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Abschied vom schnellen Sieg
Russische Politologen sehen ihr Land schon im dritten Weltkrieg. Er könne generationenlang dauern
Auf der Krim haben ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe in den vergangenen Wochen offenbar die Versorgungssituation mit Treibstoffen verschärft. Vor einigen Tagen erklärte die Führung der Krim-Republik, Benzin und Diesel würden ab sofort nur noch an staatliche Stellen und das Militär abgegeben. Privatleute müssten leer ausgehen, auch wenn sie gültige Bezugsscheine besäßen. Angesichts der Situation verkündete die Regierung der Krim, dass alle für die Sommersaison geplanten Kinderfreizeiten auf der Krim ersatzlos gestrichen seien; der offizielle Verweis auf die Sicherheitslage macht deutlich, dass die russische Seite gegen die ukrainischen Drohnenangriffe derzeit kein Mittel zur Hand hat.
Vom Kriegsschauplatz melden russische Quellen unterdessen Geländegewinne an mehreren Abschnitten der Front im Donbass. Insbesondere soll die Industriestadt Konstantinowka inzwischen vollständig in russischer Hand sein, heißt es in nicht unabhängig zu bestätigenden Meldungen russischer Medien. Quellen auf ukrainischer Seite sprechen ominös von einer »schwierigen Situation«, was die russischen Meldungen der Tendenz nach bestätigt.
In dieser Gemengelage ist in Teilen der russischen Öffentlichkeit eine neue Diskussion über das weitere Vorgehen aufgekommen. Einige Autoren wie der Ökonom Ilja Kaschin rufen dazu auf, sich mit dem Eroberten zufriedenzugeben und den Krieg, wie vom Westen gewünscht, entlang der Frontlinie einzufrieren. Mehr als das Erreichte werde Russland in absehbarer Zeit nicht mehr erobern können, so Kaschin vor kurzem in einem Artikel für die außenpolitische Fachzeitschrift Russia in Global Affairs. Das scheint aber nicht die offizielle Linie zu sein; zumindest hat Außenminister Sergej Lawrow noch kürzlich in einem Artikel ein solches Einfrieren des Konflikts als einen Schritt kritisiert, der nur der westlich-ukrainischen Seite nutze.
Auf welche Weise aber Moskau das Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten verändern und einen Durchbruch in Richtung siegreicher Beendigung des Kriegs erzielen könne, ist im Lande umstritten. Einzelne Politiker und konservative Publizisten rufen dazu auf, »endlich ernsthaft zu kämpfen« und »die Samthandschuhe auszuziehen«. So etwa Konstantin Malofejew, ein »orthodoxer Oligarch« und Besitzer des Fernsehkanals tsargrad.tv. Er riet dazu, eine heftige Angriffswelle gegen die gesamte ukrainische Infrastruktur wie Brücken, Tunnel, Bahnhöfe und dergleichen zu starten. Andere Publizisten rufen sogar dazu auf, taktische Atomwaffen gegen die Brücken über den Dnipro einzusetzen; der Westen werde dies hinnehmen, solange die Ukraine nicht in der NATO sei, argumentierte ein Autor von svpressa.ru, eine der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation nahestehende Plattform. Russland habe durch weiteres Zuwarten nichts zu gewinnen, im Gegenteil: Mit jedem Jahr baue die NATO ihre militärischen Potentiale aus. Ein Befreiungsschlag jetzt sei erfolgversprechender als in einigen Jahren. In Teilen der russischen veröffentlichten Meinung wächst offenbar das Gefühl, dass dem Land die Zeit davonläuft.
Offenkundig unter dem Eindruck solcher Stimmungen haben auf dem kürzlich veranstalteten St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum mehrere Redner mit offiziellem Segen den Ukraine-Krieg implizit neu benannt: Nicht mehr von einer »militärischen Spezialoperation« mit klarer Abschlussperspektive war in diesen Beiträgen die Rede – obwohl das Wort weiterhin benutzt wird. Vielmehr wurde Russland als bereits mitten im dritten Weltkrieg stehend dargestellt. Darin gehe es für Moskau um die Selbstbehauptung als »unabhängige Zivilisation«, und dieser Kampf werde sich über die Lebensdauer mindestens einer Generation hinziehen. Der Westen versuche, Russland langsam »weichzukochen«, ohne dass sich die politische Führung zu einem Atomschlag durchringe. Als Antwort auf solche Argumente hatte der einflussreiche Politikberater Sergej Karaganow schon im Januar vorgeschlagen, atomare »Warnschüsse« gegen Ziele in Deutschland und Großbritannien zu führen, um »Europa zur Vernunft zu bringen«. Deutlich wird aus allen diesen Stellungnahmen ein offenbar wachsendes Gefühl der Perspektivlosigkeit des Krieges auf der jetzigen Eskalationsstufe. Mit nicht einmal mehr verschwiegenen Implikationen.
