Zum Inhalt der Seite
WM-Kolumne

Epikur

Gras

Foto: Norbert Schmidt/IMAGO
»Er ist halt da.« – Schweinsteiger über Messi

Ich könnte, da ich manch einem als Spezialist gelte, eine Auskunftei eröffnen. Aus dem hessischen Ausland erreicht mich zum Beispiel die Frage: »Was ist denn bitte das ›match momentum‹«?

Das wisse ich nicht so recht, antworte ich. Eventuell handele es sich beim match momentum oder Match-momentum oder Match-Momentum um eine Art Umschaltmoment, um einen Augenblick, in dem ein »Ruck« (Robby Herzog) durch die Mannschaft geht und alle elf Beteiligten spüren, jetzt sei die Gelegenheit gekommen, volles Rohr umzuschalten, krass zu performen, den Feind erbarmungslos zu jagen, einzuschnüren und komplett in Stücke zu hauen, also um einen psychisch-kriegerischen Kairos.

Ein Hilfsbedürftiger aus Nordrhein-Westfalen sucht in Erfahrung zu bringen, was die ARD-Kommentatorin Christina Graf für eine sei, die bei Argentinien – Österreich nachweislich »So läuft die Zeit ein Stück weit runter« und »Ein Stück weit zuviel, dieses Zweinull« gesagt habe. Je nun, Eckhard Henscheid, der jahrelang Björn »Ein Stück weit« Engholm traktiert hatte, zählte offensichtlich nicht zu ihrer Schullektüre, doofer als Tabea Kemme von Magenta TV (»den Fokus jeweils zu nehmen«) sei sie gleichwohl nicht. Sie habe halt Medienwissenschaften studiert, und so rede sie, und da sie außerdem ein Klon von Claudia Neumann sei, schlüge ich ein Quiz vor, bei dem folgende Sprechakte der einen oder der anderen zugeordnet werden müssen: »Schweden gehen in den Materialdruck gegen den Ball«, »aus der Position zu ziehen«, »nicht so richtig ganz in Schuss gekommen«, »Einschusslücke«, »Personalhändchen«, »Da trifft er den Nagel auf den Kopf, möglicherweise sogar wahrheitsgetreuer, als ihm lieb ist«, »im flotten Schleudergang zur Analyse«.

Anzeige

Und weil ich ein landesweit bekannter Misogynist und nietzscheanischer Chauvinist bin, preise ich Bastian Schweinsteiger, der nach einer Schalte zu fröhlich betrunkenen Wienern aufatmete: »Endlich mal normale Leute!« Und ich zeihe die ewig selbstverliebte Esther Sedlaczek der fundamentalen Ungeeignetheit, da sie den Basti, feministisch genusdekonstruktiv gesinnt, fragte, »ob dir noch irgendeine (sic!) Superlative (sic!) zu Messi noch einfällt«, und der epikureisch muntere Bastibub replizierte: »Er ist halt da. (…) Er will halt das Tor machen, ganz einfach.«

Oh, »come here, baby / Mary, I love you / Do it, baby« (Rick James).

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 24.06.2026, Seite 11, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!