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US-Sozialstaatsdemontage

Oh snap!

USA: Kürzungen bei Ernährungshilfeprogramm verschärfen Kinderarmut

USA
Foto: Kaylee Greenlee/Reuters
Solidarität: Während des Shutdowns ersetzten Freiwillige die SNAP-Leistungen (Cedar Creek, 1.11.2025)

Die vor rund einem Jahr mit dem »One Big Beautiful Bill Act« beschlossenen Kürzungen beim staatlichen Ernährungshilfeprogramm SNAP, das etwa jeden achten Einwohner der USA bei Lebensmitteleinkäufen unterstützt, haben die Ernährungsunsicherheit im Herzen des Imperialismus deutlich verschärft. Neben Einschnitten in Höhe von 186 Milliarden US-Dollar umfassen die Reformen eine Verlagerung der Finanzierung von der Bundes- auf die Bundesstaatenebene, strengere Arbeitsauflagen, den Ausschluss vieler Geflüchteter und Asylsuchender sowie striktere Maxima bei der Berechnung der Leistungshöhen.

Das zuständige US-Landwirtschaftsministerium hat die Auswirkungen bislang nicht im Detail ausgewertet, unter anderem weil es die jährliche Erhebung zur Ernährungssicherheit eingestellt hat. Erste Daten zeigen laut AP jedoch, dass im Februar 2026 insgesamt 4,3 Millionen Menschen weniger als im Vorjahreszeitraum Leistungen erhielten, wodurch die Zahl der Begünstigten auf rund 37,8 Millionen sank. Die meisten Empfänger leben unter oder nahe der Armutsgrenze und erhalten monatlich im Schnitt rund 187 US-Dollar pro Person. Die Leistungen werden über elektronische Geldkarten ausgezahlt, die ausschließlich für berechtigte Lebensmittel in teilnehmenden Geschäften genutzt werden können.

Während Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins diese Entwicklung als »gute Nachricht« und als Erfolg bei der Eindämmung von Betrug bewertet, zeigte eine Analyse von Propublica am Mittwoch auf, dass vor allem Kinder von den Kürzungen betroffen sind: In den zwölf Bundesstaaten, die Daten nach Altersgruppen ausweisen, waren 776.134 der insgesamt 1.670.011 aus dem Programm ausgeschiedenen Personen Minderjährige, also rund 46 Prozent. In Arizona war der prozentuale Rückgang junger SNAP-Beziehender besonders ausgeprägt; dort erhielten seit Juli 2025 insgesamt 205.223 Kinder keine Leistungen mehr, was einem Rückgang von 55 Prozent entspricht.

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Zusätzlich stehen die Bundesstaaten vor zwei zentralen Kostenverlagerungen, die die Lage weiter verschärfen könnten: Ab Oktober sollen sie 75 Prozent der Verwaltungskosten statt wie bisher 50 Prozent tragen. Ab Oktober 2027 soll zudem ein größerer Anteil der SNAP-Leistungen abhängig von der jeweiligen Fehlerquote der Bundesstaaten übernommen werden, die Über- oder Unterzahlungen im Programm abbildet. Dadurch könnten sich bestehende Ungleichheiten beim Zugang weiter verstärken, insbesondere wenn Bundesstaaten als Reaktion die Anspruchsvoraussetzungen verschärfen oder Leistungen kürzen.

Ein im Mai von UNICEF USA veröffentlichter Bericht betont die Bedeutung von SNAP für gesundes Wachstum und kindliche Entwicklung. In ernährungsunsicheren Haushalten verschlechtere sich trotz ausreichend scheinender Kalorienzufuhr häufig die Ernährungsqualität, wodurch das Risiko für Mangelerscheinungen und langfristige chronische Erkrankungen steige. Ernährungsunsicherheit stehe zudem in engem Zusammenhang mit Angststörungen, Depressionen, Substanzmissbrauch und Suizid, betroffene Kinder hätten darum häufiger Schwierigkeiten in der Schule, wiederholten etwa öfter Klassenstufen und schlössen seltener die Highschool ab.

Vor diesem Hintergrund bezeichnet der Bericht SNAP als »wichtigste Maßnahme des Landes gegen Ernährungsunsicherheit in Familien«. Zugleich verweisen die Autoren auf erhebliche langfristige ökonomische Effekte: Jeder in die Kindheit investierte US-Dollar könne demnach rund 62 US-Dollar an Einsparungen im Gesundheitswesen sowie höhere Einkommen generieren. Für das Jahr 2025 werden die durch Ernährungsunsicherheit verursachten zusätzlichen Gesundheitsausgaben und Produktivitätsverluste auf etwa 237 Milliarden US-Dollar geschätzt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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