Nachschlag: Mahnung
Der Prophet Hosea hatte zwar noch keinen Begriff vom Wunder der Liebe, die Zeiten waren aber dennoch ziemlich hart. Von höchster Stelle bekam er befohlen: »Geh hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom HErrn weg der Hurerei nach« (Hos 1,2). Sein Anliegen war durchaus politischer Natur. Die Untreue der Ehefrau ist Sinnbild für den Niedergang des Landes, und zur Ermahnung des offenbar hauptverantwortlichen dekadenten Packs befleißigt er sich einer eher misogynen Rhetorik: »Dann will ich ihre Scham aufdecken vor den Augen ihrer Liebhaber« (Hos 2, 12). In der Rolle eines zunächst skeptischen, gegen Ende dann wieder gnadenlos mystischen Priesters folgt Javier Bardem diesem Beispiel. Er predigt seiner Gemeinde, die vielleicht nur wissen wollte, wann der nächste Bingoabend im Gemeindehaus steigt, mit alttestamentarischem Zorn vom Mahnbild des Hosea und seinem Hurenweib. Vielleicht ist da sogar ein dunkler Humor im Spiel, aber Humor ist einem Film von Terrence Malick für gewöhnlich seltener als ein Gerechter in Sodom. (aha)
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