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WM-Kolumne

Tiefe

Gras

Foto: Harry Laub/imagebroker/IMAGO
Wer hat das ZDF eingeschaltet? Neulich im Schweinestall

Langsam gehe ich in die Knie. Langsam könnte ich in den Sack hauen, und die Ganglien der Leser strapaziere ich ja auch enorm. Nein, ich malträtiere sie.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist ein luhmannesk kittdicht geschlossenes, selbstreferentielles System. Jeder Schweinestall wird besser be- und durchgelüftet. Jeder Schweinestall (mit Strohstreu und Auslauf) bietet unreglementierter, unvorhersehbarer Interaktion größeren Raum.

Verfestigt hat sich ein Kompaniebewusstsein, ein Gebaren, mit dem man den Begriff des Bewusstseins eher nicht in Verbindung bringen sollte. Sie babbeln alle das gleiche. Sie unterhalten ein fetischistisches Verhältnis zu Kristallisationswörtern, weil sie das Denken eingestellt und nichts zu sagen haben. Sie sind erbärmliche Oberflächenerscheinungen, sie sind dressiert, deformiert, sie sind Troglodyten.

Beispiel eins: das Wort- und Satzfeld des bereits bis zum Erbrechen traktierten Umschaltens. Christoph Kramer: »Super Umschaltmomente« (bei Ghana). Philipp Sohmer: »Südafrikaner suchen jetzt auch mehr ihre Umschaltmomente.« Bastian Schweinsteiger: Es wäre dienlich, »Umschaltbewegungen mehr zu haben«. Sohmer: »Keine schnellen Umschaltmomente bisher.« Et cetera.

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Beispiel zwei: die Tiefe. Sohmer: »Wie kriegst du die Tiefe?« Robin Gosens: »sehr gut besetzt, auch in der Tiefe«, »auffällig in der Tiefe«. Julian Nagelsmann: »die Tiefe wegnehmen«, »weil du nicht so viel Fläche kriegst«. Kramer: »das tiefe Verteidigen«, »viele tiefe Blöcke«, »Die haben so gar keine Tiefe« (über Portugal), »in den tiefen Block fallen müssen«. Gari Paubandt: »Keine gute Tiefenstaffelung bei Südafrika erkennbar.« Schweinsteiger: »Vielleicht aus der Tiefe.« Punkt, Punkt, Punkt.

Wie sind wir vierzig, fünfzig Jahre lang ohne die Tiefe ausgekommen? Was ist uns da entgangen? Waren wir epistemisch blind? Allesamt Flachwichser? Zu dumm zum Brotschneiden?

Konnten wir ein Spiel gar nicht »lesen«? Wobei mir just auffällt, dass das »Lesen« des Spiels überhaupt nicht mehr en vogue ist. In meinen Unterlagen kugelt keine Belegstelle für das »Lesen« des Spiels herum. Wahrscheinlich ist das »Lesen« des Spiels zu anstrengend, hermeneutischer Müll.

Mit der übel gekleideten und frisierten Katharina »Aufhitzt« Dröge zu reden: Rein mit all den Mackern in ein »Sofortabkühlprogramm«! Schockfrostet sie! Auf dass sie ihre Klappen zusperren.

Mir schwebt an dieser Stelle notabene demnächst ein Lob der Katherina Reiche vor. Die Frau hat Geschmack, Stil. Dann würden mich die Berliner endlich rauswerfen. O wäre das eine Wonne.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.06.2026, Seite 16, Sport

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