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15.04.2026
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Aus Einbildung und Ausbeutung mach Ausbildung
Erneut weniger Azubis: Staat und Kapital wollen Fachkräfte ausbilden, selbige aber nicht ordentlich bezahlen
Allerorts fehlen Fachkräfte. Staat und Kapital will es aber nicht gelingen, entsprechenden Nachwuchs zu fördern. Vergangenes Jahr haben laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) rund 462.000 Menschen eine duale Berufsausbildung begonnen. Klingt viel, sind aber »2,8 Prozent oder 13.300 neue Ausbildungsverträge weniger als im Vorjahr«, womit nun zwei Jahre in Folge ein Rückgang zu verzeichnen gewesen sei, so die Statistiker. Dementsprechend schrumpft auch das Heer der Lohnabhängigkeitsadepten: Insgesamt hätten sich 2025 0,8 Prozent weniger Menschen in dualer Berufsausbildung befunden als 2024.
»Während die Nachfrage steigt, sinkt das Angebot«, fasste Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), die »besorgniserregende« Lage gleichentags gegenüber Reuters zusammen. Zumal die BRD auf das System, das auch Menschen ohne Hochschulreife erfolgreiche Erwerbsbiographien ermögliche, stolz sein könne. Gegenüber den wohl aufgrund des Fachkräftemangels zuletzt »überdurchschnittlich stark angestiegenen« tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen »fällt die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von 682 Euro im ersten Ausbildungsjahr extrem niedrig aus«, ermittelte das WSI schon vergangenen Juni eine Ursache der Misere. Noch älter sei demnach die Forderung der Gewerkschaften, das gesetzliche Minimum »auf mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tarifvertraglichen Ausbildungsvergütung anzuheben«. Das wären 834 Euro pro Monat: 22 Prozent mehr als heute.
»Neben einem Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern wirkte sich die angespannte wirtschaftliche Lage dämpfend auf die Besetzung von Ausbildungsplätzen aus«, begab sich von Destatis ermuntert auch Nico Schönefeldt, Ausbildungsexperte bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), per Mitteilung auf Spurensuche. Ersteres begründete er mit dem Umstand, dass die Bundesagentur für Arbeit »nach Beginn des Ausbildungsjahres mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unvermittelte Bewerber« registriert habe. »Zahlreiche Betriebe« hätten demnach »keine Kandidaten für ihre Ausbildungsstellen« gefunden, so dass »von einem generellen Mangel an Ausbildungsplätzen« keine Rede sein könne. Das die DIHK gut beraten wäre, zur Abwechslung mal über Ausbildungsstellen, von denen Azubis leben können, zu sprechen, gesteht Schönefeldt implizit ein, indem er auf den wachsenden »Anteil vollzeitschulischer Ausbildungen, insbesondere im Pflege- und Gesundheitsbereich«, verwies. Dort werden laut dem WSI mittlerweile die höchsten Vergütungen gezahlt.
Allerdings machen sich nicht nur die Kapitalisten einen schlanken Fuß. Im März machte die IHK Niedersachsen – abermals einseitig – mittels Umfrage eine weitere und ebenso alt bekannte Ursache für die mangelnde Attraktivität dualer Ausbildungen aus, nämlich den »deutlichen Investitionsbedarf« in den Berufsschulen. Genau beziffert wird er nicht. »Die duale Ausbildung ist kein Berufseinstieg zweiter Klasse«, beteuerte indes die dortige Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt, »sie ist die erste Stufe auf der Karriereleiter, die in vielen Fällen höher reicht als bei der akademischen Ausbildung.« Das müsse man »bei den jungen Leuten und ihren Eltern wieder ins Bewusstsein rücken« – freilich nicht mit erstklassigen Löhnen.
Obwohl Bedarf bestehe und Ausbildungsberufe »essentiell für eine funktionierende Gesellschaft« seien, »finden Jugendliche in vielen Regionen und Bereichen keinen Ausbildungsplatz, weil Betriebe nicht ausbilden«, kritisierte Anne Zerr, Sprecherin für Arbeits- und Arbeitszeitpolitik der Bundestagsfraktion Die Linke, gegenüber jW am Dienstag. Es brauche »einen Rechtsanspruch auf Ausbildung und eine solidarische Umlagefinanzierung, die alle Betriebe in die Pflicht nimmt«, ferner eine »höhere Mindestausbildungsvergütung und elternunabhängiges Ausbildungs-BAföG«. Kurzum: Zu Dumpingpreisen sind Fachkräfte hierzulande nicht zu haben.
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