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Beginn eines Menschheitsverbrechens
Vor 85 Jahren marschierte die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein. Die Strategen des Überfalls planten den Völkermord an bis zu 40 Millionen Menschen
Am 22. Juni vor 85 Jahren marschierten mehr als drei Millionen Soldaten der Naziwehrmacht und ihrer Verbündeten in die Sowjetunion ein – der »Fall Barbarossa«. Der Krieg, der in Europa am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begonnen hatte und 1940 zum kontinentalen Krieg geworden war, erhielt globalen Charakter. Der deutsche Imperialismus griff wie 25 Jahre zuvor nach der Weltmacht.
Seine Planer bereiteten den größten Völkermord der Geschichte vor. 30 bis 40 Millionen Sowjetbürger sollten bis Ende 1941 durch Ermorden und Aushungern tot sein, Millionen versklavt und in die deutsche Kriegswirtschaft gezwungen werden. Der europäische Teil der Sowjetunion war für deutsche Siedler vorgesehen. Juden sollten ausgerottet, sämtliche Führungskräfte der Sowjetmacht beseitigt, alle politischen Kommissare der Roten Armee bei Gefangennahme ermordet werden. An den sowjetischen Kriegsgefangenen fand ein Völkermord im Völkermord statt: Von weit über fünf Millionen Gefangenen fanden 3,3 Millionen den Tod, davon mehr als zwei Millionen bis zum Frühjahr 1942.
Bereits nach rund vier Wochen waren die deutschen militärischen Pläne von einem »schnellen Feldzug« zunichte. Am 10. Juli begann die Schlacht um Smolensk, die zwei Monate dauerte: Der Widerstand der Roten Armee hielt die Wehrmacht auf, so dass sie erst im Winter Moskau erreichte. Der DDR-Historiker Dietrich Eichholtz schrieb in jW 2011: »Niemals haben sich bis dahin Politiker und Generäle derart katastrophal verkalkuliert wie Hitler und die deutsche Generalität.«
Es gab daher viele Gründe, das Datum 22. Juni 1941 in der offiziellen BRD-Erinnerungspolitik zu ignorieren. Der 8. Mai, die bedingungslose Kapitulation, war selbst in der BRD nicht zu umgehen. Es dauerte aber 40 Jahre, bis mit Richard von Weizsäcker ein Bundespräsident vom »Tag der Befreiung« sprach. Das ist heute im Zeichen der Kriegstüchtigkeit revidiert: Befreiung hat es nach herrschender Lesart nur dort gegeben, wo Westalliierte die Wehrmacht zurückdrängten, nicht aber dort, wo die Rote Armee kämpfte. Zudem: Chefplaner des »Falls Barbarossa« war Adolf Heusinger (1897–1982), der bereits 1947 verlangte, die Westalliierten müssten Westdeutschland remilitarisieren. Wenige Jahre später war er Generalinspekteur der Bundeswehr, und 1961 wurde er Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. Westeuropäer und Nordamerikaner hatten nichts gegen einen, der an maßgeblicher Stelle den Völkermord in der Sowjetunion vorbereitet hatte. Ursula von der Leyen nannte ihn 2017 ein »Vorbild« für die Bundeswehr. Für die Sowjetunion und Russland galt und gilt dagegen: Einen 22. Juni darf es nie wieder geben.
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Thomas Ludwig aus Hamburg 26. Juni 2026 um 12:00 UhrEs liegt ein gewisser Widerspruch darin, dass wir mit unserem Schuldgefühl und Erkennungskultur nichts gegen die Heldenverehrung von UPA-Nationalisten sagen, die mit Nazideutschland kollaborierten und an Massenmorden an Polen und Juden beteiligt waren. Historische Dokumente und Zeugenaussagen belegen, dass selbst die Abgesandte des nationalsozialistischen Besatzungsregimes von der Brutalität der Massaker erschüttert waren. Nicht nur die Deutschen haben damals unfassbare Verbrechen begangen, sondern auch ukrainische Nationalisten. Der Unterschied besteht darin, dass man sie in der Ukraine mittlerweile als Helden feiert, während man in Deutschland mit Schuldgefühl lebt. Und das ist richtig so, denn wenn man solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht in Erinnerung behält und nicht verurteilt, werden sie sich wiederholen. Deutsche moralische und historische Verantwortung besteht darin, solchen rechtsradikalen Ideen und ethnischem Nationalismus entgegenzutreten, anstatt diejenigen zu unterstützen.
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Horst Neumann 23. Juni 2026 um 11:54 UhrVor 85 Jahren hat Deutschland die Sowjetunion überfallen, was 27 Millionen Menschen der sowjetischen Völker den Tod brachte. Reicht Euch das nicht? Fragen heute russische Bürger die Deutschen angesichts der deutschen Beteiligung am Ukraine-Krieg.
