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HipHop

Tod einer Legende

Am 9. April verstarb der HipHop-Pionier Afrika Bambaataa

Foto: Goshorn/MediaPunch/imago
Afrika Bambaataa (New York City, 2007)

Die Studiosession, während der – irgendwann 1980 oder 1981 – in drei Nächten Afrika Bambaataas Hit »Planet Rock« zusammengezimmert wurde, klingt nach einer windigen Angelegenheit. Der ehemalige Gangleader Bambaataa bekam von dem für die Plattenfirma Tommy Boy arbeitenden Produzenten Arthur Baker einen Beat vorgelegt, bei dem es sich um eine einigermaßen dreiste Kombination aus Kraftwerks »Nummern« und »Super Sporm« von Captain Sky handelt. Den Beat hatte sich Baker nachprogrammieren lassen von einem Unbekannten namens Joe – Baker hatte ihn und seine Roland TR- 808-Drummachine mittels einer Annonce in der Village Voice für 25 Dollar Cash Tageshonorar angeheuert. Auf die Schlagzeugsounds klatschten Baker und Keyboarder John Robie das legendäre melodische Motiv von Kraftwerks »Trans Europa Express«, dazu Effekte aus einem Fairlight CMI-Sampler und ein paar Synths. Darüber ließ Bambaataa seine MC-Crew Soulsonic Force unzusammenhängende Partyreime rappen. Das Flickwerk wurde einer der wichtigsten Tracks der HipHop-Geschichte – und Afrika Bambaataa einer der mythischen Gründungsväter des Genres.

Wie bei anderen mythischen Figuren scheint die Lebensgeschichte von Bambaataa mehr zu verhandeln als die Biographie eines Normalsterblichen. Sie vereint allerlei Elemente, konstitutiv für HipHop-Kultur als Ganzes. Synkretismus, ein recht entspanntes Verhältnis zum Copyright, ein an der Gangkultur orientiertes Verständnis afroamerikanischer Selbstermächtigung.

Geboren in der New Yorker Borough Bronx am 17. April 1957 hatte sich Bambaataa, bürgerlich Lance Taylor, in der Straßengang Black Spades zum »Warlord« hochgearbeitet. Nebenher entwickelte er eine Faszination für afroamerikanische Befreiungsbewegungen und afrikanische Kultur, weshalb er bald seinen »Sklavennamen« aufgab und sich BamBaaTaa Khayan Aasim nennen sollte. So bewarb er sich 1975 mit einem Essay für eine UN-geförderte Bildungsreise nach Afrika, die ihn nach Guinea-Bissau, die Elfenbeinküste und Nigeria führte.

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Von den sozialen Organisationsformen dort war er so beeindruckt, dass er beschloss, in New York seinen eigenen Stamm zu gründen, den er in Anlehnung an den britischen Historienfilm »Zulu« (1964) Universal Zulu Nation nannte. Mit einem Netzwerk aus Sprayern, MCs und Breakdancern veranstaltete er als DJ riesige Blockpartys, nicht zuletzt um die zunehmende Gewalt zwischen den rivalisierenden Gangs zu befrieden. Er setzte auf eine afrofuturistische Ästhetik, inspiriert von George Clinton und dessen wildem Funkkollektiv Parliament-­Funkadelic.

Gemeinsam mit Figuren wie Kool DJ Herc war er so verantwortlich für das Entstehen einer Szene, die HipHop als kommerzielle Musik hervorbringen sollte. »Planet Rock« gilt heute noch als HipHop-Klassiker, der Track ist aber auch ein Grundstein des Techno. Der deutsche Technoproduzent Westbam (Westfalia Bambaataa) wählte seinen Namen nicht grundlos. Die europäische Technoszene bot Bambaataa noch in den 90ern eine Bühne – da hatte ihn die US-Rap-Szene längst in die Ahnengalerie verbannt: Wie viele andere Gründerfiguren dieses jugenddominierten Genres – Kool DJ Herc, Grandmaster Flash – war er eine eher museale Figur. Respektiert, aber nicht mehr kommerziell erfolgreich.

Selbst seinen Platz im Museum hätte Afrika Bambaataa beinahe verloren: Ab 2016 vermehrten sich Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegenüber Jungen. Sogar die von ihm gegründete Zulu Nation distanzierte sich von ihm und entschuldigte sich bei den Opfern. Bambaataa leugnete die Vorwürfe, sein Ruf als respektierter Anführer war aber rettungslos verloren. Am 9. April starb Afrika Bambaataa in Pennsylvania an Prostatakrebs. Er wurde 68 Jahre alt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.04.2026, Seite 11, Feuilleton

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