Fahrspaßoberst des Tages: André Wüstner
Von Arnold Schölzel
Die guten alten Kriegszeiten sind zurück, leider nicht schnell genug, meint Oberst André Wüstner, Chef des Bundeswehr-Verbandes. Am Donnerstag zitierte die Rheinische Post neue Beschleunigungslaute von ihm: »Wir dürfen uns nicht weiterhin einseitig auf den Krieg der USA und Israels gegen den Iran fokussieren«, denn »bei allen Interessen, die auch wir in dieser Region haben, geht die größte Bedrohung für unser Leben in Frieden und Freiheit nach wie vor von Russland aus.« Wo »wir« keine Interessen haben.
Aber es ist wie 1914 oder 1941: Da tut sich eine »Abschreckungslücke« auf. Auf Trump sei kein Verlass, und »2029 als Fixpunkt für den Gipfel russischer Bedrohung ist optimistisches Wunschdenken«. Von dem ist Wüstner frei, hat nur gewissermaßen das Weiße im Auge der vorrückenden Muschkoten gesehen: »Die Gefahr besteht bereits jetzt – und sie wird täglich größer.« Wenn aber Wladimir Putin im 24-Stunden-Takt dem Wüstner näher kommt, muss Deutschland rund um die Uhr arbeiten. Daher: »Die Bundesregierung sollte die Ausbildung der Ukrainer am Waffensystem ›Taurus‹ in Betracht ziehen«, was der Abschreckung und damit der Diplomatie im Umgang mit den Moskowitern diene. Die reagieren diplomatisch nur auf Waffen, und von denen müssen mehr her: »Die Rüstungsindustrie muss schneller als bisher ihre Produktionskapazitäten erhöhen, idealerweise endlich in einen Mehrschichtbetrieb übergehen und gleichzeitig gemeinsam mit der Bundesregierung einen ›Kick-down‹ entwickeln, um bei weiterer Eskalation in eine Art Kriegswirtschaft zu gelangen.«
Durchdrücken des Gaspedals in echt – gib Gas, ich will Spaß – bleibt der Traum des Landsers und Wüstner sein optimistischer Wunschdenker. Mit ihm an der Spitze wird das nächste deutsche Verbrenner-Aus erneut irgendwo auf dem Weg nach Moskau stattfinden.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Ansichten
-
Keine Aussöhnung
vom 27.03.2026 -
Agenda des Irrsinns
vom 27.03.2026 -
Des einen Krieges müde
vom 27.03.2026
