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Aus: Ausgabe vom 21.02.2026, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Mascarponeparfait

Von Maxi Wunder

Trotz exzessiven TV-Konsums in Marokko haben wir nichts Neues über den Westsaharakonflikt in Erfahrung bringen können, weder aus marokkanischer noch aus saharauischer Sicht. »Das kann auch an unseren mangelhaften Arabischkenntnissen liegen«, meint Roswitha lakonisch. Aber hätte nicht irgendeine Nachrichtensendung mal eine Westsaharakarte eingeblendet, wenn es jemals um das Thema gegangen wäre? Nun, wir suchten Erholung in dem Land und zum Einschlafen im Hotel waren die höflichen TV-Interviews über wer-weiß-was mit wer-weiß-wem mit Turban und Burka ideal. »So muss man sich als Migrant fühlen, wenn man in Europa ankommt und den Fernseher einschaltet – erst ratlos, dann komatös«, überlegt Doris. »Aber zum Glück gibt es ja Sport!«

Sie positioniert eine Zehnerpackung Papiertaschentücher auf dem Couchtisch vor der Glotze, es wird ergreifend: Olympische Spiele. Wir schauen Eiskunstlauf der Paare, die Sportart mit dem Schluchzeffekt, eine der letzten Bastionen heiler Welt, man nennt es auch »Liebe tanzen«. Zumindest bis jetzt. Denkbar wäre durchaus eine Pinabauschisierung dieser Disziplin mit Männern in Damentrikots und Damen, die Herren über den Kopf heben und aufs Eis fallen lassen, zehnmal in Folge, das aber im Magnolienregen. Doch beim diesjährigen Wettkampf ist noch alles wie gewohnt. Die Athleten gleiten harmonisch dahin, wirbeln durch die Luft, umschlingen sich zart. Im Gleichklang der Kufen rasen sie zugleich graziös und kraftvoll dem nächsten Axel, Salchow, Flip und Lutz entgegen und fallen selten auf den Hintern. Einziges Grauen ist das Trikot der deutschen Läuferin Minerva Hase, Feldwebelanwärterin bei der Bundeswehr (Bronze): oben nachtblau, vorne hochgeschlossen und Rücken nackt, unten schweinchenrosa Flatterrock. »Die Plünne soll Katarina Witt gesponsert haben?« fragt Rossi entsetzt. »Unsre Kati?! Nee!«

Das sind so Frauengespräche, die bei uns auch mal vorkommen. Nicht nur immer über die Heisenbergsche Unschärferelation unter besonderer Berücksichtigung ihrer Implikationen für die kausale Determinierbarkeit subatomarer Teilchensysteme im Rahmen quantenmechanischer Beobachtungsparadigmen. »Plünne hin oder her, sie tanzt mit einem Russen«, lenke ich ein. Tränenzieher des Abends ist eindeutig der bestens gestylte Japaner Ryuichi Kihara, männlicher Partner der grandiosen Riku Miura (Goldmedaille). »Ist das herzig!« druckst Doris und schneuzt in ihr Taschentuch. »Der heult ja unausgesetzt vor Erleichterung.« Alle sind hingerissen und fallen sich in die Arme. Da serviert uns dieser Klotz von Udo plötzlich Eis. »Hier, wenn ihr da draufflennt, taut es schneller an.« Kretin!

Mascarponeparfait mit karamellisierten Mandeln

200 g Mandeln rösten und abkühlen lassen. Vier Eigelbe mit 100 g Zucker schaumig schlagen. 250 g Mascarpone unter die Eigelbmasse heben. 300 ml Sahne steif schlagen und vorsichtig unterheben. Die gerösteten Mandeln grob hacken und unter die Masse mischen. Eine Kastenform mit Frischhaltefolie auslegen und die Parfaitmasse einfüllen. Über Nacht einfrieren. Vor dem Servieren kurz antauen lassen und in Scheiben schneiden.

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