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Militärübung im Saarland

Was ist das Ziel von »Saarex 26«?

Zivil-militärische Übung im Saarland: Die Bevölkerung soll an den Kriegsfall gewöhnt werden, sagt Waltraud Andruet

Foto: Becker&Bredel/IMAGO
Tag der offenen Tür der »Saarlandbrigade« am 10. September 2011 in Lebach

Sie planen Proteste gegen die am Wochenende anstehende zivil-militärische Übung »Saarex 26« im Saarland zur Massenversorgung von Kriegsverletzten. Was ist geplant?

Man will üben, wie man Tausende verwundete Soldatinnen und Soldaten im Kriegsfall versorgen kann – mit Vorrang vor der Zivilbevölkerung. Beteiligen werden sich das US-Militär, die Bundeswehr sowie Blaulicht- und Hilfsorganisationen des »Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar«. Wir brauchen diese Dienste für zivilen Katastrophenschutz. Die Übung aber konzentriert sich auf den »Operationsplan Deutschland«, der die Unterstützung von NATO-Truppen bei der Verlegung durch die Bundesrepublik nach Osten beinhaltet. Es ist ein militärisches Machtspiel. Der Ernstfall eines Krieges wird geprobt, und das lehnen wir ab. All das schadet der Bevölkerung, deren Gesundheitssektor schon jetzt kaputtgespart wird. Nur, um statt dessen Geld für Kriegsgerät und -unterstützung für die Ukraine auszugeben. Die deutsche Bevölkerung muss dafür zahlen und leidet bereits jetzt unter knapper werdenden Ressourcen für die zivile Versorgung.

Kriegsbefürworter bejubelten schon »Saarex 25«.

Die »Saarlandbrigade« aus der Garnisonsstadt Saarlouis fährt zu solchen Anlässen auf, was sie hat, um die Einsatzfähigkeit von Militärs und zivilen Organisationen gemeinsam zu proben. Kinder klettern auf Panzern herum, die Bevölkerung soll daran gewöhnt werden, wie es im Kriegsfall zugeht. Die Bundesregierung setzt auf Militarisierung und Aufrüstung. In Saarlouis bezieht ein Musterungszentrum des Bundesverteidigungsministeriums ein ehemaliges Autohaus, um die Wehrpflicht vorzubereiten. SPD-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger bezeichnete das als »gute Nachricht für den Bundeswehrstandort Saarland«. Dies reiht sich ein in die Kriegsvorbereitung mit »Saarex«.

Am Sonnabend um 11 Uhr wollen Sie in Homburg protestieren – warum dort, wenn die Militärübung in Kirkel stattfindet?

Wir halten unsere Mahnwache in Homburg ab, da Kirkel komplett abgesperrt ist. Wir wollen gesehen werden und suchen die Öffentlichkeit, um unsere friedenspolitischen Positionen mit der Bevölkerung zu diskutieren.

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Sie fordern, dass das Saarland kein Aufmarschgebiet werden darf.

Die Kriegsvorbereitung dient der Angstmache. Die Argumentation lautet: Die Bundesrepublik müsse aufrüsten, weil der russische Präsident Wladimir Putin den sogenannten Westen 2029 angreifen wolle. Woher nehmen die Kriegsbefürworter die Jahreszahl? Man sollte alles tun, um den Krieg in der Ukraine zu beenden, der pro Tag Tausende Menschenleben kostet. Warum nicht Exkanzler Gerhard Schröder vermitteln lassen? Es gilt, nichts zu unterlassen, was helfen könnte, das Sterben zu beenden.

Bellizisten und Militärs werfen der Friedensbewegung »Naivität« vor. Es gehe darum, Resilienz zum Schutz der Bevölkerung zu üben. Wie kontern Sie?

Warum üben wir nicht, wie man Frieden macht? Mehr Waffen lösen keine Probleme, sie schaffen neue. Zivilistinnen und Zivilisten soll die Angst vor dem Krieg abtrainiert werden, die Angst davor, dass im Kriegsfall Menschen getötet werden. Dabei haben wir am 8. Mai den 81. Jahrestag der Befreiung vom Naziterror und des Endes des Zweiten Weltkrieges begangen. Es erschreckt uns, wenn Jugendliche wenig über die Kriegsgefahr wissen; wenn 14jährige abwinken: »Wir üben in der Bundeswehr nur schießen, danach kann man weitersehen.« Wir hatten 81 Jahre lang Frieden, sollten alles für unsere Friedensfähigkeit tun. Es kann nicht sein, dass wir überhaupt nichts aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben, den Deutschland begonnen hat. Ich verstehe nicht, wieso die Friedensbewegung belächelt wird. Wir müssen auch verhindern, dass die Kirchen in die Kriegshysterie einstimmen.

