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Aus: Ausgabe vom 18.02.2026, Seite 10 / Feuilleton
Bildende Kunst

Ihr großer Traum

Die Künstlerin Henrike ­Naumann ist überraschend im Alter von 41 Jahren in Berlin verstorben. Der Deutsche Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig wird dennoch nach ihrem Konzept gestaltet
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Henrike Naumann im Juni 2024 vor ihrer Installation »Tag X« im Berliner Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Auch nach dem Tod der Künstlerin Henrike Naumann soll der Deutsche Pavillon auf der 61. Kunstbiennale in Venedig maßgeblich nach ihren Ideen gestaltet werden. »Den Pavillon zu bespielen, war seit langer Zeit ihr großer Traum – wir werden dies für sie umsetzen«, sagte die diesjährige Kuratorin des Deutschen Pavillons, Kathleen Reinhardt, im Namen des Teams Deutscher Pavillon.

Die Künstlerin hat das Werk den Angaben zufolge in den vergangenen Monaten konzeptuell entworfen und in den vergangenen Wochen fertiggestellt. Bereits im vergangenen Mai war Naumann gemeinsam mit der vietnamesisch-deutschen Künstlerin Sung Tieu ausgewählt worden, den deutschen Beitrag auf der internationalen Kunstausstellung zu übernehmen.

Rund zwölf Wochen vor der Eröffnung ist Naumann im Alter von 41 Jahren in Berlin »nach einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung« gestorben, wie ihre Familie am Sonntag mitteilte. Die Arbeiten von Naumann und Sung Tieu sollen wie geplant zur Eröffnung der Kunstbiennale im Mai präsentiert werden.

Naumann, die im sächsischen Zwickau geboren wurde und in Berlin gelebt und gearbeitet hat, galt als Ausnahmekünstlerin. In ihren Installationen kombinierte sie regelmäßig Möbelstücke und andere Objekte, setzte aber auch Video- und Soundarbeiten ein.

Naumanns Lebenspartner Clemens Villinger veröffentlichte auf ihrer Website einen »letzten Gruß«: »Sie liebte es, Kunst zu machen, Ausstellungen aufzubauen, Kunstgeschichte zu studieren und zu schreiben«, heißt es darin. »Sie sprühte vor Ideen und hatte noch so viele Pläne, wollte noch so viele Menschen kennenlernen und ihre Tochter aufwachsen sehen.«

Bis zuletzt habe sie Objekte arrangiert, um ihr Herzensprojekt, den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig, umzusetzen. »Die Ausstellung in Venedig wurde und wird so umgesetzt, wie ihre Laufbahn begonnen hat: als Gemeinschaftswerk, angeleitet durch Henrikes künstlerische Vision«, schrieb er. »Auch wenn wir in diesem Leben auf ihre Wärme, ihre Liebe, ihren Intellekt und ihre Herzlichkeit verzichten müssen, wirkt Henrike durch ihre Werke und Verbindungen weiter.«

Die Kunstbiennale in Venedig (9. Mai bis 22. November) zählt zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Den Deutschen Pavillon haben in der Vergangenheit so namhafte Künstlerinnen und Künstler wie Gerhard Richter, Joseph Beuys, Nam June Paik, Martin Kippenberger und Isa Genzken gestaltet. (dpa/jW)

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