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Aus: Ausgabe vom 18.02.2026, Seite 10 / Feuilleton

Groschopp, Reissig, Schrader

Von Jegor Jublimov
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Heiko Reissig in Ausübung seines Sängerberufs

Einen ungewöhnlichen Weg zum Film nahm Richard Groschopp, der am Donnerstag vor 120 Jahren im thüringischen ­Kölleda geboren wurde und mit 90 Jahren in Kleinmachnow starb. Er lernte Konditor und übte den Beruf ab 1927 als Meister in Dresden aus. Als Schmalfilmer wurde er Mitglied im Bund der Filmamateure und gewann Mitte der 30er Jahre mehrere Preise für seine Kurzfilme. Die Dresdner Firma Boehner-Film stellte ihn als Regiekameramann für ihre Kurzfilmproduktion ein und lieh Groschopp auch an Leni Riefenstahl für ihren »Olympia«-Film aus. Boehner-Film wurde 1946 von der neugegründeten Defa übernommen, und Groschopp kam nach rund 100 Kurzfilmen 1950 zum Babelsberger Spielfilmstudio. »Modell Bianka« aus dem Modemilieu mit Edith Hancke wurde seine erste Komödie, die sein Talent für heitere Stoffe bewies. So durfte er 1953 eine satirische Kurzfilmreihe entwickeln, der er den Namen »Das Stacheltier« gab. Bis 1958 inszenierte er rund 50 dieser amüsanten Vorfilme. Als Spielfilmregisseur realisierte Groschopp mit »Ware für Katalonien« (1958/59), »Die Glatzkopfbande« (1962) und »Entlassung auf Bewährung« (1964/65) vieldiskutierte Gegenwartsfilme, ehe er mit dem zweiten Defa-Indianerfilm »Chingachgook, die große Schlange« 1967 einen internationalen Erfolg landete.

An Groschopps 60. Geburtstag, dem 19. Februar 1966, kam in Wittenberge Heiko Reissig zur Welt, der schon mit acht Jahren Bühnenluft schnupperte und nach Buchdruckerlehre und NVA-Dienst in Perleberg jüngster Kulturhausleiter der DDR wurde. Bald konnte er in Leipzig, Berlin und München klassischen Gesang, Schauspiel und Regie studieren, nahm u. a. Kurse bei Marta Eggerth in New York, Peter Schreier in Berlin und Walter Berry in München. Einer seiner Mentoren, Staatsopernintendant Hans Pischner, legte die Grundlage dafür, dass Reissig eine Dissertation über die Geschichte der Staatsoper an der UdK Berlin abschließen konnte. Der Tenor hat an vielen Opernhäusern und auf Tourneen in der ganzen Welt gesungen, auch vor Papst Franziskus in Rom, und leitete als Gründungsintendant zehn Jahre lang in seiner Heimatstadt die Elblandfestspiele, bei denen er mit Vorbildern wie Johannes Heesters, Lutz Jahoda und René Kollo auftrat und sich dabei das Markenzeichen »Kavalier der heiteren Muse« erwarb. Reissig gründete mit Gleichgesinnten die Europäische Kulturwerkstatt in Berlin und Wien, die die Zusammenarbeit verdienter mit jungen Künstlern verschiedener Professionen fördert. Davon überzeugen kann man sich bei einer nachträglichen Geburtstagsgala am 28. März im Freizeitforum Berlin-Marzahn.

Schauspieler, Regisseur, Übersetzer, Moderator, Dozent – auch Mathis Schrader ist vielseitig. Am Sonntag vor 80 Jahren wurde er im sächsischen Rochlitz als Sohn des Karikaturisten Karl Schrader geboren. Besonders Hauptrollen in Filmen des DFF in den 70er Jahren, wie »Standesamt – Eintritt frei« neben Madeleine Lierck (1971), »Die sieben Affären der Donna Juanita« neben Renate Blume (1973) und »Die Frauen der Wardins« neben Renate Krößner (1974) machten ihn populär.

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