Was sagen Sie zu Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, SPD, der von »kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen« spricht?

Wir haben aktuell genug zu kämpfen, um im Alltag zurechtzukommen, etwa aufgrund der erhöhten Preise.

Ihnen geht es um »das gute Leben«: um »wohnortnahe medizinische und pflegerische Versorgung in Krankenhäusern, statt Raketen und vernichtende Bomben«.

Ja. Kriegsmedizin bedeutet eine weitere Verknappung der Ressourcen für die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung. Milliarden in die »Kriegstüchtigkeit« und teure Manöver zu investieren, ist falsch. Wir brauchen das Geld, um Friedensfähigkeit, Bildung, Soziales, Klimaschutz und unser Gesundheitssystem auszubauen. Wir sollten alles in unserer Macht Stehende an Bemühungen unternehmen, um Frieden und Gewaltlosigkeit zu bewahren. Das sollte gelernt und geübt werden. Dazu bedarf es einer starken Zivilbevölkerung. Dies ist die primäre Aufgabe des Staates. Ich hoffe, dass am Sonnabend viele Menschen kommen, um mit uns über Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu diskutieren.

Waltraud Andruet ist aktiv bei Pax Christi Saar und Friedensnetz Saar

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.05.2026, Seite 2, Inland

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→ Leserbriefe
  • Sophia Christoph (Ärztin) aus Saarbrücken 18. Mai 2026 um 11:10 Uhr
    Ärztinnen und Ärzte sollen gut ausgebildet sein. Ich soll empathisch sein, ich soll schnell die richtige Diagnose stellen, ich soll meine Handgriffe in kritischen Situationen sicher beherrschen. Wenn eine Notärztin einen Herzinfarkt oder Verkehrsunfall behandelt oder eine Wiederbelebung durchführt, so ist das Procedere hierfür hochstandardisiert. Wenn ich als Ärztin zu einer Reanimationsfortbildung für Neugeborene – eine extrem seltene Situation – gehe, dann werde ich für mein Engagement gelobt.
    Wenn ich mich allerdings darauf vorbereite, die sehr seltenen Verletzungsmuster von Schuss- oder Schrapnellwunden zu versorgen, in einem Zelt ad hoc 10 Patienten zu sichten und dabei sicher mit den Sanitätern und der Leitung zu kommunizieren, dann höre ich, dass ich bestenfalls Kriegsbefürworterin, wenn nicht sogar Kriegstreiberin bin.
    Das verstehe ich nicht. Ich war bei Saarex26 dabei, als Ärztin. Ich habe die Akutversorgung verwundeter Soldaten und Zivilisten geübt. Ich habe mit dem DRK Zelte aufgebaut, Geräte kennengelernt und triagiert. Ich habe mich vorbereitet, so wie es immer überall als Ärztin von mir erwartet wird, um gute Medizin zu machen, für die, die sie brauchen. Mit mir haben über 250 andere Menschen aus dem Ehrenamt genau das gemacht: sich vorbereitet, sich einer nicht alltäglichen Herausforderung gestellt. Und wir haben gesehen: Wir können handeln. Wir müssen keine Angst haben, fachlich absolut überfordert zu sein.
    Meine erworbenen und trainierten Fähigkeiten, so wie die aller anwesenden Helfer, verhelfen mir dazu, auch in meinem beruflichen Alltag bessere Medizin zu machen. Wenn ich eines Tages als Notärztin die Patienten eines Häuserbrandes betreue und triagieren muss, zum Beispiel. Das ist gut. Saarex26 war eine Übung mit der Bundeswehr, aber nicht nur für die Bundeswehr.
    Was bedauernswert ist, ist, dass eine Übung in diesem Ausmaß erst veranlasst wird, wenn wir uns auf Krieg vorbereiten. Nicht, wenn wir die Überschwemmungen im Ahrtal oder das Pfingsthochwasser sehen. Dass die potentielle Bedrohung durch Krieg scheinbar als dringender wahrgenommen wird als die Bedrohung durch stattgefundene Extremwetterereignisse im Rahmen der Klimakrise.
    Die Klinikschließungen, der Personalmangel und die Medikamentenengpässe sind real. Ebenso wie Neugeborenenwiederbelebungen und Schussverletzungen real sind, wenn auch seltener. Ich verstehe die Sorge, dass eine Vorbereitung auf das eine zur Depriorisierung des anderen führen könnte. Ich habe mich trotzdem gefreut, bei Saarex26 dabei sein zu können. Denn ich will vorbereitet sein und im hoffentlich sehr unwahrscheinlichen Ernstfall trotzdem gute Medizin machen.
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