Deutscher Boden, US-Bomben
Von Philip Tassev
Der US-israelische Überfall auf die Islamische Republik Iran ist »nicht unser Krieg«, haben Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) behauptet. Es werde keine deutsche Beteiligung an dem Angriff geben. Doch der iranische Botschafter in der BRD, Madschid Nili, hat da noch ein paar Fragen. Am Donnerstag forderte der Diplomat von der Bundesregierung eine Klarstellung zur Nutzung des US-Luftwaffenstützpunktes Ramstein für die anhaltende Bombardierung seiner Heimat. Die Rolle der riesigen Militärbasis bei Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz sei für Teheran bislang »offiziell nicht klar«, sagte Nili gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die iranische Regierung geht davon aus, dass eine Nutzung von Ramstein für Angriffe auf ihr Land einen Fall entsprechend der UN-Resolution 3314 darstellen könnte. Demnach wird es als Angriffshandlung gewertet, wenn ein Staat vom Hoheitsgebiet eines anderen Staates aus ein anderes Land angreift. »Wir wissen noch nicht, ob das auf Ramstein zutrifft oder nicht«, so der Botschafter. Er forderte die EU und die BRD auf, gegenüber den USA und Israel auf ein Ende des Angriffs zu dringen. Ein andauernder Krieg habe nämlich auch für Europa »gewisse Konsequenzen«, etwa »wirtschaftliche Folgen, eine Flüchtlingskrise, Terrorismus, Zerfall der Region«.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wies am Freitag in der Bundespressekonferenz auf jW-Nachfrage jegliche Behauptungen, die BRD sei an »Aggressionshandlungen« beteiligt, »entschieden« zurück. Zur Nutzung des Stützpunktes Ramstein gebe es ausführliche, höchstinstanzliche Rechtsprechung. Auch die Frage von jW, wie viele US-Militärflugzeuge seit Beginn des Überfalls am 28. Februar im deutschen Luftraum registriert wurden, ließen Außen- und Verteidigungsministerium unbeantwortet. Solche Zahlen würden nicht erfasst, hieß es. Die Sprecherin des Verteidigungsministeriums fügte hinzu, »dass wir insgesamt auch die einzelnen Handlungen unserer verbündeten Streitkräfte nicht kommentieren«.
Pistorius hatte bereits am Montag gesagt, er sehe »aktuell keinen Grund, an der Rechtmäßigkeit der Nutzung von Ramstein zu zweifeln«. Etwas anderes war aus dem Munde eines BRD-Ministers aber auch nicht zu erwarten. Denn eine Verweigerung der Nutzung des deutschen Territoriums und Luftraums für die Kriege der USA wäre »das Ende des deutsch-amerikanischen Verhältnisses«, wie Exbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) unter Verweis auf seine eigenen Erfahrungen beim Krieg gegen den Irak 2003 sagte. Schröder hatte damals eine deutsche Beteiligung am Angriff auf den Irak verweigert, nicht aber die Nutzung von Stützpunkten auf deutschem Hoheitsgebiet dafür. »Natürlich haben wir denen die Flugplätze zur Verfügung gestellt, auch die Überflugrechte erteilt. Aber was zählte, war, dass wir den Krieg nicht mitmachen«, so der Exkanzler gegenüber der Süddeutschen Zeitung vom Freitag.
