Wollen oder nicht
Eine Lesung anlässlich des zehnten Todestages von Wolfgang Welt
Zu einer Lesung über Wolfgang Welt geht man nicht mit Smartphone. Und man fährt dafür auch nicht nach Düsseldorf, eigentlich. Aber das Schauspielhaus Bochum hüllte sich in Schweigen zu Welts zehntem Todestag am 19. Juni. Daher sitze ich einen Tag später im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf bei einer würdigen Ehrung des Bochumer Stadt- und Ruhrgebietsschreibers Wolfgang Welt, der »Gottvater der Popliteratur«. So nennt ihn die Schauspielerin Jasmin Nevin-Varul im Gespräch nach der Veranstaltung, in der sie bisher unveröffentlichte Briefe Welts aus den Jahren 1981 bis 1983 vorträgt. Was ja auch heißt, dass sie mit der Schreibmaschine oder in Handschrift angefertigt wurden, Sorgfalt in der Gestaltung einer persönlichen Nachricht erzwingend.
In den Briefen (an Verleger, Redakteure oder potentielle Förderer) wie auch in späteren Romanen schildert Welt seinen gehetzten Alltag zwischen Scheinstudium, Musikreportagen und -rezensionen, DJ-Tätigkeit, Arbeit im Plattenladen, Fußball spielen, Arztbesuchen – kompensiert wird mit Alkohol, Kaffee, Zigaretten, Medikamenten, erste Anzeichen späterer psychotischer Schübe sind bereits zu bemerken. Schlecht bezahlt, zeit- und energiefressend ist das alles, immer »irgendwie (…) wie ›Der arme Spielmann‹, der immer auf der Suche nach dem idealen Ton war, oder wie der ›Hungerartist‹. Ich weiß einfach nicht, was ich will und ob ich eigentlich was will.« Atemlos wird getippt, frankiert, abgesendet.
Nevin-Varul empfindet den gehetzten Rhythmus, den Wolfgang-Welt-Sound so mitreißend nach, dass es Szenenapplaus gibt. Ihre Lesung sei eine »Herzensangelegenheit«, sagt Martin Willems, eine Art Nachlassverwalter und Archivar Welts, in seiner Einführung. Was möglicherweise ein wenig verwundert, erschließt sich Welts Œuvre bei flüchtiger Lektüre eher männlichen Angehörigen der Boomergeneration. Schaut man genauer hin, stellt man aber fest, dass chauvinistisches Denken Welt eher fernlag. Zwar schreibt er viel darüber, dass er oft an Frauen und Sex denkt, aber vor allem als Protokoll des Scheiterns.
Welts Briefe sind kleine Wunderwerke, reich an Assoziationen und Ideen. Lebendig wird so auch der proletarische Kosmos der 80er – Bergmannseltern, Opel, Fußballverein –, Welts Wilhelmshöhe, seine Heimat. Eben seine Welt.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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