Am Ende gewinnt immer der Trump
Familienclan des US-Präsidenten scheffelt Kryptomilliarden, hohe Verluste für Anleger
Seit Jahren verfolgt Donald Trump ein einfaches Geschäftsmodell: Er stellt seinen Namen für Produkte, Unternehmen oder Immobilienprojekte zur Verfügung, investiert dabei oft wenig oder gar kein eigenes Geld, bewirbt die Vorhaben intensiv und profitiert von den Einnahmen. Seit Mitte 2024, während seiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit als US-Präsident, wenden Trump und seine Familie dieses Prinzip auch auf den Kryptomarkt an, mit spektakulären Ergebnissen. Laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters erzielte die Familie seit Trumps erneutem Amtsantritt mit vier Kryptoprojekten Gewinne von mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar. Dem gegenüber stehen mehr als eine Million Anleger, die bis Ende April Verluste in gleicher Höhe verzeichneten.
Anleger investierten stark in die Kryptoprojekte der Trump-Familie, als der Kryptomarkt insgesamt boomte, getrieben von der Erwartung, eine zweite Amtszeit Trumps könne die Integration von Kryptowährungen in den traditionellen Finanzsektor beschleunigen. Nach seinem Amtsantritt leitete Trump Maßnahmen ein, die als branchenfreundlich gelten, darunter bundesweite Regeln für »Stablecoins«, sowie eine Lockerung der Aufsicht durch das US-Justizministerium und die Börsenaufsichtsbehörde SEC. Zwei der vier von Reuters untersuchten Trump-Unternehmen verkauften zusammen, gemessen am Wert, mehr Token als alle anderen Kryptoprojekte – mit nur einer Ausnahme. Insgesamt erzielten die Trumps seit den Wahlen 2024 laut Unternehmensangaben und Branchendaten als Familie mehr Kryptogewinne als jedes andere börsennotierte Unternehmen in den USA.
Das größte Projekt dieser Art ist die Plattform World Liberty Financial. Insgesamt hat World Liberty bislang mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar an die Familie Trump weitergeleitet, davon über 1,4 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf von Governance-Token sowie rund 230 Millionen US-Dollar aus weiteren Unternehmungen. Das Hauptprodukt der Plattform ist ein Stablecoin namens »USD1« dessen Wert an den US-Dollar gekoppelt ist.
Die Söhne Eric Trump und Donald Trump Jr. traten dabei als Hauptwerber auf, reisten international und bewarben das Konzept, das Finanzwesen zu »demokratisieren« und traditionelle Banken zu umgehen. Kurz vor Beginn des Token-Verkaufs rief Donald Trump auf der Plattform X öffentlich zum Kauf auf und schrieb: »World Liberty Fi plant, dazu beizutragen, Amerika zur Kryptohauptstadt der Welt zu machen! Das ist eure Chance, Teil dieses historischen Moments zu sein.«
Die Token räumten den Käufern Mitspracherechte bei bestimmten Entscheidungen ein und boten weitere Vorteile, darunter laut Website des Unternehmens einen »garantierten direkten Zugang« zu bestimmten Teammitgliedern für Nutzer, die Token im Wert von fünf Millionen US-Dollar für sechs Monate sperrten. Der Verkauf war zunächst auf 20 Prozent der Bestände begrenzt, wodurch viele Anleger ihre Positionen nicht vollständig veräußern konnten. Gleichzeitig verloren die Token stark an Wert und fielen bis Ende April um 87 Prozent. Im April wurde zudem ein Vorschlag eingebracht, der später von den größten Token-Inhabern gebilligt wurde und eine vollständige Freischaltung erst ab 2030 vorsieht.
Die Familie nutzte zudem weitere Kryptoprojekte. Am 17. Januar 2025, drei Tage vor seiner zweiten Amtseinführung, rief Donald Trump auf der Plattform X zum Kauf des Meme-Coins »$TRUMP« auf. Nach einem Höchststand im Januar 2025, kurz nach seiner Amtseinführung, stürzte der Token um 97 Prozent ab. Insgesamt brachte er der Trump-Familie rund 616 Millionen US-Dollar ein, während Anleger Verluste von mehr als 700 Millionen US-Dollar erlitten.
Auch zwei an der Nasdaq notierte Unternehmen, AI Financial Corp (ehemals ALT5 Sigma) und American Bitcoin, wurden als Investitionen der Trump-Familie beworben. ALT5 Sigma nahm im Rahmen einer Kapitalerhöhung 750 Millionen US-Dollar ein und investierte 717 Millionen US-Dollar in World-Liberty-Token, ein Deal, der ebenfalls von den Trump-Brüdern stark beworben wurde. Zwischen August 2025 und April 2026 fiel der Kurs um rund 90 Prozent, wodurch Anleger etwa 675 Millionen US-Dollar verloren, während laut Umsatzbeteiligung über 500 Millionen US-Dollar an die Familie flossen.
Auch American Bitcoin verzeichnete 2025 Verluste und starke Kurseinbrüche, von 11 US-Dollar beim Börsenstart auf 1,15 US-Dollar Ende April. Externe Investoren verloren über 200 Millionen US-Dollar, während Eric Trump eine Neun-Prozent-Beteiligung im Wert von über 70 Millionen US-Dollar hielt, ohne nachweislich eigenes Kapital investiert zu haben. Am Ende gewinnt im Trump-Krypto-Spiel stets die Familie samt ihrem Netzwerk.
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