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Der 5. Juni 1967

Israel besetzt Restpalästina, die ägyptische Sinaihalbinsel und die syrischen Golanhöhen

Foto: jW

Für jeden von uns unvorstellbar: 59 Jahre Überleben unter Besatzung. Für die Palästinenser ist es tagtägliche Realität. Seit dem 5. Juni 1967. Was passierte an jenem Tag?

Die israelische Armee attackierte zunächst Ägypten mit ihrer überlegenen Luftwaffe – bezahlt und geliefert aus den USA – und zerstörte dabei auf einen Schlag die gesamte ägyptische Luftwaffe. Gleichzeitig rückte die Armee in alle Richtungen vor: Gazastreifen und Sinaihalbinsel im Süden und Südwesten, Golanhöhen im Norden, Ostjerusalem und die gesamte Westbank bis zum Jordan im Osten. Am 7. Juni eroberten Truppen die Jerusalemer Altstadt, nachdem sämtliche Soldaten Jordaniens auf Anweisung ihrer Befehlshaber kampflos abgezogen waren. Die Besatzung hatte begonnen. Am 28. Juni kam der Beschluss zur Annexion Ostjerusalems.

Dann folgten die gezielten Deportationen. Als erster wurde Scheich Abd Al-Hamid Al-Sajih, Präsident des islamischen Schariagerichtes, am 25. September 1967 über die Allenby-Brücke nach Jordanien deportiert. Ihm folgte als zweiter Deportierter der Anwalt Ibrahim Baker. Danach folgten weitere Deportationen in kurzen Abständen, darunter die von Ruhi Al-Khatib, dem Bürgermeister von Jerusalem.

Anfang 1973 wurden Hanna Nasir, Präsident der Universität Birzeit, und Saleh Abd Al-Dschawad, Bürgermeister von Al-Bireh, unter dem Einsatz beträchtlicher Gewalt ebenfalls nach Jordanien deportiert. Sie sollten nicht die letzten sein. Bis heute deportiert Israel nach Lust und Laune, wen es nicht im Lande dulden möchte.

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Direkt nach der Eroberung Ostjerusalems am 7. Juni, also am dritten Kriegstag, begann die Armee ein Werk der Zerstörung in der Altstadt: Das uralte, marokkanisch geprägte Mughrabi-Viertel direkt vor der jüdischen Klagemauer wurde vollständig zerstört, und die 650 Bewohner der zerstörten Häuser wurden vertrieben. Ebenfalls vertrieben wurden 3.000 palästinensische Bewohner des jüdischen Viertels. Ein Riesenplatz vor der Klagemauer wurde »freigeräumt«. Das jüdische Viertel bietet seitdem nur Platz für Juden.

Dann ging es mit Annexionen weiter, nördlich und südlich von Ostjerusalem. Vor allem Richtung Norden wurde das Stadtgebiet bis fast nach Ramallah expandiert, mit Schufat, dem gleichnamigen Flüchtlingslager, Beit Hanina und Teilen von Ar-Ram und vor allem von Kalandija, dem Dorf und dem Flüchtlingslager.

Nach palästinensischen Angaben wurden etwa 400.000 Palästinenser (aus dem Gazastreifen und aus der Westbank) über den Jordan nach Osten unter dem Einsatz von brutaler Gewalt vertrieben: Auch Napalm-Bomben wurden abgeworfen, fast ein Jahr vor My Lai und den unvergessenen Bildern aus Vietnam. Palästina wird – wie immer – grundsätzlich übersehen und vergessen.

Die sogenannte internationale Gemeinschaft reagierte – wie bekannt – sehr langsam und zögerlich auf Israels Angriff auf andere Staaten, das schlimmste Kriegsverbrechen überhaupt. Es dauerte monatelang, bis schließlich am 22. November 1967 der Sicherheitsrat einstimmig Resolution 242 beschloss. Betont wurden die Unzulässigkeit der Eroberung von Land durch Krieg sowie die Notwendigkeit, für einen gerechten und anhaltenden Frieden in der Region zu arbeiten. Israel wurde aufgefordert, sich aus »besetzten Gebieten« zurückzuziehen. Hier begannen die konkreten Probleme: Die englische Version, die im Sicherheitsrat angenommen wurde, ist nicht präzise, da sie nur allgemein von »besetzten Gebieten« spricht. Nur die französische Version nennt ganz klar »die« besetzten Gebiete. Auf dieser Basis klammert Israel bis heute die besetzten palästinensischen Gebiete aus.

1987, nach 20 Jahren Besatzung, erhoben sich die Palästinenser mit einem landesweiten gewaltlosen Massenaufstand gegen diese illegale Herrschaft, die sie mit ihrer Intifada »abschütteln« wollten. Jerusalemer erinnern sich wehmütig an die Tage, als sie nach Ramallah fahren konnten, ohne einen einzigen israelischen Soldaten zu sehen. Auch die Siedler schienen wie vom Erdboden verschluckt: vom Norden Jerusalems bis nach Al-Bireh, der Zwillingsstadt von Ramallah. Aber die Freude blieb kurz. Rabins Armee schlug den Aufstand mit aller Gewalt nieder.

Heute erscheint diese Brutalität, bei der israelische Soldaten jungen Aufständischen mit gezielten Schlägen ihrer Maschinengewehre die Knochen brachen, »harmlos« angesichts von Völkermord ohne Ende. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass die Armee auch 1967, wie schon zuvor 1948 oder 1956, gezielt mordete, wie der israelische Historiker Adam Raz erst am Donnerstag in einem Beitrag in Haaretz auf der Basis von neuem Quellenmaterial zeigte: »Man befahl uns zu töten.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.06.2026, Seite 6, Ausland

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