Gegründet 1947 Sa. / So., 14. / 15. März 2026, Nr. 62
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 28.01.2026, Seite 16 / Sport

Frisch frisierter Floh

Von André Dahlmeyer
2026-01-24T224000Z_1240783323_UP1EM1O1QYM2I_RTRMADP_3_SOCCER-FRI

Einen wunderschönen guten Morgen! Bei Major-League-Soccer-Meister Inter Miami, dem Franchise aus Fort Lauderdale, Miami, läuft die Saisonvorbereitung auf Hochtouren. Mit dabei nach wie vor die beiden Weltmeister Rodrigo De Paul und Lionel Messi. Einer der Eigentümer des Klubs, der Kubanoamerikaner Jorge Mas, malte während einer improvisierten Pressekonferenz den neuen Horizont: »Inter Miami muss die Copa Libertadores spielen und sich mit den Giganten des südamerikanischen Fußballs messen. Ein Wettbewerb, den Messi nie kickte, das streben wir an.« Laut eigenen Angaben soll er dazu bereits »in Verhandlungen« mit Alejandro Domínguez stehen, dem Präsidenten des südamerikanischen Fußballverbands Conmebol. Progressive Kreise im Cono Sur verstehen die Amerikas als Einheit, als einen Kontinent; so gesehen ergibt das Sinn. Im Norden kennt man nur den Norden.

Der polemisierende Geschäftsmann Mas ist der Meinung, dass der Wettbewerb mit nordamerikanischen Klubs aufgewertet würde. Darüber kann man sich streiten. Für den Süden wären allein die Transportkosten der Ruin (außer für die Brasucas). Die Mariachis gehörten ehemals dazu, von 1998 bis 2017. Deren Partizipation war durchaus erfolgreich: Cruz Azul, Chivas Guadalajara und UANL Tigres schafften es in die Finals der Copa Libertadores, Pumas und América in die der Copa Sudamericana. Pachuca gewann 2006 gar in den Finals der Copa Sudamericana gegen Colo-Colo aus Santiago de Chile. Lange her.

Sich mit den »Giganten« zu messen, ist ein hehrer Anspruch (James Dean war schon sein Auto zwei Nummern zu groß), aber eine Ansage. Am Weekend maß sich Messis Inter in Lima im Estadio Alejandro Villanueva vor 30.000 Zuguckern mit Alianza, eher ein Team aus der zweiten kontinentalen Reihe, auch wenn sie Anfang der vergangenen Saison in den Libertadores-Playoffs Boca Juniors in deren eigenem Tempel »Pralinenschachtel« eliminierten – in Argentinien ein Skandal. Das Match ist so eine Art Joan Gamper Trophy auf peruanisch und als Saisonauftakt der Weiß-Blauen-Nacht gesetzt.

Die MLS-Saison beginnt Mitte Februar, Messi war am Wochenende eine Stunde auf dem Platz. Neu frisiert und irgendwie abwesend. Wie das gesamte Team von Javier Mascherano, das drei Tore kassierte, und wenn der unkaputtbare Ex-HSVler Paolo ­Guerrero (42 Jahre), der im ersten Abschnitt zwei Treffer notierte, ein bisschen angespitzter gewesen wäre, nicht so viele Chancen verpatzt hätte, dann hätte die Nummer auch so richtig dramatisch ausgehen können. Eine tolle Leistung bot auch der Ex-Boca-Juniors Luis Advíncula, der nach zwölf Jahren im Ausland zurückkehrte. Bei Inter debütierte der Ex-Racing Facundo Mura. Inter ist ja tendenziell ein argentinisches Team.

Auf dem steinigen Weg in die Libertadores gastieren Messis Freunde am Sonnabend in Medellín beim kolumbianischen Rekordmeister Atlético Nacional (18 Titel), am 7. Februar in Guayaquil, Ecuador, gegen Barcelona sowie am 13. Februar in San Juan, Puerto Rico, gegen Independiente del Valle aus Quito.

Die Peruaner hatten ihren Spaß gegen die Trump-Jünger. Den aktuellen Vergewaltigungsskandal von Alianza konnte das nicht verwischen. An der Gruppenvergewaltigung einer 22jährigen Argentinierin in Montevideo, Uruguay, waren drei Spieler beteiligt, darunter der Ex-Boca-Juniors Carlos Zambrano. Der Peruaner ist in der Bundesliga kein Unbekannter. Er kickte für Schalke 04, St. Pauli und vor allem Eintracht Frankfurt. Da diese Vereine ihm offenbar keine Werte vermitteln konnten, sind sie Mittäter.

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Mehr aus: Sport