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Aus: Ausgabe vom 01.04.2026, Seite 5 / Inland
Arbeitsmarkt ohne Frühjahrseffekt

Mehr als drei Millionen ohne Job

Erwerbslosigkeit bleibt dauerhaft hoch, übliche »Frühjahrsbelebung« am Arbeitsmarkt nicht vorhanden. Jenseits offizieller Zahlen hohe Dunkelziffer.
Von Von Michael König
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»Ausreichend arbeitswillig«: Schlange stehen vor dem Jobcenter der Agentur für Arbeit in Essen

Die Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleiben für Menschen ohne Job düster. Zwar ging die Zahl der Erwerbslosen im März 2026 um 49.000 im Vergleich zum Vormonat zurück, gegenüber dem Vorjahr war sie aber deutlich im Plus: 54.000 Menschen waren es mehr. Insgesamt sind es laut den neuesten Zahlen der Bundesagentur ‌für Arbeit weiter über drei Millionen. Die Quote sank im Februar 2026 leicht um 0,1 Prozentpunkte auf nun 6,4 Prozent und bleibt im Jahresvergleich unverändert. Dem stehen im März nur 638.000 offene Stellen gegenüber – 5.000 weniger als im gleichen Monat 2025.

»Im März beginnt wie üblich die Frühjahrsbelebung – dieses Jahr allerdings ohne nennenswerten Schwung«, sagte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, am Dienstag in Nürnberg. Sie hatte bereits in den Monaten zuvor vom Erreichen der Talsohle gesprochen, doch die Lage am Arbeitsmarkt bessert sich nicht. Auch die Gesamtzahl der Erwerbstätigen selbst ging im Februar 2026 um ganze 111.000 Personen im Vorjahresvergleich zurück und liegt laut Statistischem Bundesamt bei nur noch 45,5 Millionen. Das ist ein Abwärtstrend seit August 2025. Jahrelang war zuvor die Zahl der Erwerbstätigen immer weiter gestiegen.

Die Zahlen der Arbeitsagentur sind bei genauerem Hinsehen sogar noch schlechter. Werden die Erwerbslosen in Fortbildungen und die kurzfristig Kranken hinzugezählt, steigt die Zahl auf fast 3,7 Millionen Menschen. Auch das Barometer des BA-eigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verspricht mit einem Indikator von 99,4 keine Abnahme der Erwerbslosigkeit. 100 wäre ein neutraler Wert, 90 steht dabei für einen sehr schlechten Ausblick, 110 für einen sehr guten. Insofern sind auch die Forderungen aus den Regierungsparteien nach Mehrarbeit schwer nachvollziehbar – schließlich besteht auf absehbare Zeit keine erhöhte Nachfrage am Arbeitsmarkt. Während 1,1 Millionen Erwerbslose Arbeitslosengeld beziehen – fast 100.000 mehr als im März 2025 –, bekommen über 3,8 Millionen Erwerbsfähige Bürgergeld – rund 150.000 weniger als letztes Jahr. Die Gesamtquote der Leistungsbezieher liegt bei sieben Prozent.

Der höhere Wert im Vergleich zur eigentlichen Quote erklärt sich durch die sogenannten Aufstocker, die zusätzlich zum Lohn staatliche Unterstützung brauchen. Auch hier läuft die Argumentation der Regierungskoalition, Bürgergeldbezieher seien nicht »ausreichend arbeitswillig«, ins Leere. Vielmehr reichen die Löhne häufig nicht zum Leben, genug Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es ohnehin nicht.

Tatsächlich gesunken ist die Unterbeschäftigung in Deutschland nur im Hinblick auf die Kurzarbeit. So gab es in der zuletzt im Januar 2026 gemessenen Statistik noch 136.000 Kurzarbeiter, ganze 141.000 weniger als im Vorjahr. Allerdings befürchtet hier Pascal Meiser von der Linksfraktion im Bundestag wieder einen raschen Anstieg. Er fordert angesichts des Iran-Kriegs einen »Schutzschirm« der Bundesregierung mit Zuschüssen für die Arbeitsagentur: »Nur so können wichtige Instrumente zur Beschäftigungssicherung wie das Kurzarbeitergeld gestärkt werden.« Denn der Krieg könne »voll auf den deutschen Arbeitsmarkt durchschlagen.«

Auf dem Ausbildungsmarkt geht es bereits bergab, allerdings schon seit Oktober 2025. Wegen statistischer Änderungen kann die Bundesagentur beim Stellenangebot nur Schätzungen veröffentlichen, dennoch setzte sich »die für Ausbildungssuchende ungünstige Entwicklungstendenz« fort, so der am Dienstag vorgestellte Monatsbericht. Demnach habe es von Oktober 2025 bis März 2026 rund 366.000 Ausbildungsstellen gegeben, geschätzt sieben Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2024/25, aber zwei Prozent mehr Bewerber, in Summe 332.000.

Von denen hatten jedoch 213.000 im März weder eine Ausbildung noch eine Alternative gefunden, 7.000 bzw. drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil der Stellenlosen betrug somit 64 Prozent, jedoch hält die Einstellungsphase noch an. Nur 30.000 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben eine Alternative in der Hinterhand, entweder Schule oder Studium.

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