Das Jahr 1941 ist für mich persönlich bedeutend, weil es mein Geburtsjahr ist.
Krieg gehört somit zu meinen ersten Lebenseindrücken. Flucht, Bombennächte, Flüchtlingslager in der Kampfzone an der Elbe mit Artilleriebeschuss und vor allem der Tod des Vaters haben sich 1945 in den Kopf des damals Vierjährigen tief eingeprägt.
In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist der 22. Juni bis heute unvergessen. Es ist ein Tag, an dem in jeder Familie der toten Angehörigen gedacht wird. Kaum eine Familie war verschont geblieben.
Der faschistische Angriffskrieg richtete sich von Anfang an nicht nur gegen militärische Ziele, sondern war auf die Ausrottung von Millionen Bürgern der Sowjetunion ausgerichtet, was dokumentiert ist. Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, wird das in den Unterlagen finden. Es war ein Vernichtungskrieg. Generalfeldmarschall Keitel ordnete an, die Zivilbevölkerung nicht zu verschonen.
Doch es ist nicht einfach eine Geschichtsvergessenheit der Machtelite. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa bemerkte, dass in Westeuropa eine erschreckende Pandemie des historischen Revanchismus erwachsen ist, verbunden mit einer wiedererstarkenden Naziideologie.
Russland wird erneut als Feind benannt und EU-Länder beteiligen sich intensiv am Ukraine-Krieg, wenn offiziell auch noch nicht mit eigenen Truppen. Das könnte sich bis 2029 ändern. Bis dahin will Deutschland kriegstüchtig werden, wieder einmal.
Russland ist nicht unser Feind. Warum kann Deutschland nicht lernen, einmal friedensfähig zu werden? Dabei wäre das lebenswichtig. Militärs und Politiker sollten eigentlich wissen, dass ein Krieg der NATO gegen Russland ein Nuklearkrieg wird, der das Leben in Europa beendet und die Existenz der gesamten Menschheit bedroht.
Dieses Risiko wird wohl in Kauf genommen, da der Rüstungsindustrie enorme Gewinne gesichert werden. Deutschland allein hat 500 Milliarden Euro für die Kriegsvorbereitung eingeplant. Geld, das fehlt für Schulen, Gesundheit, Kultur und Sport.
Deutschland und die NATO unterstellen Russland Angriffsabsichten, obwohl es dafür keinerlei Grundlagen gibt. Doch die Machteliten sehen im Krieg immer noch das beste Mittel, ihre ökonomischen und politischen Interessen durchzusetzen.
Leider gibt es gegenwärtig Anzeichen, die auf eine Wiederholung der Ereignisse vom 22. Juni hindeuten.
Aufrüstung verhindert keine Kriege, schafft keine Sicherheit, sondern bereitet das Gegenteil vor.
Der 85. Jahrestag am 22. Juni sollte Anlass sein, sich auf die UN-Charta zu besinnen, die 1945 erstellt wurde, damit sich eine Katastrophe wie der Zweite Weltkrieg nie wiederholt. Die gegenwärtigen Kriege und Kriegsvorbereitungen machen das dringend notwendig. Um die Existenz der Menschheit, den Reichtum und die Schönheit unseres Kontinents zu erhalten; sind nicht nur in Deutschland, sondern in allen europäischen Ländern Massenbewegungen notwendig. -
Frank Sommerfeld aus Berlin 23. Juni 2026 um 10:27 UhrSehr guter Artikel, gerade in einer Zeit, in der der Westen im Selbstlob erstickt. Gut, die Fakten wieder beim Namen zu nennen.
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Frank Lukaszewski aus Oberhausen 22. Juni 2026 um 09:55 UhrIch freute und freue mich laufend über Beiträge von Herrn Dr. Schölzel. Das sollte jetzt reichen – mir ist das Loben (leider) eher fremd. Ach so: An diesem Tag (ja, fast immer) ist Verlass auf die gesamte jW!
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Reinhard Hopp aus Berlin 22. Juni 2026 um 09:15 UhrUnsere »kriegstüchtigen« Vorfahren; sie mögen uns wieder Vorbild sein. Ihnen wollen wir wieder nacheifern. Solche Heldentaten soll unsere Jugend auch schon bald wieder zu vollbringen willens und in der Lage sein. Mit Begeisterung tun, »was wirklich zählt«. Genau darauf zählen sie wieder, die kriegsgeilen Revanchisten, die gerade dabei sind, ganz Europa in die nächste Katastrophe zu treiben.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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