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Aus: Ausgabe vom 17.03.2026, Seite 2 / Feuilleton

Der Meister ist tot

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Das Land verliert seinen größten Denker. Ist es jetzt kopflos? Vom Mann wird vorgestellt, was die politische Öffentlichkeit der Bundesrepublik gern selbst zu sein vorgibt: kritisch, aufgeklärt, optimistisch. Habermas ist tot, und was er intellektuell wie normativ repräsentierte, ist es inzwischen auch – zerschellt an den Realitäten und Dynamiken des Staatenwettkampfs in der Arena des kapitalistischen Weltmarkts, den zeitweilig mit dem Terminus »Weltinnenpolitik« für beendet zu erklären Habermas nicht zu bescheiden war. Sein Ableben beschäftigt die großen Zeitungen des Landes an allererster Stelle.

Eine Welt ohne Habermas, das ist ein Menschheitsproblem: »Von nun an sind die Menschen darauf angewiesen, in seinen zahlreichen Werken weiter nach Orientierung zu suchen«, schreibt das Handelsblatt. Mögen sie fündig werden, beim »letzten großen Universalgelehrten des Landes«. Was schön klingt, aber seit sicher 200 Jahren eine Unmöglichkeit ist.

»Der Meister ist tot«, er, der »weltweit als führender politischer Denker gesehen wurde – als Denker einer Demokratie, die auf gegenseitiger Rechtfertigung und Teilhabe beruht«, schreibt wiederum die Süddeutsche Zeitung. Der Abgrund zwischen des Meisters Ideal und der politischen Wirklichkeit wirft aber »die schmerzhafte Frage« auf, »was von Habermas heute bleibt«, wenn die Öffentlichkeit »zersplittert« und »vermachtet« ist, wenn die »Weltinnenpolitik« nicht mehr war als eine hübsche Idee? Was also? »Eigentlich ganz einfach: Man muss es trotzdem versuchen.« Und damit ist ein philosophisches Oeuvre auf eine Poesiealbumweisheit eingedampft. Alle Achtung.

Krisenbewusstsein auch bei der FAZ. Dort hatte der junge ­Habermas 1953 mit seiner Kritik an Heidegger zugleich die gesellschaftlichen Zustände der postfaschistischen Bundesrepublik kritisiert. Das von Habermas repräsentierte Gegenprogramm: »Gesellschaftstheorie als Grundlagenfach des Demokratieaufbaus, unter Rückgriff auf Quellen aus dem jüdischen Exil.« Doch diese Frankfurter Lehre werde »im Todesjahr von Jürgen Habermas« auf die Probe gestellt: »Was Heidegger 1935 sagte und 1953 drucken ließ, kopiert und verbreitet heute eine faschistische Intelligenz.«

Das interessiert bei der Welt weniger, dort regiert die Kritik am Großdenker: gescheitert »auf sehr hohem Niveau«; »ein monumentales Werk«, das »erratisch und seltsam beziehungslos in der diskursiven und politischen Landschaft steht«; »Verharmlosung des Stalinismus«. Er meinte »es ernst mit der Vorstellung, die Aufklärung könne auch nach den Abstürzen des 20. Jahrhunderts am Ende noch einen Sieg davontragen. Dieser Glaube hatte fast etwas Religiöses.« Amen. (brat)

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