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Selenskij empört Polen
Präsidenten soll polnischer Orden aberkannt werden. Grund: Ehrung ukrainischer Nazikollaborateure
Die kürzliche Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij, eine Sondereinheit der ukrainischen Armee nach den »Helden der UPA« (Ukrainische Aufstandsarmee) zu benennen, hat in Polen weit über das konservative Lager hinaus Empörung ausgelöst. Präsident Karol Nawrocki stellte sich an die Spitze der Proteste und schlug vor, Selenskij den »Orden des Weißen Adlers«, den dieser 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda erhalten hatte, wieder abzuerkennen. Die Sitzung des Ordenskapitels, auf der über den Antrag diskutiert werden soll, ist für den kommenden Montag vorgesehen.
Die UPA entstand 1942 als bewaffneter Arm der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Sie rekrutierte sich vorwiegend aus Ukrainern, die vorher als Hilfspolizisten den deutschen Besatzern gedient und sich in den ersten Kriegsmonaten an den Judenpogromen und Massakern beteiligt hatten. So ist bekannt, dass Angehörige dieser Truppe im Herbst 1941 Beihilfe zu dem Massaker von Babi Jar in Kiew leisteten, indem sie den Weg des Todesmarsches von über 30.000 Kiewer Juden von der Innenstadt in die einige Kilometer außerhalb liegende »Weiberschlucht« sicherten und so Fluchten verhinderten. In der Provinz waren Angehörige dieser Hilfspolizei auch direkt an lokalen Massakern beteiligt und bereicherten sich an jüdischem Eigentum.
Etwa ab der Schlacht von Stalingrad desertierten viele dieser Hilfspolizisten mit ihren Waffen und versteckten sich in den Wäldern. Sie folgten einer Aufforderung ihrer politischen Führung, die gemerkt hatte, woher nun der Wind wehte. Die Führung der OUN ordnete nun an, große Teile der Westukraine, wo Polen und Ukrainer gemischt lebten, ethnisch zu »säubern«. Dies geschah ab dem Sommer 1943 in zentral gesteuerten Mordaktionen, beginnend mit dem »Blutsonntag« vom 11. Juli 1943. An diesem Tag waren ukrainische Kämpfer gezielt gegen katholische Kirchen vorgegangen, in denen sich die polnische Bevölkerung zum Sonntagsgottesdienst versammelt hatte. Die mit besonderer Brutalität verübten Massaker zogen sich bis in den Sommer 1944 hin, als die Rote Armee die Westukraine befreite. Danach ging die UPA wieder in den Untergrund und kämpfte noch einige Jahre weiter gegen die Sowjetmacht, bevor sie in den frühen 1950er Jahren aufgerieben wurde. Einzelne Kämpfer blieben noch bis Ende des Jahrzehnts in ihren Verstecken.
Empörung in Polen löst vor allem die Rolle der UPA bei der Ermordung und Vertreibung der im damaligen Osten des Landes lebenden Polen aus. Ihnen sind nach verschiedenen Schätzungen von polnischer Seite zwischen 100.000 und 150.000 Menschen zum Opfer gefallen. Die genaue Ermittlung der Todeszahlen ist schon deshalb schwierig, weil die meisten von ihnen seinerzeit in anonymen Massengräbern verscharrt wurden. Kiew weigert sich seit Jahren, ihrer Umbettung und geordneten Bestattung zuzustimmen.
Ob Selenskij den Orden tatsächlich wieder verliert, ist allerdings offen. Die Regierung, die eine entsprechende Entscheidung gegenzeichnen müsste, ist – zumindest bis jetzt – dagegen. Premierminister Donald Tusk rief dazu auf, trotz der »skandalösen« Entscheidung »nicht in Hysterie zu verfallen« und die gemeinsamen Ziele Polens und der Ukraine nicht aus dem Blick zu verlieren. Das allerdings hindert rechte Politiker nicht an der Forderung, auf die Ehrung der »Helden der UPA« nicht nur symbolisch, sondern mit realen Sanktionen zu reagieren. Der Kovorsitzende der rechten Partei »Konföderation«, Krzysztof Bosak, nannte als Beispiele, die bisher von Warschau getragenen Zahlungen für das vom ukrainischen Militär genutzte US-Satellitennavigationssystem »Starlink« zu stoppen oder vereinbarte Lieferungen anderen Geräts zu verzögern. Auch eine »Grundrenovierung« des für den ukrainischen Waffennachschub entscheidenden Flughafens in Rzeszów könne ja plötzlich fällig werden, sagte Bosak gegenüber polnischen Medien.
Die Ukraine versucht inzwischen, in der Form zurückzurudern, ohne Konzessionen in der Sache zu machen. Ihr Außenminister Andrij Sibiga sagte in Kiew, die Entscheidung für diesen und keinen anderen Namenspatron sei der Wunsch der Soldaten der ausgezeichneten Einheit gewesen; damit hätte die »Effizienz« der UPA geehrt werden sollen; gegen Polen habe sich dieser Wunsch nicht gerichtet. Schwer vorzustellen, worin diese Effizienz außer im Massakrieren von Zivilisten bestanden haben soll.
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Onlineabonnent*in André M. aus B. 5. Juni 2026 um 11:50 UhrIch war kürzlich in Wrocław. Am Ufer der Oder steht ein beeindruckendes Mahnmal für die damals massakrierten Polen (das die polnischen Regierungen der Zwischenkriegszeit eine Polonisierung anstrebten, erklärt den ukrainisch-nationalistischen Furor nicht). Ich staune immer wieder über die Maßlosigkeit und damit die unglaubliche Instinktlosigkeit der Kiewer Clique – auch gegenüber ihren Verbündeten. Bisher kamen sie damit immer sehr gut durch. Und das ist nur schwer zu ertragen. UPA und OUN sind hemmungslose Verbrecherorganisationen durch und durch gewesen. Wer sich in diese Tradition stellt, bezeugt seine Schuftigkeit. Sie sind »würdige« Nachfolger dieser Verbrecher. Selbst die SS war im Krieg ob der Greueltaten der Banderas beeindruckt und konnte noch was lernen. Die Kollaborateure und Nationalisten der baltischen Länder waren ähnlich gestrickt … Auch diesen werden heute Heldenkränze geflochten. Wenn Putin von der Ausrottung des Nazismus spricht, muss ich immer daran denken, weil er damit voll und ganz recht hat.
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