Das Thema Ramstein Air Base hat auch den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz erreicht, wo am Sonntag ein neues Parlament gewählt wird. Linkspartei-Landesvorsitzende Rebecca Ruppert forderte am Freitag im ZDF-»Morgenmagazin« den Abzug aller US-Truppen aus dem Bundesland. Die beiden Spitzenkandidaten von SPD und CDU lehnten das umgehend ab. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) sagte Springers Welt, man wolle sich zwar nicht in den Krieg hineinziehen lassen, arbeite aber »partnerschaftlich mit unseren Amerikanern« zusammen und wolle Außenpolitik und Landespolitik nicht vermischen. »Die Amerikaner haben Standorte in Deutschland, einige davon auch in Rheinland-Pfalz. Das ist schon immer so gewesen. Und die Amerikaner werden diese Standorte auch nutzen, um internationales Engagement zu organisieren.«
Und CDU-Kandidat Gordon Schnieder sagte: »Es wäre für dieses Land ganz schlimm, wenn wir die US-Stationierungsstreitkräfte nicht hätten.« Wenn Israel sich »in seiner Sicherheit bedroht« sehe, »dann gestehe ich Israel und den Vereinigten Staaten zu, dann entsprechend zu agieren«, so der gläubige Katholik, der laut eigener Aussage mit seiner Familie vor dem Essen und Schlafengehen betet.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (22. März 2026 um 12:23 Uhr)Die behauptete »ausführliche, höchstinstanzliche Rechtsprechung« zur Nutzung der Basis Ramstein würde ich doch gern mal konkret bezeichnet bekommen. Google spuckt mir vor allem das BVerfG-Urteil von 2025 zu den via Ramstein ausgeführten US-amerikanischen Drohnenmorden im Jemen aus. Da geht es um die völkergewohnheitsrechtliche Frage, dass die amerikanischen Anti-Terror-Drohnen-Morde in anderen Ländern gerechtfertigt sein können, wenn es nur wenige Staaten (konkret Australiens, Israels und der USA) gäbe, die vom ansonsten verbreiteten Konsens abweichen würden. Bereits dann sei der Konsens für Deutschland nicht mehr verpflichtend. Beim Angriff auf den Iran geht es jedoch nicht lediglich um Völkergewohnheitsrecht, sondern um das klar u.a. in der UN-Charta kodifizierte Aggressionsverbot. Die nähere Spezifizierung dieses Aggressionsverbotes in der UN-Resolution 3314 ist nach Ansicht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages »Bestandteil des Bundesrechts« (Aktenzeichen WD 2 – 3000 – 083/20). Diese Resolution wertet es in Artikel 3 f) als Aggressionshandlung, eigenes Hoheitsgebiet einem anderen Staat für eine Aggression zur Verfügung zu stellen. Laut Grundgesetzkommentar fällt auch der »Verteidigungsexzess« unter das grundgesetzliche Aggressionsverbot des Artikels 26. Selbst »Merz bekräftigt: Vorgehen in Gaza nicht notwendig zur Verteidigung« (Deutschlandfunk Mai 2025). Spätestens damals war also der Tatbestand des Verteidigungsexzesses gegeben. Um so mehr muss das für die unnötige Aggression gegen den Iran gelten. Das genannte Urteil des BVerfG zu den über Ramstein gelenkten Drohnenmorden im Jemen setzt übrigens ein grundsätzliches »Vertrauen« in die Rechtmäßigkeit der Handlungen Verbündeter voraus. Diese Voraussetzung sollte sich mit Trumps explizit erklärter Verachtung für das Völkerrecht erledigt haben; er fühlt sich ausdrücklich nur an seine »eigene Moral« gebunden. Und die hat mit Völkerrecht wenig zu tun, was man selbst EU-seitig etwa im Fall Grönland anerkennt.
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Leserbrief von Jean P. aus Luxemburg (21. März 2026 um 16:07 Uhr)Interessant ist, dass Belarus sanktioniert wird, weil es den bösen Russen erlaubt, ab seinem Territorium Angriffe auf die Ukraine durchzuführen. Für die guten Amis gilt da eine andere Regel … Das sind ja anscheinend unsere Freunde.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (20. März 2026 um 23:06 Uhr)Nicht nur Heuchelei, sondern Lügen … Wer einem Aggressor wie den USA gegenüber dem Iran auch nur logistische Basen zur Verfügung stellt, macht sich mitschuldig am tausendfachen Tod von Zivilisten, ist im Sinne des Strafrechts Helfershelfer. Auch wenn andere wie die israelische Regierung, das Regime in Washington die »Drecksarbeit« erledigen, hält die BRD Wasser und Seife bereit, damit diese Möchtegernweltbeherrscher sich ihre blutigen Hände waschen können, und die BRD entsorgt auch noch das Dreckwasser. »Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte« sagte Max Liebermann 1933 beim Marsch der SA durch das Brandenburger Tor. Das gleiche kann man heute sagen, wenn man sich die Heuchelei und das Vasallentum eines Kanzlers Merz, eines Kriegsministers Pistorius usw. ansieht und anhört.
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Leserbrief von Roland Weinert (20. März 2026 um 20:22 Uhr)Deutschland ist Kriegspartei, widerwärtig bigotte Kriegspartei – auch in diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Die üblichen Aggressoren, vulgo Schurkenstaaten: USA und Israel. Auch das Völkerrecht samt UNO bleiben, wie im Falle Ukraine, auf der Strecke.
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