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Aus: Ausgabe vom 02.02.2026, Seite 1 / Titel
Vereinigte Staaten

Trump im Netz

USA: Präsident durch neue Epstein-Unterlagen belastet. Sexualstraftäter war mutmaßlich israelischer Agent
Von Lars Pieck
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Die neuen Enthüllungen belegen: Trump und Epstein waren eng verbunden, harmlos war ihre Beziehung nicht (Washington, 3.10.2025)

Die Schlinge um US-Präsident Donald Trump zieht sich enger: Am Freitag, mehr als einen Monat nach Ablauf einer vom Kongress gesetzten Frist, hat das US-Justizministerium eine weitere Sammlung lange erwarteter Ermittlungsakten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein herausgegeben. Die Zahl der diesmal freigegebenen Dokumente übertrifft frühere Veröffentlichungen deutlich und umfasst mehr als 3,5 Millionen Seiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilder. Das ist rund die Hälfte von insgesamt mehr als sechs Millionen Unterlagen, wie der stellvertretende Generalstaatsanwalt Todd Blanche erklärte.

Die Veröffentlichungen zeigen nicht nur neue Verbindungen zwischen Epstein und Oligarchen wie Elon Musk, Bill Gates und Richard Branson sowie Figuren der Trump-Regierung, darunter Handelsminister Howard Lutnick und Trumps möglicher neuer Zentralbankchef Kevin Warsh. Vielmehr können sie auch den US-Präsidenten selbst belasten. Laut einem neu herausgegebenen FBI-Memo sei Trump nämlich »von Israel kompromittiert« worden - das ist allerdings nicht die Einschätzung des Geheimdienstes, der hier nur eine Quelle wiedergibt. Epstein habe mit dem israelischen Geheimdienst zusammengearbeitet, und die zionistische Religionsgemeinschaft Chabad habe versucht, Trumps erste Amtszeit zu beeinflussen. Das 2020 verfasste Memo entstand im Rahmen einer FBI-Untersuchung zu in- und ausländischen Einflüssen auf den US-Wahlkampf und stützt sich auf Informationen einer vertraulichen Quelle.

Chabad-Lubawitsch – eine im 18. Jahrhundert in Russland gegründete jüdische Sekte mit Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin, etwa durch den ehemaligen Oberrabbiner Russlands, Berel Lazar – werde laut FBI von Putin genutzt, um russisch-jüdische Oligarchen zu überwachen. Das Memo identifiziert Trumps Schwiegersohn Jared Kushner als Unterstützer der Gruppe und zentrale Figur in Trumps innerem Kreis. »An dem Tag, an dem Trump zum Präsidenten gewählt wurde, besuchten Ivanka Trump und Jared Kushner das Grab von Rabbi Schneerson, des mächtigsten Rabbis im Chabad-Netzwerk«, heißt es weiter. Die Quelle betont, dass Kushner »der eigentliche Kopf« hinter Trump und seiner Präsidentschaft sei.

Das Memo befasst sich außerdem mit Epsteins möglichen Verbindungen zu US-amerikanischen und ausländischen Geheimdiensten. Die Geheimdienstquelle sei zur »Überzeugung gelangt, dass Epstein ein kooptierter Mossad-Agent war«, heißt es unter Verweis auf frühere FBI-Berichte. Epstein stand dem ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Barak nah und soll unter ihm zum Spion ausgebildet worden sein. Zwischen 2013 und 2017 besuchte Barak mehr als 30mal Epsteins Stadthaus in New York und reiste mehrfach mit dessen Flugzeug. Häufig vermittelte Epstein im Hintergrund, etwa 2017 bei der Stärkung der Beziehungen zwischen Indien und Israel. Er brachte den indischen Milliardär Anil Ambani, der Premierminister Narendra Modi nahesteht, mit Barak zusammen, bevor Modi erstmals nach Israel reiste. Einige Tage später schrieb Ambani Epstein nach einem Besuch in Delhi, dass die »Führung« Epsteins Hilfe benötige, damit er »so schnell wie möglich Kushner und Bannon treffen« könne, und bat um Unterstützung für Modis bevorstehendes Treffen mit US-Präsident Trump. Epstein triumphierte in einer E-Mail, dass Modi »in Israel zum Wohle des US-Präsidenten getanzt und gesungen« habe.

Diese und viele weitere Veröffentlichungen zeigen, dass es beim Epstein-Fall nicht allein um einen Kreis von pädophilen Sexualstraftätern ging, sondern um ein gezielt aufgebautes internationales Netzwerk – also die Art von »Weltverschwörung«, von der rechte Q-Anon- und MAGA-Anhänger jahrelang sprachen. Nur war ihr verehrter »Retter« am Ende selbst einer der Kernakteure dieses Netzwerks.

Hinweis: In einer ersten Fassung des Beitrages wurde der Eindruck erweckt, das FBI habe Trump als vom »Mossad kompromittiert« eingestuft. Tatsächlich gab das FBI-Memo nur eine entsprechende Einschätzung einer Quelle des Geheimdienstes wieder, ohne sich diese direkt zueigen zu machen. (jW)

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Oliver S. aus Hundsbach (2. Februar 2026 um 14:34 Uhr)
    Die nationale und internationale Politik kapitalistischer »Demokratien« liegt seit jeher »jenseits von gut und böse«. Ob sich Mitglieder der herrschenden Klasse an der Bevölkerung vergehen, ähnlich wie Gilles de Rais/Blaubart, entscheiden deren persönliche Vorlieben völlig jenseits der Moral. Dass Geheimdienste die »Schwächen und Leidenschaften« einflussreicher Personen für ihre Zwecke instrumentalisieren, ist ebenfalls nichts Neues. Seitens der Ermittlungsbehörden, die sich für »redaktionelle Sichtungen« lange Zeit ließen, sollen keine weiteren Anklagen erfolgen. Somit ist das Sittengemälde der freien westlichen Demokratien im Jahr 2026 komplett.
  • Leserbrief von Joachim Seider aus Berlin (2. Februar 2026 um 10:59 Uhr)
    Man kann die Welt noch lange mit den Vorgängen um Epstein beschäftigen. In dieser Zeit wird sie nicht genau hinsehen können, mit welchen Sauereien die US-Politik gegenwärtig beschäftigt ist. Ob da wohl Absicht dahintersteckt?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (1. Februar 2026 um 21:16 Uhr)
    Linke Investigationsmedien haben schon lange Epsteins Rolle für israel. Geheimdienste hervorgehoben. Dadurch, dass die politische Dimension im »Fall Epstein« Überhand nimmt, geraten die sexuell missbrauchten und vergewaltigten Opfer erneut in den Hintergrund.

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