Nachschlag: Mord in Teheran
Ist der Feind meines Feindes automatisch mein Freund? Manche scheinen nur noch so denken zu können, ganz nach dem Motto: »Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Staaten.« Die emanzipatorischen Ideale der Linken – Freiheit von Unterdrückung, sozialer Fortschritt, materielle Absicherung – bleiben dabei auf der Strecke. Das zeigt sich vor allem im Falle des Iran. Bei den Aufständen gegen das religiöse Regime im Januar 2026 wurden Tausende Menschen ermordet. Die Arte-Dokumentation »Blutige Repression« ist wertvoll, weil sie neue Videos und O-Töne aus dem Land bringt, in dem während der Unruhen das Internet abgeschaltet wurde. Bilder von Protesten sowie von den vom Staat organisierten Gegendemonstrationen deuten an, wie tief gespalten das Land ist. Einer US-Intervention reden die interviewten Iraner trotz der Massaker nicht das Wort. Wie immer bei solchen Dokus bleibt unklar, wie repräsentativ das Gezeigte ist. Doch macht sie klar, wie schwierig die Lage für die Menschen im Iran ist. (mp)
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (21. Februar 2026 um 12:30 Uhr)Aus »Drecksarbeit?«, Michael Lüders, Oktober 2025, »Vom Gottesstaat zum Nationalstaat« (S.209ff) seien einige Sätze zitiert: »Entsprechend werden die Mullahs weiterhin an Macht verlieren, wird die velayat-e faqih, die Herrschaft der religiösen Rechtsgelehrten, an ihr Ende kommen. Nutznießer dieser Entwicklung ist die Revolutionsgarde, im Idealfall der Iran insgesamt. Sofern sie mit größeren Freiheiten für die Bevölkerung einhergeht, angefangen mit den Bekleidungsvorschriften. Anders als in Tel Aviv und Washington beabsichtig, wird es in Teheran mitnichten zu einem Regimewechsel kommen. Infolge der Anmaßung der beiden imperialen Mächte hat sich die Herrschaftselite ganz im Gegenteil neu formatiert und insofern einen Vertrauensvorschuss neu hinzugewonnen, als die Iraner in bangen Tagen erfahren durften, was die Alternative wäre: Krieg, Elend, Staatszerfall, westliche Vorherrschaft, möglicherweise ein neuer Schah. ... Vor diesem Hintergrund erschließt sich auch, warum Khamanai aus Anlass der Aschura-Feierlichkeiten keine Ansprache gehalten hat. Man kann die Bedeutung des geschilderten, rasant vollzogenen 'Gesinnungswandels' innerhalb der iranischen Nomenklatura nicht deutlich genug hervorheben. Hier offenbart sich, um es nocheinmal klar und deutlich festzuhalten, eine historisch zu nennende Zäsur. Wohin die Reise im Einzelnen geht, ob der Übergang vom Gottesstaat zum Nationalstaat reibungslos gelingt oder von (gewaltsamen) Erschütterungen begleitet sein wird, in welchem Zeitrahmen er verlaufen mag, das alles lässt sich gegenwärtig nicht ermessen. Für eine sachliche Einordnung iranischer Politik jenseits von 'Terrorregime' ist das Wissen um diese Zusammenhänge aber essenziell. Eine ernsthafte Auseineandersetzung mit dem Iran sollte sich nicht allein auf Fragen rund um Demokratie oder Diktatur fokussieren, für ode wider Revolution, Religion oder Ideologie. ... Die iranische Führung ihrerseits hat wenig Anlass, der Regierung Trump auch nur ansatzweise zu trauen.«
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