Köln-Ostheim meldet sich nicht
Von Pierre Deason-Tomory
Nach der Aufregung über Fakevideos beim ZDF hat der Deutschlandfunk in Köln am Montag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Intendant Stefan Raue kam sofort zur Sache und erklärte, »wir haben alle unsere Filme der letzten Jahre überprüft und können Ihnen versichern, dass keine KI-Videos darunter waren«. – »Gar keine?« Fragte ein Reporter von Bild. »Nein, das waren ausnahmslos authentische Zeichentrickfilme.« – »Der DLF ist doch ein Radiosender, seit wann senden Sie Videos?« – »Schon seit 1986, das hat uns selbst überrascht. Es muss sich um ein Pilotprojekt aus der Kabelfernsehzeit handeln, das im Funkhaus irgendwann keiner mehr auf dem Schirm hatte. Wir senden jedenfalls stündlich auf Mittelwelle eine Bilderstrecke der DLF-Nachrichten.« – »In Farbe?« – »In Schwarzweiß.« – »Aber in Stereo?« – »Mono.« – »Und wie kann man das empfangen? Mit dem Fernseher?« – »Noch gar nicht, das Empfangsgerät empfängt bisher nur Ton, soll aber bis 2045 serienreif sein.« – »Und wie viele Mitarbeiter sind beim DLF mit dem Zeichnen von Nachrichtentrickfilmen beschäftigt?« – »Das wissen wir nicht so genau. Zwei- oder dreihundert? Sehen Sie, die Kollegen arbeiten in einem Keller im Gewerbegebiet Köln-Ostheim, das kann einem schon mal aus dem Blick geraten.« – »Finden Sie es nicht widersinnig, jahrzehntelang Bildnachrichten ohne Bildanteil zu senden?« – »Überhaupt nicht. Nehmen wir Ihre Bild-Zeitung: Das ist eine Zeitung ohne Zeitungsanteil. Und die sagt immer noch, wo’s langgeht!«
Hier geht’s lang zu elf Programmvorschlägen für Ihr Nichtbildgerät, wir starten nobel mit Auszügen aus Jon Fosses neuem Roman »Vaim«, gelesen von Markus Hering (Di., 11.05 Uhr, Ö 1). In der »Agenda« könnte man live dazwischenreden, wenn in »Aufschwung oder Ausbeutung?« über die Verlängerung der Arbeitszeit diskutiert wird (Mi., 10.08 Uhr, DLF, Tel. 00800 4464 4464). In der »Vor Ort«-Ausgabe »Ein Roman wie eine Collage« spricht Miku Sophie Kühmel über ihr neues Buch »Hannah« (Fr., 22.30 Uhr, SWR Kultur).
Am Sonnabend nachmittag wird frisch gekürt »Das beste Originalhörspiel des Jahres« des ORF gesendet (14 Uhr, Ö 1), etwas später kommt nach der Vorlage von Frédéric Sonntag ein Stück über den apokryphen Revolutionär und Dichter »B. Traven« (NDR 2021, 18.05 Uhr, NDR Kultur). Am 14. Dezember wurde in der Berliner Staatsoper zum 100. Jubiläum der Uraufführung ebendort Andrea Breths 2011er Neuinszenierung von Alban Bergs »Wozzeck« aufgeführt; die Kulturradios bringen einen Mitschnitt (Sa., 20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, Radio 3, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3). Einen düsteren München-Krimi bringt Bayern 2 mit »Der namenlose Tag« (1/2) von Friedrich Ani (BR 2020, Sa., 20.03 Uhr).
Eva Kunkel beobachtet im Feature »Lost in Transition« Jugendliche am Übergang zwischen Schule und Ausbildung (WDR 2026, So., 13.04 Uhr, Mo., 20.03 Uhr, WDR 5), und in Sandra Hoffmanns Aufnahme »Aus meiner Grabesstille wächst ein Schwelgen« lässt sich hören, was die vor zwei Jahren so jung verstorbene schreibende Künstlerin Helena Adler noch zu sagen hatte (ORF, SWR 2026, So., 14.04 Uhr, SWR Kultur). Ebenso verkürzt und besonders tragisch war das Leben der Pichler, Magdalena, vor mehr als hundert Jahren; sie nannte sich Lena Christ und blieb in der Welt, unter anderem wegen ihrer »Erinnerungen einer Überflüssigen« (BR 2020, So., 15.05 Uhr, Bayern 2). Letzter Vorschlag sei »Mario und der Zauberer« von Thomas Mann, ab Montag in zehn Folgen gelesen von Joachim Nottke (SWF 1972, 14.04 Uhr, MDR Kultur).
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