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Asiatische Dollar-Schwäche

Von Lucas Zeise
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Dem Goldpreis gehören die Schlagzeilen. Am Donnerstag stieg die Feinunze (31,1 g) vorübergehend bis auf 5.600 US-Dollar und fiel dann auf 5.300 zurück. Nach einem immer schneller werdenden Anstieg im vergangenen Jahr sprang Gold kurz vor dem Jahreswechsel über die Marke von 4.500 Dollar und im Verlauf des Januars dann über 5.000 Dollar. Wahrscheinlich wird der Januar der Monat mit dem steilsten Preisanstieg werden, den das Metall je erlebt hat, sagen die Händler. Es besteht kein Zweifel, dass der Preisanstieg der letzten drei Jahre von den regen Zukäufen der Zentralbanken verursacht war. Ebenso sicher kann man davon ausgehen, dass anschließend die Spekulation der letzten Monate das Geschehen am Markt geprägt hat.

Bemerkenswert ist, dass derartige Preisschwankungen beim Gold an anderen Märkten wenig Auswirkungen hatten. Gold ist weder ein bedeutender Rohstoff, noch spielt es im Warenhandel und im Kapitalverkehr eine Rolle. Für die Notenbanken der Welt ist es eine Restgröße, die als Reserve zurückgelegt und nur äußerst selten in Notfällen auch genutzt wird. Vermögensverwalter halten nach einer längst überholten Bankerregel einen Bruchteil der verwalteten Vermögen in Goldform, um im Falle eines gleichzeitigen Zusammenbruchs von Aktien-, Immobilien- und Bondmärkten einen (vermeintlich) davon nicht betroffenen Wertbestand zu sichern. Sie werden nun von ihren Kunden aufgefordert, beim aktuellen, sensationellen Preisaufschwung des Metalls mitzuspekulieren. Sie können aber mit einiger Sicherheit beim jetzigen Preisniveau davon ausgehen, dass die Verlustmöglichkeiten weit höher sind als mögliche Gewinne.

Auch bei den richtigen Geldwährungen gibt es Unruhe. Anfang der vergangenen Woche machten der Yen und der Euro in US-Dollar gerechnet einen Sprung nach oben. Am Devisenmarkt wurde berichtet, die japanischen Währungsbehörden hätten den Markt auf Eingriffe zusammen mit der US-Notenbank zugunsten des Yen vorbereitet. Der Yen war im vergangenen Jahr trotz eines hohen Überschusses in der japanischen Leistungsbilanz zum Dollar auf einen mehr als dreißigjährigen Tiefstand gefallen. Es war also mehr als plausibel, dass beide Seiten den Yen stützen wollten. US-Finanzminister Scott Bessent aber, befragt, ob Interventionen stattgefunden hätten, sagte »absolut nein« und behauptete, die Regierung Trump verfolge eine Politik des »starken Dollars«. Ein Teil der Dollar-Schwäche wurde daraufhin wieder wettgemacht. Aber der Yen sowie der südkoreanische Won und der Taiwan-Dollar blieben teurer als vor den Interventionsgerüchten. Der Euro war am Dienstag kurz über 1,20 US-Dollar gestiegen und blieb bis Ende der Woche mit über 1,19 Dollar deutlich teurer als während des gesamten vergangenen Jahres.

Kurze Schlussfolgerung: Der US-Dollar neigt vor allem gegenüber den ostasiatischen Währungen zur Schwäche. Die chinesische Währung hat zum Jahreswechsel die wichtige Marke von sieben Renminbi Yuan je US-Dollar überschritten. Einen weiteren vorsichtigen Anstieg hat die den Wechselkurs bestimmende Volksbank Chinas in Aussicht gestellt. Wenn der Dollar im Vergleich zu den asiatischen Währungen in den kommenden Monaten billiger wird, wäre das ein Zeichen für einen halbwegs rational funktionierenden Weltfinanzmarkt.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (31. Januar 2026 um 16:53 Uhr)
    Wer sich für »Goldwaschen in Deutschland« interessiert, möge hier https://www.gold.de/goldfoerderung/ nachlesen. Auf dieser Seite ist »Goldförderung: Aktuelle Zahlen, Fakten, Hintergründe« sehr gut beschrieben. Insbesondere wird dargestellt, dass derzeit »Peak Gold« herrscht. Den Begriff kennen wir ja: Peak Oil. Der Begriff »All-in Sustaining Costs (AISC)« wird erklärt und an einigen Bespielen gezeigt, dass diese zwischen 909 und 2065 Dollar je Feinunze liegen (1. Quartal 2025). Über »Goldangebot und Goldförderung« erfährt frau viel Wissenswertes.

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