Bombardieren »aus Spaß«
Von Lars Lange
Die Lage für die Aggressoren scheint sich täglich zu verschlechtern. Vor einer Woche lehnte US-Präsident Donald Trump britische Hilfsangebote in Form von Flugzeugträgern noch ab und verhöhnte Premierminister Keir Starmer. Die USA bräuchten die britischen Flugzeugträger nicht, Starmer wolle Kriegen immer erst beitreten, wenn diese bereits gewonnen seien. Es sei »ein bisschen spät, Schiffe zu schicken«, so Trump. Die Kehrtwende kam am Sonnabend: Der US-Präsident forderte die Verbündeten dringend auf, Kriegsschiffe zur Sicherung der Straße von Hormus zu entsenden. Er hoffe, dass China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und andere Staaten Schiffe in die Region schicken würden. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte einer staunenden Weltöffentlichkeit das Grundproblem: »Das einzige, was derzeit die Durchfahrt durch die Meerenge verhindert, ist, dass der Iran auf Schiffe schießt. Solange der Iran dies nicht tut, ist die Meerenge für den Schiffsverkehr offen.«
Doch der Iran setzt seine Angriffswellen fort. In den vergangenen 24 Stunden führte Teheran neue Raketen- und Drohnenangriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain durch. Auch Israel wird weiter attackiert. Dabei kam es zu Infrastrukturschäden, auch wurden Zivilisten verletzt. Auch mehrere US-Stützpunkte in der Region wurden zuletzt als Ziele gemeldet. Am Freitag durchbrach ein Drohnenangriff die »Grüne Zone« in Bagdad und traf das Gelände der US-Botschaft. Dabei soll auch ein Radarelement des Nahbereichverteidigungssystems C-RAM getroffen worden sein, was die lokale Abwehr deutlich beeinträchtigen könnte.
Auch die USA und Israel bombardieren weiter Iran. Getroffen wurden angeblich rein militärische Einrichtungen auf der strategisch wichtigen Ölverladeinsel Kharg sowie Ziele in Shiraz. Trump drohte mit weiteren Angriffen auf Kharg: »Wir werden sie vielleicht noch ein paarmal treffen, einfach zum Spaß.« Bei einem US-Angriff auf Isfahan wurden am Sonnabend nach Angaben des Senders Al-Dschasira mindestens 15 Menschen in einer Fabrik getötet. Nach Angaben der Financial Times haben die US-amerikanisch-israelischen Streitkräfte bisher mehr als 20.000 nichtmilitärische Gebäude im Iran bombardiert. 17.353 davon seien Wohnhäuser gewesen.
Allerdings scheint die Frequenz der US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran zurückzugehen. Im Vergleich zu den Angriffswellen der ersten Kriegsphase werden derzeit deutlich weniger neue Treffer öffentlich bekannt. Offensichtlich geht auch das Material aus, wovon nicht zuletzt die Luftverteidigung betroffen ist: Israel bewilligte am Sonntag 825 Millionen US-Dollar für dringende Sicherheitsbeschaffungen angesichts des wachsenden Defizits an Abwehrraketen. Die Regierung muss den Haushaltsplan 2026 ändern, um die Käufe zu finanzieren. Israel hatte den USA bereits Anfang der Woche mitgeteilt, dass die Vorräte an Abfangraketen kritisch zur Neige gehen.
Angesichts des strategischen Misserfolgs der laufenden Luftoffensive entsenden die USA rund 5.000 Soldaten im Verband um das amphibische Kampfschiff USS »Tripoli« in den Nahen Osten. Das könnte als ein Indiz für eine mögliche US-Bodenoffensive gelesen werden, die darauf abzielen könnte, die vom Iran gesperrte Straße von Hormus freizukämpfen. Dort erwägt Iran, einer begrenzten Zahl von Öltankern die Durchfahrt durch die Meerenge zu erlauben, sofern die Fracht in chinesischen Renminbi Yuan gehandelt wird. Bis zu 90 Prozent der iranischen Rohölexporte nach China werden bereits in Renminbi Yuan oder über das chinesische Zahlungssystem CIPS abgewickelt.
Zusätzlich drohen die mit Iran verbündeten Ansarollah in Jemen, die Bab-Al-Mandab-Straße am südlichen Ende des Roten Meeres zu blockieren. Damit wäre auch die Zufahrt zum Suezkanal bedroht. Ein Vertreter der Ansarollah erklärte, die »Finger seien am Abzug«, und man sei »bereit, jederzeit zu reagieren«. Durch diese Meerenge wurden 2025 etwa 4,2 Millionen Barrel Öl pro Tag befördert, rund 5,3 Prozent des globalen maritimen Ölhandels. Eine vollständige Blockade beider Meerengen würde den Ölhandel für die westlichen Staaten kollabieren lassen, während China oder Indien womöglich weiterhin beliefert würden.
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