Alles wieder offen
Dramatische Wende: Die Stadt Bitterfeld-Wolfen steigt aus dem neuen Projekt für den Kulturpalast aus
Alles ist anders. Das Ringen um eine neue Nutzung des Kulturpalastes Bitterfeld (Kupa) und um den Erhalt des historischen, denkmalgeschützten Bauwerks hat eine dramatische Wende erfahren. Die städtische Entwicklungsgesellschaft (Steg) als Eigentümerin beschloss am Montag kurz vor Ablauf einer Frist am 30. Juni ihren Rücktritt vom Kaufvertrag aus dem März 2025.
Oberbürgermeister Armin Schenk (CDU) als Vorsitzender des Aufsichtsrates negierte damit den Beschluss des Stadtrates, der sich mit einer Mehrheit von 22 zu 18 Stimmen für das Projekt – und damit für Renovierung und Erhalt des Kulturpalastes – ausgesprochen hatte. Bereits Ende vergangener Woche hatte Schenk erklärt, er werde gegen die Ratsentscheidung »in Widerspruch« gehen, und führte rechtliche Bedenken an. Auch das Wort »rechtswidrig« fiel.
Der OB hielt an seiner seit Wochen vorgetragenen Begründung fest, das finanzielle und sicherheitstechnische Risiko sei zu groß, zudem liege keine Betriebsgenehmigung vor. Er stützte sich dabei auf ein hastig und unter zweifelhaften Umständen erstelltes Gutachten. Allerdings wurde bereits in der vergangenen Woche über einen anderen Hintergrund spekuliert, der inzwischen von Steg-Geschäftsführer Heiko Kaaden bestätigt wurde: Bisher schien gesichert, dass 20 Millionen Euro Fördermittel aus einem staatlichen Strukturförderungsprogramm zur Renovierung fließen würden. Jetzt hieß es, sie könnten erst in den 2030er Jahren, wenn überhaupt, zur Verfügung stehen. Zu spät.
Die Bereitstellung des Geldes durch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt war mit verschiedenen Anforderungen verbunden, was durchaus üblich ist. Diese wurden offenbar, so sickerte durch, von der Steg nicht erfüllt – aus welchen Gründen auch immer. Das alles müssen die Verantwortlichen gewusst haben. Darüber informiert wurde nicht.
Nach dem städtischen Ausstieg aus dem Kupa-Projekt wäre nach derzeitigem Stand auch der Plan des niederländischen Produzenten Willem Metz gescheitert, in dem dann renovierten Gebäude dauerhaft das Musical »Shanghai Orchid« aufzuführen. Die Vorstellungen waren als Kernstück einer zukünftigen Nutzung vorgesehen. Zudem lägen die vielen Überlegungen für die weitere Entwicklung des Palastes zu einem multikulturellen Zentrum neuen Charakters ebenfalls ad acta.
Im Gespräch waren schon seit Jahren – und auch bereits zu Zeiten des 2022 tödlich verunglückten damaligen Besitzers Matthias Goßler – Ausstellungen, Forschungsvorhaben zum historischen »Bitterfelder Weg«, der 1959 auf einer Konferenz in dem Gebäude proklamiert wurde (»Greif zur Feder, Kumpel!«), Arbeitsräume für Initiativen und Vereine. Seine Ehefrau Andrea Goßler, an die der Kulturpalast nunmehr als Eigentum zurückfällt, erklärte bereits auf der Sitzung des Stadtrates, dass sie finanziell nicht dazu in der Lage sei, auf Dauer die Sicherung des ungenutzten Gebäudes zu tragen, und folglich wohl Insolvenz anmelden müsste.
Hat der Palast noch eine Perspektive? Seine Zukunft ist wieder völlig ungewiss und die Ratlosigkeit unter den Freunden des Kupa groß. Dabei war die Freude über die positive Stadtratsentscheidung groß gewesen. Es schien, als wäre der Kulturpalast Bitterfeld zum Vorbild geworden für andere derzeit brachliegende Objekte der DDR-Architektur und deren Nutzung. Voraussetzung für deren Erhalt ist allerdings der politische Wille.
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