Rafael, Schwarz, Seifert
Von Jegor Jublimov
Eine Ungarin wurde in der DDR mit der Chansonreihe »Zu Gast bei Márta Rafael« zu einer Bildschirmfavoritin der 60er Jahre. Die Sängerin und Schauspielerin war ein Liebling des Budapester Musiktheaters seit den 50ern. Sie gastierte unter anderem in Skandinavien, der Sowjetunion, der Schweiz und in Großbritannien. Der Friedrichstadtpalast holte sie 1960 für die Revue »Budapester Melodie« nach Berlin. Mit ihr stand Lutz Jahoda auf der Bühne, der ebenso wie das Publikum ihren Akzent mochte. »Ich liebte ihr langgezogenes ›u‹, wenn sie meinen Vornamen aussprach«, erinnert er sich noch heute. Dass Márta Rafael in Berlin blieb, lag am Charme von Karl-Eduard von Schnitzler. Sie schloss mit ihm ihre zweite Ehe und wurde seine vierte Frau bis zu seinem Tod 2001. Seit Ende der 70er Jahre trat Rafael auch wieder als Schauspielerin vor die Kamera – mit ihrer Ausstrahlung prädestiniert fürs Rollenfach der reifen adligen Dame. Unvergessen ist sie als Baronin von Arnthem in der Adaption von F. C. Weiskopfs »Abschied vom Frieden« (1979) und als Oberhofmeisterin von Kolowrath in »Sachsens Glanz und Preußens Gloria« (1985). Die Budapesterin starb mit 91 in Woltersdorf und wäre am Donnerstag 100 Jahre alt geworden.
»Jeder Sieg, der uns im Kampf beschieden, dient dem Sozialismus und dem Frieden!« Der diesen Reim 1968 bei der Kinder- und Jugendspartakiade in der Berliner Wuhlheide mit Pathos vortrug, war nicht etwa Schnitzler, sondern Jaecki Schwarz. Der 22jährige Schauspielstudent aus Berlin-Köpenick, der ebenfalls am Donnerstag 80 wird, hatte kurz zuvor seine Laufbahn mit Konrad Wolfs weltweit beachtetem Defa-Antikriegsfilm »Ich war neunzehn« begonnen. Neben seiner Theaterarbeit in Magdeburg und am Berliner Ensemble drehte er weiter Film auf Film, die interessantesten bei Egon Günther (u. a. »Die Schlüssel«, 1974), Herrmann Zschoche (u. a. »Bürgschaft für ein Jahr«, 1981) und Iris Gusner (u. a. »Kaskade rückwärts«, 1984), doch auch Wolf holte ihn 1974 als Aktmodell in seinen Gegenwartsfilm »Der nackte Mann auf dem Sportplatz«.
Nach 1990 hat Schwarz noch eine anständige Krimikarriere hingelegt, so 1993–2000 in »Auf eigene Gefahr« neben Thekla Carola Wied, als Kommissar Schmücke im »Polizeiruf 110« (1996–2012) neben Wolfgang Winkler und als Ex-Volkspolizist Sputnik in »Ein starkes Team« (1994 bis heute) neben Florian Martens.
Jaecki Schwarz und Martin Seifert, beide am BE engagiert, spielten im DFF in der Brecht-Adaption »Die Bestie« (1988). Seifert wurde am 24. Februar vor 75 Jahren in Jena geboren und starb im vergangenen Jahr. Er hatte in Berlin Schauspielkunst studiert, wurde von Heiner Carow 1979 für die Hauptrolle neben Katrin Saß im Defa-Film »Bis dass der Tod euch scheidet« geholt und wurde bald auch in TV-Adaptionen nach Theodor Storm und Theodor Fontane bekannt. Neben vielen anderen TV-Aufgaben, mehrfach im »Polizeiruf 110«, hatte er das Glück, in der Kinofilmreihe »Bibi & Tina« (2014–2017) als hintergründiger Butler Dagobert ein Liebling auch des jungen Publikums zu werden.
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