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Gewalt gegen Frauen

Abgehört und getrackt

Handykontrolle als Form partnerschaftlicher Gewalt. Berliner Initiative sammelt Smartphones für Frauenhäuser

Von Annuschka Zak
Foto: fStop Images/IMAGO

Chats mitlesen, Anrufe mithören, Standort tracken – Handykontrolle ist eine Form partnerschaftlicher Gewalt. Die Täter versuchen die Betroffenen in jedem Lebensbereich zu überwachen und von anderen Menschen zu isolieren. Auch, um ihre Gewalttaten zu vertuschen und zu verhindern, dass sich ihre Partnerinnen Unterstützung suchen.

Die Fachstelle für Inklusiven Gewaltschutz hat Mitte Juni eine Kampagne gestartet: Bis zum 17. Juli können gebrauchte, funktionstüchtige Smartphones für Frauen an Frauenhäuser gespendet werden. Die Adressen der Frauenhäuser sind geheim, um die Frauen vor den Tätern zu schützen. Sie sollen auch geheim bleiben, weshalb sichere Handys eine Grundvoraussetzung sind.

»In unserem Programm für besonders gefährdete Frauen, also Klientinnen, die Gefahr laufen, einem Femizid zum Opfer zu fallen, ist es ein wichtiger Schritt, dass wir die Kontrolle auf dem Handy abchecken. Und es ist eigentlich immer der Fall, dass sich irgendwas findet, was man ändern muss«, erzählte Nua Ursprung, Pressesprecherin von der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG), am Mittwoch abend beim Telefonat mit junge Welt. Es sei häufig nicht unbedingt komplizierte Spyware auf den Smartphones zu finden, die Überwachung funktioniere subtiler über die geteilte Cloud oder einen geteilten Standort oder darüber, dass der Täter das Passwort zu E-Mails und sozialen Netzwerken habe. »Manchmal ist es eben auch komplizierter. Deswegen sammeln wir die Handys. Dann können wir sicher sein, dass nicht doch noch irgendeine Software auf dem Handy versteckt ist, die man bei einer Kontrolle nicht gefunden hat«, so Ursprung.

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Das Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024 des Bundeskriminalamts (BKA) verzeichnet mit 265.942 registrierten Opfern einen historischen Höchststand und einen Anstieg von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Thema digitale Gewalt verzeichnet das Bundeskriminalamt für das Jahr 2024 einen starken Anstieg der Opferzahlen um sechs Prozent auf insgesamt 18.224 betroffene Frauen und Mädchen. Im Fünfjahresvergleich bedeutet dies sogar mehr als eine Verdoppelung der Fallzahlen. Die Zahlen für das Jahr 2025 sind noch nicht veröffentlicht. Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher Gewalt ist riesig, die Angst vor den Tätern oft zu groß, das Vertrauen in staatliche Institutionen zu klein, um Anzeige zu erstatten.

Wenn Frauen, die von Gewalt betroffen sind, ihr Zuhause verlassen müssen – und einen der wenigen freien Plätze im Frauenhaus bekommen oder ein Programm wie das von BIG finden –, geben sie ihren Alltag, ihr Umfeld, ihr vertrautes Leben auf. Nach der oft jahrelangen Bedrohung durch den Täter ist das eine extreme psychische Belastung. Das Handy ist dann die wichtigste Verbindung zu den verbliebenen Vertrauten. Auch für die Kinder und vor allem Jugendliche spielt das Smartphone eine große Rolle. Oft müssen sie die Schule oder gar die Stadt wechseln, vermissen ihre Freunde und möchten in Kontakt bleiben. Besonders perfide: »Gleichzeitig sind elektronische Geräte, also Handys, Tablets, aber manchmal auch Spielkonsolen beliebte Geschenke von den gewalttätigen Vätern an die Kinder. Einmal, um sich Liebe zu erkaufen, aber auch, weil man dann eben eine Software zum Spionieren darauf verstecken kann oder zumindest mit den Kindern in Kontakt bleiben kann, ohne dass die Mutter das mitbekommt. Und dann die Kinder über das neue Leben ausfragen kann«, berichtete Ursprung.

Die Smartphones können von Montag bis Freitag von neun bis 16 Uhr am Empfang des Campus der Lebenshilfe Berlin in der Böttgerstraße 21 abgegeben werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.06.2026, Seite 15, Feminismus

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