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25.04.2026
- → Feuilleton
So much love
Eine nette Band: Big Thief spielten in Amsterdam
Wenn schon in Ohnmacht fallen, dann bei einem Konzert von Big Thief. Dreimal passiert das diesen Abend im Amsterdamer AFAS Live – einmal bei dem Support Dylan Meek, zweimal beim Hauptact. Handys leuchten an die entsprechenden Stellen. Big Thief unterbrechen den ersten Song, warten geduldig, bis Hilfe kommt. Alles in Ordnung? Weiter geht’s. Eine nette Band. Als in den vorderen Reihen der Wunsch nach Wasser laut wird, ordert Gitarrist Buck Meek Getränke. Das Konzert ist mit 6.000 Leuten ausverkauft und, wie in den Niederlanden üblich, gut organisiert und angenehm belüftet. Gleichwohl – den ganzen Tag über schien die Sonne. Viele Zuschauer standen bereits zwei Stunden, bevor es losgehen sollte, dicht an dicht gedrängt in der Halle. Please, drink water …
Die Zwischenfälle und der Umgang damit charakterisieren den Abend. »So much love«, sagt Adrianne Lenker, Sängerin und Songschreiberin von Big Thief. Die ersten zwei Songs sind Geschenke, neue, nicht veröffentlichte Stücke, leise und halbakustisch gespielt. »Forgive the Dream«, der zweite, klingt wunderschön, wieder mal eine große Melodie, das haben sie drauf. Die Setlist der Band ist jeden Abend eine andere, und immer taucht man ein in das sehr reichhaltige Repertoire der Gruppe. Grenzen zwischen Songs, Genres, Phasen verschwimmen.
In dem neuen Stück »Beautiful World« singt Lenker: »It’s a fucked-up world / Why must everything be conquered, gutted? / It’s so beautiful.« Big Thief kommen ohne politische Deklamationen aus, ihre Haltung steckt in den Liedern. Ein weiteres neues Stück wird überraschend (gut) von Drummer James Kryvchenia gesungen. Erst singt er allein, dann im Duett mit Lenker. »Where Will We Go« heißt der Song, eine poetische Auseinandersetzung mit politischer und ökologischer Apokalypse. »Where will we go / When there’s nowhere to go to.«
Abgesehen von den besonders begeisternden Passagen, in denen Lenker und Gitarrist Buck Meek sich laut ausufernde Gitarrenduelle liefern, zeigt sich die Band von ihrer leisen Seite. Liebevoll miteinander, zärtlich im Spiel. Mit »Incomprehensible« vom letzten Album »Double Infinity« von 2025 geht das wundervolle Konzert nach zwei Stunden zu Ende. Zuvor wünscht sich das Publikum den älteren Song »Paul«. Gut, meint die Sängerin, und singt eine Strophe a cappella. Am Ende ist es das ganze Lied. Die Halle singt leise mit. Lenker sagt: »I love singing with you.«
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