genossenschaftskomplexe sollen abgefahren werden, jeweils mit Begehung und Themen wie Wärmerückgewinnung aus Abwasser, Wohnungen in modularer Holzbauweise, Neubau und Denkmalsanierung. Stationen alle im Südosten Berlins.
Soundcheck. Das Mikro streikt. »Während der Probe hat es noch funktioniert«, merkt ein BBU-Vertreter an. Er rückt in die Mitte, hebt die Stimme – und zeigt während der Vorbeifahrt auf das Studentendorf Adlershof. »Das ist ein Leuchtturmprojekt.« Einige wenden den Kopf nach rechts, sehen, wie die genossenschaftliche Erfolgsgeschichte an ihnen vorbeizieht.
Und weiter geht’s. Zu einem Wohnblock der Genossenschaft Köpenick-Nord. Der ersten Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) in der Hauptstadt der DDR. 1954 gegründet und Pionierin des Typenbaus Q3A, einer Serie im Querwandbau aus Betonblöcken, meist viergeschossig, mit Flachdach, Ofenheizung.
Ausstieg. Der Bauleiter führt über das Areal, schildert die Umbauten bei der Energiegewinnung. Fototermin. »Wo ist der Regierende?« will Senatskollege Evers wissen. Die Sprechblasen in den Köpfen sind hörbar: »Tennis spielen.« Wegner lugt vor, »Hier, hier!« und schießt aus der zweiten Reihe vor und posiert.
Zurück in den Bus. Weiterfahrt. Wie die Zeit nutzen bis zur nächsten Station? Vielleicht mit dem Anstimmen von Wanderliedern, schallt es von den Evers-Sitzen durch den Bus. Einer hebt den moralischen Zeigefinger und sagt: »Das ist doch keine Vergnügungstour.« Ein Schenkelklopfer.
Wir steuern den Höhepunkt der Exkursion an. Holz-Hybrid-Neubau, knapp 200 Wohnungen in Lichtenberg. Das Doppelmotto der Genossenschaft selbstverwalteter Projekte (GSP): »Wir bauen Gesellschaft« und »Bleibende Werte schaffen«. Evers ist amüsiert und reimt – etwa so: »Wir schaffen geschaffte Genossenschaft.« Was auffällt: die verdutzten Blicke der Arbeiter auf der Baustelle hinter Hamburger Gittern. Davon nehmen Wegner und Co. keine Notiz. Wieder Schnappschüsse. Oder wie Evers glucksend sagt: »Ohne Foto geh’n wir hier nicht weg.«
Im Bus machen sich erste Ermüdungserscheinungen breit. Munter hingegen bleibt der Stab um Evers. Die mit den Kunstnägeln in Deutschlandfarben tippt volkstümliche Schlager auf dem Display ihres iPhones an. »Volles Rohr«, sagt sie. Ihr Sitznachbar reagiert: »Das klingt vielversprechend.« Es bleibt beim Anspielen ohne kollektives Intonieren. Besser so.
Endstation der Reise. Verwaltungssitz der Genossenschaft »Vorwärts« in Friedrichsfelde. Pressekonferenz (PK) und Übergabe des Positionspapiers. Die Schar macht sich zunächst am Buffet im Versammlungsraum zu schaffen. Währenddessen unterhält ein »Vorwärts«-Vorstand die Senatsmitglieder im Hof und verweist auf ein altes Gemäuer. Eine frühere Bäckerei, sagt er. Die stehe unter Denkmalschutz, deshalb könne die Fläche nicht begrünt werden. Evers mimt abermals den Entertainer: »Wir räumen das jetzt einfach ab, fangen wir gleich an.« Alle schmunzeln, einige nicken verschmitzt.
Ernsthaft wird es dann doch noch. Auf der Pressekonferenz. Rund 192.000 Genossenschaftswohnungen gibt es in Berlin, knapp elf Prozent des Mietwohnungsbestands. 2025 nur 178 Fertigstellungen – ein Tiefpunkt. Seit 2018 ein Einbruch um fast 80 Prozent. Die Genossenschaften formulieren fünf Forderungen: mehr Bauland, faire Förderung beim Bestandsankauf, Anerkennung der Quartiersarbeit, ein Staatssekretär in der Senatskanzlei, Respekt für gemeinwohlorientierte Selbstverwaltung.
Die Reaktion des Senatstrios? Erwartbar nichtssagend – oder Evers: »Ich bin Fan von Genossenschaften.« Die Eigenverantwortung der Mitgenossen gefalle ihm. Nach dem Abschlussfoto bleibt der Eindruck: ein bisschen Klassenfahrt, ein bisschen Kaffeefahrt. Nur dass die Genossenschaften am Ende dort stehen, wo sie am Morgen losgefahren sind. Viel gezeigt, viel gesprochen – und doch nicht vom Fleck gekommen.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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