Jeder kann jeden
Von Gabriele Damtew
Vom Feeling her ein gutes Gefühl« könnte die derzeitige emotionale Lage in der dritten Liga beschreiben. Aber die Zeiten sind nicht nur gefühlt besser geworden. Nach etlichen Abstürzen, Zwangsabstiegen und Punktabzügen im letzten Jahrzehnt, hauptsächlich wegen Größenwahnsinns und daraus resultierender finanzieller Schieflagen und Insolvenzen – einige Vereine aus Ost und West knabbern noch heute daran und dümpeln seit Jahren in den Regional- oder Oberligen herum – steht die Liga so gut da wie nie. Laut Saisonreport 2024/25 des DFB habe sich die wirtschaftliche Stabilität extrem verbessert. Eine Mehrheit der Mannschaften verzeichne Überschüsse statt roter Zahlen.
Besonders eindrucksvoll sind auch die Zuschauerzahlen, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Die dritte Liga steht noch vor der starken dritten englischen Liga, die auf den schönen Namen League One hört. Nur geschlagen von den ebenfalls heißgeliebten zweiten Ligen aus Deutschland, England und Spanien.
An dem herausragenden Zuschauerschnitt in der dritten Etage sind mit Sicherheit die sogenannten Traditionsvereine schuld, genauer gesagt ihr Anhang. Denn meist gilt: einmal Fan, immer Fan, kommende Generationen eingeschlossen. Und anders als in der League One, in der ich zuweilen den Klub vom Grandad meiner Kinder anfeuern durfte, muss man hierzulande auch die Eintrittspreise nicht fürchten, auch wenn die inzwischen angezogen haben.
Spannung regiert die dritte Liga. Selten beherrscht ein Verein die ganze Saison. Nicht grundlos gilt das Mantra: Jeder kann jeden schlagen. Eine Saison ist der Aufstieg nahe, die nächste muss gegen den Abstieg gekämpft werden. So sieht’s aus, wenn das Geld knapp ist und bzw. oder der Verein kopflos agiert. Aber auch Spielstärke und Spielwitz sind gewachsen, sei es durch gute Jugendarbeit, kluge Transfers oder den Einsatz von erfahrenen Oldies, die ihren Spielerabend in der Drittklassigkeit ausklingen lassen.
Nach diesem recht wohlwollenden Credo sah die winterliche Fußballrealität in den Stadien der dritten Liga am vergangenen Sonnabend recht mau aus. Ganz nach dem inzwischen altmodisch klingenden olympischen Motto: Dabeisein war alles. Tabellenführer Energie Cottbus spielte auswärts bei Ingolstadt torlos unentschieden. Als kleine Sensation gilt derweil der geglückte Transfer des zweiten und älteren Ciğerci-Bruders Tolga (33 Jahre) zum Verein in der Lausitz. Sehr brüderlich trennten sich auch die vom Abstieg gefährdeten Teams aus Aue und Saarbrücken sowie Regensburg und Viktoria Köln – ohne Tore. Besser wurde es am Sonntag. Hansa Rostock war lange bei der zweiten Wahl in Hoffenheim in Führung, musste am Ende aber durch, nicht zuletzt fragwürdige, Elfmeterentscheidungen mit dem Ausgleich leben (2:2). Auch im Westschlager zwischen den tendenziell zum Keller schauenden Alemannen aus Aachen und dem nach oben strebenden Essen gab es nach spannendem Kampf keinen Sieger (3:3.) Im Spitzenspiel zwischen dem MSV Duisburg (4.) und dem SC Verl (2.) gewannen die Zebras glasklar und streifenfrei mit 4:1 und bleiben Energie Cottbus mit einem Punkt Rückstand auf den Fersen.
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