Mal wieder was zu feiern
Von André Dahlmeyer
Einen wunderschönen guten Morgen! Englands Rekordmeister Manchester United belohnte sich zum 148jährigen Klubjubiläum am 22. Spieltag der Premier League mit einem glorreichen 2:0-Erfolg in Old Trafford gegen den ewigen Stadtrivalen Manchester City von Josep Guardiola. Erwartet worden war ein Kantersieg der Citizens, die zuletzt dreizehn Mal hintereinander gewonnen hatten, während ManU von einer Krise in die nächste schlitterte, sich nun jedoch eventuell freigeschossen hat, immerhin bekleiden die Red Devils mittlerweile einen Europa-League-Rang.
Kürzlich war United bereits in der dritten Runde des FA Cup im eigenen »Theatre of Dreams« (Bobby Charlton) von Brighton eliminiert worden. Es gab viele große Pokalüberraschungen in den europäischen Wettbewerben. Im FA Cup schoss Titelverteidiger Crystal Palace den Vogel ab und verlor auswärts gegen den Sechstligisten FC Macclesfield völlig verdient mit 1:2. Isaac Buckley-Ricketts und Paul Dawson waren die Helden der Seidenmänner aus Cheshire, davon können sie noch ihren Enkeln erzählen.
Die Schutzbefohlenen von Guardiola hatten in Old Trafford nicht den Hauch einer Chance. Schon nach drei Minuten sprang Harry Maguire höher als Erling Haaland, wuchtete den Ball aber aus einem Meter Entfernung gegen den geschlagenen Gianluigi Donnarumma (Weltklasse) nur an die Latte. So was erinnert mich immer an Ajatollah Breitner, als der mal im Eintracht-Stadion gegen den HSV aus zwei Metern über das Tor schoss und ich beinahe meinen Jägi-Shot verschluckt hätte, also inklusive Fläschchen. In Minute 65 kapitalisierten die Red Devils einen pessimistisch ausgeführten Freistoß der Citizens, Rädelsführer Bruno Fernandes fanfarte zum Todeskonter, und ratzfatz verstaute der Kameruner Glatzkopftaliban Bryan Mbeumo die Pille unter den ungläubigen Blicken zahlreicher Fastverteidiger direkt mit dem Innenspann im Brotkasten von Donnadingenskirchen. So hatten wir gewettet! City pfui!
Nur zehn Minuten darauf aber mal ganz pfui: Erst patzte Nico O’Reilly, dann Rico Lewis, ergo staubte der Däne Patrick Dorgu am Fünfer zum 2:0 Dolchstoßtreffer ab, aus die Maus, good old Manchester war wieder rot, Sir Alex Ferguson hatte sichtlich Spaß, auch wenn ManU drei Tore aberkannt wurden. Mir kann’s egal sein, Manchester steht für Lemmy Kilmister, ich bin aber seit Menschengedenken Aston-Villa-Fan, und die kommen wie Pitchshifter aus Birmingham. Jedenfalls gab es für United nach vier sieglosen Matches mal wieder was zu feiern. Turm in der Schlacht war der argentinische Weltmeister Lisandro Martínez, der Haaland komplett abmeldete und zusammen mit dem Hünen Maguire die Innenverteidigung organisierte. Er war lange, lange verletzt, ist absolutes Vereinsidol bei den Fanatikern der Red Devils, denen der Rauswurf des portugiesischen Übungsleiters Rúben Amorim Luft verschafft zu haben scheint. Für dessen Nachfolger auf dem Schleudersessel, Klublegende Michael Carrick, war es ein Einstand nach Maß.
Das Match stand im Zeichen eines Medienduells zwischen Vereinslegende Paul Scholes (718 Spiele für ManU) und Lisandro Martínez. Scholes hatte orakelt, dass Haaland den Argentinier mitsamt dem Ball einnetzen, also plattmachen würde. Martínez: »Wenn er mir was sagen will, kann er mich zu Hause besuchen. Ich gebe alles für diesen Klub.« Nach der brillanten Leistung des Weltmeisters konterte Scholes: »Jemand hatte ein großes Spiel. Ich freue mich für dich. Den Tee bitte ohne Zucker.«
Wieviel der Sieg wert ist, wird sich am Sonntag zeigen. Dann tritt ManU im Emirates Stadium bei Ligastreber Arsenal (erst zwei Niederlagen) an.
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