Wir sind nicht eure Reserve!
Von Philip Tassev
Noch erledigen die USA und Israel die »Drecksarbeit« (sprich: Länder überfallen, die sich den Interessen des sogenannten Westens widersetzen), aber künftig soll die Bundeswehr auch wieder in die Lage versetzt werden, Krieg gegen andere Staaten führen zu können und nicht nur gegen afghanische Bauern. CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz will das deutsche Militär gar zur »stärksten Armee Europas« machen. Dafür brauchen die Herrschenden junge Leute, die bereit sind, für dieses System zu töten und zu sterben. Doch sie haben ein Problem: Es melden sich einfach nicht genug Freiwillige. Im aktuellen Bericht des Wehrbeauftragten wird dieses »Problem« deutlich benannt – und es wird gedroht: »Sollte das derzeitige Modell der Freiwilligkeit tatsächlich nicht genügend Aufwuchs bringen, ist die Rückkehr zu einer Wehrpflicht der konsequente nächste Schritt.«
Gegen diesen »nächsten Schritt« formiert sich immer breiterer Widerstand. Von Anfang an warnten Kritiker, dass der zunächst auf Freiwilligkeit basierende »neue Wehrdienst« nur der Türöffner auf dem Weg zu einer Pflicht sein wird. Am 5. Dezember nahmen sich in ganz Deutschland mehr als 55.000 Jugendliche die Straße, um ihre Ablehnung der Regierungspläne zu demonstrieren. Der erste Schulstreik gegen die Wehrpflicht war ein voller Erfolg. Aber die Schülerinnen und Schüler wissen: Mit einer Aktion ist die Gefahr nicht gebannt. An diesem Donnerstag geht der bundesweite Schulstreik in die zweite Runde. Die zentrale Losung lautet: »Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!« Unter anderem die Lehrergewerkschaft GEW, die Deutsche Friedensgesellschaft DFG-VK, mehrere Landesverbände und die Bundestagsfraktion der Linkspartei sowie zahlreiche Friedensinitiativen aus dem ganzen Land unterstützen den Kampf der Jugend um eine friedliche Zukunft.
Doch der Gegner schläft nicht! Jene, die Aufrüstung und Kriegsvorbereitung wollen, bemühen sich, den Jugendprotest zu sabotieren. In den bürgerlichen Zeitungen und mit Tik-Tok-Filmchen von SPD-Kriegsminister Boris Pistorius wird von den Jugendlichen Patriotismus eingefordert: In der BRD könne man doch so frei und so demokratisch leben, das müsse man verteidigen gegen finstere Mächte, die »unsere Art zu leben« hassen. Wenn solche Propaganda bei den jungen Leuten nicht zieht, versucht man es mit Repression und droht, wie etwa das sächsische Kultusministerium, mit unentschuldigten Fehlstunden. Dass das jemanden abschreckt, ist unwahrscheinlich. Denn: »Es sind nicht die Kinder von Merz, von der Leyen oder Papperger, die im Zweifel an die Front müssen. Es sind wir, und wir wollen nicht für ihre Kriege sterben!« spricht Kiran Schürmann, Sprecher des Berliner Schulstreikkomitees, aus, was wohl viele der Jugendlichen denken.
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