Zweibeinermarkt
Von André Dahlmeyer
Einen wunderschönen guten Morgen! Zum Ende des Transferfensters kam noch mal Bewegung auf bei den Silberländern. Boca Juniors sicherte sich die Dienste von Santiago »el Ruso« Ascacibar, dem Kapitän von Meister Estudiantes La Plata. Der 28jährige ehemalige Stuttgarter und Herthaner war zweifellos der meistgesuchte Kicker des argentinischen Sommers. Hatte er Ende des Jahres noch mit einem Wechsel zu Rekordmeister River Plate kokettiert, landete er nun beim Erzrivalen. Klar, die Xeneizes spielen dieses Jahr mal wieder Copa Libertadores, River Plate hat sich dafür nicht qualifizieren können, das kam schon lange nicht mehr vor.
Der Wechsel kommt überraschend. Normalerweise geben im Land des amtierenden Weltmeisters die Topklubs keine Kicker an direkte Meisterschaftskonkurrenten ab, das kommt praktisch nie vor. Im Fall von Ascacibar kommt strafverschärfend hinzu, dass Estudiantes LP und Boca Juniors sicherlich beide alles daran setzen werden, gegen die Libertadores zu gewinnen. Für das Team aus La Plata, dessen Präsident Juan Sebastián Verón ist, wäre es die fünfte Copa. Für Boca Juniors, Präsident ist Juan Román Riquelme, wäre es der lange erträumte siebte Pott, damit zögen sie mit Club Atlético Independiente gleich und wären auch Rekordgewinner der Copa Libertadores. Der böse Konjunktiv darf erlaubt sein, was bleibt Träumern sonst?
Der Deal soll sich auf 4 Millionen US-Dollar für 80 Prozent des Passes von Ascacibar belaufen, für den argentinischen Lebendzweibeinermarkt schon ein Brett. Gleichzeitig verleihen Boca Juniors den Kicker Brain Aguirre für Bakschisch an den Klub aus der Provinzhauptstadt. Lange hatte River Plate um Ascacibar herumscharwenzelt. Als daraus nichts wurde, holten die Millionarios statt dessen Aníbal Moreno (von SE Palmeiras) und Fausto Vera (von Atlético Mineiro), die, allerdings nur zusammen, die Charakteristiken von Ascacibar aufweisen, der seit seiner Rückkehr zu Estudantes LP (2023) fünf Titel mit dem »Pincha« gewonnen hat (146 Spiele, 18 Tore, 5 Assists). Bei Boca Juniors wird er im Mittelfeld zusammen mit Weltmeister Leandro Paredes (von der Roma gekommen), dem Basken Ander Herrera (falls die Knochen halten) und Milton Delgado die Fäden ziehen. Einen Tag nachdem der Wechsel bekanntgegeben wurde, trat Boca Juniors bei Estudiantes in La Plata an. Ascacibar spielte nicht (Deal), Estudiantes gewann überlegen mit 2:1.
Ebenfalls verpflichtet wurde der 33jährige Paraguayo Ángel Romero, der jüngst mit Corinthians Paulista den brasilianischen Pokal gewann und der als freier Agent kam. Er ist Außenstürmer, sein Bruder Oscar kickte bereits für die Xeneizes, er will noch auf den WM-Zug der Guaraníes aufspringen. Der zehn Jahre jüngere Kolumbianer Marino Hinestroza wäre eine bessere Variante gewesen, doch der Wechsel von Atlético Nacional (Medellín) platzte im letzten Moment, Vasco Da Gama aus Rio kam dazwischen.
River Plate überraschte indes durch die Verpflichtung des 18jährigen Ecuadorianers Kendry Páez, der für eine Saison vom FC Chelsea ausgeliehen wurde, nachdem er das letzte Semester in der Ligue 1 bei Racing Strasbourg zwischengeparkt war, wo er mit den Silberländern Valentín Barco und Joaquín Panichelli (beides WM-Kandidaten) zusammenspielte. Der jetzige Klubweltmeister hatte ihn 16jährig für 20 Millionen US-Dollar bei Independiente del Valle in den Warenkorb gelegt. Seit zwei Jahren ist er Nationalspieler und fährt wohl zur WM.
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