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Klaus Ludwig aus Wildeck 25. Juni 2026 um 10:28 UhrMeine Beschreibung des Charakters dieses Krieges Moskaus in der Ukraine lautet schon lange: Russland darf diesen Krieg nicht verlieren und will ihn aber auch nicht gewinnen. Warum? Weil gewinnen heißt Kiew erobern und mit Regime-Change ein Belarus 2 schaffen. Wäre auch mit der Methode Maduro zu erzielen. Nur rückt dann nicht die NATO an die Landesgrenze zu Russland, sondern Russland an das NATO-Mitglied Polen zzgl. Slowakei, Ungarn und Rumänien. Das aber genau gilt es ja zu vermeiden. Daher die einzig denkbare Option: eine garantiert unabhängige Ukraine. So schafft Russland sich vom Baltischen bis zum Schwarzen Meer einen Puffer, und der kann geostrategisch einmal entscheidend werden. Es gibt zu der strategischen Bedeutung eine taktische, denn das oberste Ziel Putins, nicht unumstritten, s. Karaganow, ist die unbedingte Teilnahme an Europa, nachvollziehbar, denn Russland ist eine europäische Nation und Teil Europas nicht weniger als jedes andere Land. Aber die EU/NATO hat den Krieg missbraucht, um Russland aus Europa auszuschließen, und die militärische Eroberung Kiews würde diese Haltung auf Generationen zementieren, während die Neutralität mit der Zeit die Aufhebung aller Sanktionen und zuerst der unsinnigen Trennung der Einwohner und ihrer Kulturen eine Perspektive hätte. Wird Russland zum Regime-Change in der Ukraine gezwungen, ist lediglich der Adressat für Taurus-Lieferungen etc. verschwunden, allerdings mit dem Vorteil, in der Russischen Föderation Sicherheit schaffen zu können, weil aus dem Baltikum oder Polen militärische Angriffe auf Russland zu führen sich die NATO nicht trauen wird. Was Leute wie Kaschin meinen, ist nichts anderes als Missachtung der strategischen Konzepte in Washington, über die schon Gorbatschow gestolpert ist. Heute den Krieg beenden wird nicht gehen, die Ukraine wird zum Israel Washingtons und auf immer und auch militärisch den Terror gegen die Gebiete östlich einer neuen Grenze fortsetzen. Mit der NATO sind solche Kompromisse nicht möglich. Man wird das merken, wenn Moskau ein Teilziel erreicht hat, mag der Donbas in Gänze oder gar inkl. der gesamten Schwarzmeerküste (Odessa!) sein, und dann das Friedensangebot an die NATO unterbreitet: Der Krieg wird so nicht enden!
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Russland steckt m. E. in einem strategischen Dilemma. Es gelingt der russ. Armee nicht einen entscheidenden Sieg zu erringen, um der Ukraine eine Niederlage beizufügen, die es ihr unmöglich macht, für Russland eine Bedrohung darzustellen. Einige Jahre haben dazu nicht ausgereicht. Zu viele Menschenleben und materielle Ressourcen sind geopfert worden. Das Ergebnis ist mehr als mager. Zur Zeit lässt Russland sich von seinen erklärten Feinden an der Nase herumführen (Krim, Drohnenangriffe auf die Energie- und Rüstungsindustrie, Kaperung und Beschuss von Handelsschiffen, usw.). Und das mehr denn je, da die westliche Kriegsführung durchaus erfolgreich ist. Darauf scheint man in Moskau keine Antwort zu haben. Weder politisch noch militärisch. Der Ukraine/NATO ist es gelungen, die Initiative zu erlangen. Die ukr. Nationalisten triumphieren und mit ihnen ihre NATO-Unterstützer. Die Bodenkriegsführung spielt faktisch keine Rolle mehr. Eine Generation lang Bruderkrieg? Mit welchem Ergebnis? Das kann niemand wollen. Das wäre irrsinnig, da sollte doch was Intelligenteres möglich sein.
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Das mit der Beurteilung der strategischen Gesamtsituation sollten wir uns nicht zu leicht machen. Ziel des Krieges war von NATO-Seite aus, Russland entscheidend zu schwächen und als Staat zu zerschlagen. Und Russlands strategisches Ziel war es, das zu verhindern. Heute gibt es wohl im Ukraine-Krieg eher ein strategisches Patt. Russland kann nicht aufgeben, die NATO schon. Wir werden sehen, ob und wann sie das tut. Die Risse im Bündnis nehmen zu; ein gutes Zeichen dafür, dass das Schlachten zu Ende gehen könnte. Nicht heute und nicht morgen zwar, aber so könnte das eventuell ausgehen, wenn Vernunft einzieht, statt auf den ganz großen Knall zu setzen.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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