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Syrien

Spur zu vermissten Journalisten

Eva Michelmann und Ahmet Polat sind wahrscheinlich in einem Gefängnis in Aleppo. Unterstützer kritisieren Bundesregierung

Foto: Maria Castro/ZUMA Press Wire/IMAGO
In vielen deutschen Städten gab es Proteste für Eva Michelmann, hier in Leipzig (1.4.2026)

Die deutsche freie Journalistin Eva Maria Michelmann und ihr kurdischer Kollege Ahmet Polat, die aus Nordostsyrien berichteten, galten seit Ende Januar als vermisst. Erstmals liegt nun eine Zeugenaussage vor, die Aufschluss über den Verbleib der beiden geben soll. Demnach sind Michelmann und Polat am Leben und werden in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten. Für die Angehörigen und Unterstützer gibt die Meldung Anlass zur Hoffnung.

Die unabhängige türkischsprachige Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansı, für die Eva Michelmann als Reporterin tätig war, veröffentlichte als Erste die Zeugenaussage aus Nordostsyrien. Die kurdisch geprägte Region wurde im Januar durch eine breite Offensive der neuen, vom Al-Qaida-­Ableger HTS geführten syrischen Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung von Rojava erschüttert. Während der Kämpfe ging der Kontakt zu den mutmaßlich inhaftierten Journalisten verloren. Schon Anfang April wurde berichtet, dass die beiden wahrscheinlich von Milizen entführt wurden, die auf Seiten der Übergangsregierung an den Angriffen teilnahmen.

Die neuen Aussagen, laut denen ­Michelmann und Polat sich in Aleppo im Gefängnis befinden, stammen von einem Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), der im selben Gefängnis wie die beiden Journalisten festgehalten wurde. Die SDF haben als militärischer Arm der Selbstverwaltung von Rojava die Region im Januar gegen die Angriffe verteidigt, wobei zahlreiche Kämpferinnen und Kämpfer in Gefangenschaft gerieten. Nach einem Waffenstillstand kamen einige von ihnen bei drei Gefangenenaustauschen wieder frei, darunter auch der Zeuge. Er berichtete, Ahmet Polat selbst im Gefängnis begegnet zu sein und dass dieser wegen schwerer Verletzungen behandelt werden musste, sich jedoch in stabilem Zustand befinde. Der Zeuge erklärte außerdem, dass im Frauentrakt des Gefängnisses eine »deutsche Journalistin« festgehalten werde, bei der es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Michelmann handele. Die Aussage liegt einem Anwalt von Michelmanns Familie, Roland Meister, vor.

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Die neuesten Entwicklungen im Fall lassen die Angehörigen zwar aufatmen, doch politischer Druck sei weiterhin notwendig, um eine Freilassung durchzusetzen. Das betonte etwa die internationalistische Gruppe »­People’s Bridge«, die die Kampagne für die Freilassung von Michelmann und Polat mitinitiiert hat: »Die aktuellen Zeugenaussagen zeigen (…) erneut, dass vor allem das koordinierte Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Netzwerken entscheidend dazu beigetragen hat, die Spur der beiden Journalist:innen weiterzuverfolgen. Umso dringlicher ist es nun, dass auch die deutschen Behörden transparent handeln, konkrete Ergebnisse vorlegen und ihre Bemühungen deutlich intensivieren.«

Weiterhin üben sowohl die Gruppe als auch die Anwälte der Familie Michelmann scharfe Kritik am Verhalten der Bundesregierung, deren Einsatz für die Freilassung dadurch begrenzt werde, dass Deutschland aktuell um gute Beziehungen zu den neuen Machthabern in Syrien bemüht ist. Immerhin signalisieren diese Bereitschaft, das Land für ausländische Kapitalexporte und politischen Einfluss zu öffnen. Dies wurde zuletzt deutlich, als der syrische Übergangspräsident Ende März zum Staatsbesuch nach Berlin kam. Eine Aktivistin von »People’s Bridge« führte dazu aus: »Ein Staat, der vorgibt, Verantwortung für seine Bürger:innen zu tragen, muss dies auch in seinen außenpolitischen Beziehungen beweisen.« Die deutsche Botschaft sei verpflichtet, »konsularischen Zugang zu Eva Maria Michelmann zu verlangen und sie in Haft zu besuchen. Dass dies bislang nicht konsequent durchgesetzt wurde, wirft ernste Fragen an die Prioritäten deutscher Außenpolitik auf.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.04.2026, Seite 7, Ausland

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  • Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 21. Apr. 2026 um 21:44 Uhr
    Merz und die Regierung unterstützten neben dem Genozid und den Kriegsverbrechen Israels auch die Dschihadisten. Beim pompösen Besuch des syrischen Terroristen Abu Mohammad al-Julan, welcher auch mit der Enthauptung des Journalisten Daniel Pearls in Verbindung gebracht wird, hätte der Kanzler Druck zur sofortigen Freilassung von Michelmann und Polat ausüben können. Nein, denn die Logik ist: umbringen und zerstören. Klar, denn dies hilft der Rüstungsindustrie und den eigenen Aktien. Merz ein Scherz? Leider nur viel Schmerz!
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