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Drecksack
Gras
Der Dichterfürst Florian Günther, der Herausgeber des Hochglanzmodelleisenbahnmagazins Goldstück, preschte mit seinem mirabellenfarbenen Lamborghini Revuelto auf unseren karg gepflasterten Hof. Der Motor fauchte noch einmal kurz und heftig, bevor sich die Fahrertür sirrend öffnete.
Günther entstieg seinem Zweitwagen, den er für lästige Dienstreisen benutzt. Er trug ein silbernes Sakko, drei seidene Schals und Budapester Schuhe, die er in einer Ostberliner Kaufhalle maßfertigen hatte lassen. »Deutschland hat einen riesigen Torhunger, hab’ ick heute morgen auf RTL gehört! Also auf in die Kneipe! Curaçao wird leiden!«
Gelitten haben alsbald der Dichterfürst und ich, spirituosenbedingt. Von der Demütigung des karibischen Eilandes, das vorher zu einer bedrohlichen Sportmacht hochgejazzt worden war, kriegten wir nichts mit, vom donnernden Auftritt des garstigen Schwed’ auch nicht.
In der unermesslichen Wochenschrift Die Zeit, in der sie formulieren, als säßen sie gerade in einer Talkshow, hatte ich gelesen, »die politischste Fußballweltmeisterschaft aller Zeiten« sei ein Verhängnis, obschon das Spiel »von Natur aus bescheiden« und »seinem Wesen nach zutiefst untrumpisch« sei. »Jeder Jubel ist Subversion, jedes Tor eine kleine Revanche.« Wer kauft denen das ab – und so was?
Der Dichterfürst genoss die würzige Landluft und schlief in seinem Brokatpyjama bis halb elf. Ich prüfte meine Mails, und mein Informant aus den Tunneln des Fußballbetriebs hatte mir zum Autokratiewissenschaftler, Haltungsaufseher und Missionar Christian Streich (»Es gibt keine unpolitische WM«) gesteckt: »Streich ist ein falscher Hund, hat Gertjan Verbeek, als der Club in Freiburg spielte, auf übelste Weise beschimpft und beleidigt. Der Drecksack wusste nicht, dass ich als Außenreporter in schräger Fünfmeterhörweite saß. Verbeek ging aus Protest nicht zur PK nach dem Spiel. Streich ist der größte Täuscher, den ich kenne. Dagegen ist Gerd Schmelzer ein ehrlicher Kaufmann.«
Das darf kolportiert werden und ist hiermit geschehen.
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