-
14.03.2026
- → Pol & Pott
Fat Green Dream
Der internationale Frauentag fiel dieses Jahr auf einen Sonntag, unser Haushaltstag, an dem wir nachholen, was in der Woche liegenbleibt, etwa Näharbeiten. »Ich sitze hier am 8. März wie eine verdammte Tradwife und mache Wäsche!«, flucht Roswitha. Sie hat den Saum ihrer schwarzen Cordhose rausgelassen wegen Hochwasser und wusste dann nicht, wie man den aufgetrennten Stoff an den Hosenbeinenden abnäht, so dass sie nicht ausfransen. »Das kommt nur, weil du immer unsere Klamotten zu heiß wäscht. Die laufen ein!«, wirft sie mir vor.
Stimmt nicht. Ihre Hosen laufen nicht ein, sondern sie ist fett geworden. Früher, wenn sie vom Stuhl aufstand, fielen die Hosenbeine locker an ihren schlanken Beinen herab. Heute bleibt der Stoff, der sich beim Sitzen naturgemäß etwas nach oben zieht, auf Hüfthöhe hängen, weil er an ihren dicken Oberschenkeln nicht mehr vorbeikommt. Es stremmt im Schritt. »Ich hab’ dir tausendmal gesagt, du musst auch beim Hosenkauf langfristig investieren«, belehre ich sie. »Nimm dir ein Beispiel an den Chinesen. Die machen 50-Jahrespläne.« Rossi mustert mich verächtlich. »Dann sehe ich bald so bescheuert aus wie du mit deinen zwei Nummern zu großen Bundfaltenhosen aus Segeltuch«, konterte sie. Sind Hochwasserhosen nicht überhaupt klimawandeltauglich? Was soll’s. Weitsicht war noch nie Rossis Stärke.
Das hat sie mit unsren »engsten Verbündeten« gemein, die sich bei ihren Verlautbarungen über Zeiträume oft täuschen. Der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entworfene, vom ehemaligen US-General Wesley Clark 2003 verkündete Fünfjahresplan der USA, sieben muslimische Länder anzugreifen, geht nun in die fünfte Verlängerung. Nach Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan kommt erst jetzt nach 23 Jahren der Iran. Zu gut wird an Kriegen verdient, als dass sie schnell enden dürften. Allein die Schließung der Straße von Hormus hat Spekulanten Milliarden eingebracht. »The war will end very soon«, sagte Trump auf einer Pressekonferenz am 9. März. Wann hat er noch mal den Ukraine-Krieg beendet?
Derweil haben sich Roswitha und ich wieder vertragen. Wir bummeln in Hochwasserhosen über die Kastanienallee in Berlin Prenzlauer Berg und bewundern die Auslagen der »Schwankenden Weltkugel«, einer der drei Buchläden, die von Kulturminister Weimer von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen wurden. »Ich sehe eigentlich kein Werk, das mich nicht interessiert«, meint Rossi anerkennend und beißt in einen »Fat green dream«. Hier die Bauanleitung für den schmackhaften Hosenverkürzer:
Fat green dream
150 g Halloumi in Scheiben schneiden und von beiden Seiten goldbraun anbraten. Das Fruchtfleisch einer reifen Avocado zerquetschen, salzen und pfeffern, einen Schuss Zitronensaft dazu geben. Für zwei Sandwiches vier Scheiben Ciabatta antoasten. Jeweils eine Scheibe für ein Sandwich erst mit Mayonnaise bestreichen, dann Avocadocreme darüber verteilen, darauf eine Halloumischeibe legen, mit frischen Zwiebelringen, Tomatenscheiben und Rucolablättern belegen. Am Schluss BBQ-Sauce draufträufeln. Mit zweiter Brotscheibe zuklappen.
Du findest junge Welt Journalismus wichtig – aber ein Abo ist (noch) nichts für dich?
Dann unterstütze uns jetzt mit einer monatlichen oder einmaligen Spende – ganz unkompliziert, ohne Verpflichtung, aber mit großer Wirkung.
Werde Teil einer engagierten Community, die die Weltsicht der Herrschenden nicht übernimmt, sondern kritisch hinterfragt. Dein Beitrag hilft uns dabei.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!