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23.04.2026
- → Betrieb & Gewerkschaft
Gefährliche Arbeit
Der »Workers’ Memorial Day« erinnert jährlich an während der Schicht verstorbene Arbeiter. Die Politik will derweil den Unfallschutz aufweichen
Am 28. April findet weltweit der »Workers’ Memorial Day« statt. 1984 von der kanadischen Gewerkschaft für Angestellte des öffentlichen Dienstes ins Leben gerufen, soll an diesem Tag an Beschäftigte erinnert werden, die durch Arbeitsunfälle getötet wurden, verletzt oder erkrankt sind.
Hierzulande beteiligen sich Gewerkschaften seit 2011 an dem Gedenktag, vor allem die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU). Das ist folgerichtig, denn Baustellenunfälle, auch mit tödlichem Ausgang, sind eine alltägliche Realität. Ein kurzer Blick auf entsprechende Meldungen der letzten Zeit wirft ein Schlaglicht darauf: Am 18. März stürzte auf einer Baustelle im Berliner Stadtteil Pankow eine Palette mit Dämmplatten aus zehn Meter Höhe auf einen Arbeiter und verletzte ihn schwer. Knapp zwei Wochen zuvor war in Potsdam ein Beschäftigter bei bauvorbereitenden Arbeiten zu Tode gekommen. Mitte Juli vergangenen Jahres starb ein 26jähriger Bauarbeiter bei Waiblingen, weil sechs schwere Betonteile von einem Lkw beim Verladen auf ihn rutschten. Der Haltegurt war gerissen. In allen drei Fällen waren die genauen Ursachen für die schweren Unfälle unklar und blieben weiteren Ermittlungen vorbehalten.
»Die Gefahren am Arbeitsplatz liegen nicht nur in den sichtbaren Ursachen, wie beispielsweise der gebrochenen Sprosse einer Leiter oder einem wackligen Gerüst«, heißt es in einer Mitteilung der IG BAU anlässlich des diesjährigen »Workers’ Memorial Day«. »Stress, Arbeitsverdichtung, Angst vor Jobverlust, lange Wegezeiten – das und mehr sind Gründe für ein erhöhtes Unfallrisiko.« Allein im Zuständigkeitsbereich der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau habe es im vergangenen Jahr 55.915 meldepflichtige Arbeitsunfälle gegeben. 85 Menschen kamen zu Tode. Die Berufsgenossenschaft in der Bauwirtschaft gab für 2024, das letzte erfasste Jahr, 91.813 Unfälle bekannt. 78 Beschäftigte seien durch einen Arbeitsunfall am Bau ums Leben gekommen, so die Gewerkschaft, die darauf hinweist, dass es sich lediglich um die offiziellen Zahlen handele. »Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein.«
Statt für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen, plane die Bundesregierung noch weniger Arbeits- und Gesundheitsschutz, kritisiert die Gewerkschaft. Unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus sei geplant, die Zahl der Sicherheitsbeauftragten in kleinen und mittleren Betrieben zu reduzieren. Das treffe das Bauhandwerk, den Gartenbau, land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie Gebäudereinigungsfirmen stark, oft eher kleine Unternehmen. Gerade dort seien die Sicherheitsbeauftragten wichtige Ansprechpartner in Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. »Eine Verringerung ihrer Zahl schwächt den Arbeitsschutz spürbar – gerade im Handwerk, wo viele Betriebe weniger als 50 Beschäftigte haben und die Unfallzahlen bereits heute höher sind als in größeren Betrieben«, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Carsten Burckhardt. Insgesamt zählen rund 96 Prozent der Betriebe zu diesen kleinen Einheiten. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten dort. Das Risiko eines schweren Arbeitsunfalls sei »etwa zweieinhalb bis dreimal so hoch wie in den größten Betrieben«, stellte Matthias Groß fest, Präventionsexperte bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Ein guter Arbeitsschutz liege im eigenen Interesse dieser Unternehmen.
Kritik an den Plänen der Politik, den Arbeits- und Gesundheitsschutz aufzuweichen, kommt auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). »In der Öffentlichkeit werden Arbeits- und Gesundheitsschutz gerade vor allem als vermeintliche bürokratische Last diskutiert«, stellte Sebastian Schneider, politischer Referent in der Abteilung Sozialpolitik beim DGB, fest. »Dem müssen wir etwas entgegensetzen.« Es sei geboten, »Menschen bei der Arbeit vor Schaden zu schützen«. Kommenden Dienstag rufen IG BAU, DGB und Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft anlässlich des »Workers’ Memorial Day« zu einer bundesweiten Schweigeminute für verunglückte Arbeiter auf.
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