USA drängen Syrien offenbar zu Militäreinsatz gegen Hisbollah im Libanon
Damaskus. Die USA haben die islamistische syrische Regierung Insidern zufolge dazu ermutigt, Truppen in den Osten des Libanon zu entsenden, um gegen die Hisbollah vorzugehen. Die Regierung in Damaskus zögere jedoch, sich darauf einzulassen, sagten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damaskus befürchte, in den seit Ende Februar tobenden Krieg im Nahen Osten hineingezogen zu werden. Ein Vorstoß syrischer Truppen in den Libanon wäre de facto eine Unterstützungsmaßnahme für die israelische Armee, die erneut in den Libanon vorgedrungen ist.
Erstmals diskutierten US-amerikanische und syrische Vertreter die Idee demnach bereits im vergangenen Jahr, wie zwei syrische Regierungsvertreter und zwei weitere Insider berichteten. Kurz vor oder unmittelbar nach Beginn des Angriffs der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar sei das Thema von US-Seite erneut zur Sprache gebracht worden. Die Regierung in Damaskus prüft den Angaben zufolge zwar eine grenzüberschreitende Operation, bleibt aber zurückhaltend. Ein hochrangiger syrischer Beamter erklärte, Damaskus und seine arabischen Verbündeten seien sich einig, dass sich Syrien aus dem Krieg heraushalten und lediglich defensive Maßnahmen ergreifen sollte. Seit Anfang Februar hat Damaskus allerdings tausende Soldaten an die libanesische Grenze verlegt, bezeichnet dies jedoch als reine Verteidigungsmaßnahme. Das US-Außenministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Das libanesische Präsidialamt teilte auf Anfrage mit, es habe keinerlei Hinweise auf derartige Gespräche zwischen Washington und Damaskus erhalten. Präsident Joseph Aoun habe mit dem syrischen Staatschef Ahmed al-Scharaa telefoniert. Dabei habe Scharaa betont, dass Syrien die Souveränität des Libanons respektiere und keine Interventionspläne verfolge. Auch der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Scharaa habe ihm versichert, die Truppenverstärkung diene ausschließlich der Grenzsicherung und dem Erhalt der inneren Sicherheit Syriens.
Den Insidern zufolge hat Washington grundsätzlich grünes Licht für eine Operation gegeben. Damaskus sehe jedoch die Gefahr iranischer Raketenangriffe und möglicher Unruhen unter der schiitischen Minderheit im eigenen Land. Dies könne die Stabilisierungsbemühungen gefährden. Ein syrischer Militärvertreter sagte, es gebe noch keine endgültige Entscheidung, die Option eines Eingreifens im Falle einer Eskalation zwischen dem libanesischen Staat und der Hisbollah bleibe jedoch auf dem Tisch. (Reuters/jW)
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