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Aus: Ausgabe vom 21.01.2026, Seite 10 / Feuilleton

Barke, Finzi, Micheel, Kinski

Von Jegor Jublimov
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Nastassja Kinski in »Paris, Texas« (1984) von Regisseur Wim Wenders

»Ich wollte nicht nur Spaß vermitteln, sondern das junge Publikum zugleich fürs Leben stärken, Mut für den Alltag geben«, sagte Animationsfilmer Lothar Barke. Der Berliner, am 20. Januar vor 100 Jahren geboren und 2010 in Dresden gestorben, war ein Großer auf dem Gebiet der kleinen Filme. Ab 1950 arbeitete er für populärwissenschaftliche Produktionen der Defa, gehörte fünf Jahre später zu den Mitbegründern des Dresdner Defa-Trickfilmstudios und blieb bis 1991 dabei. Der einzige seiner mehr als 30 Filme, der heute regelmäßig im TV läuft, ist »Alarm im Kasperletheater«, der 1962 in Indien mit der Silbernen Lotosblume ausgezeichnet wurde. Es bleibt zu wünschen, dass einige seiner anderen Filme, vielleicht »Der fliegende Großvater« (1965), auch mal wieder ins Fernsehen kommen.

Weil das Kyrillische nicht immer fehlerfrei ins Lateinische zu transferieren ist, unterscheiden sich die bulgarischen Familiennamen von Izko Fintzi, der 1959 in Konrad Wolfs Film »Sterne« debütierte, und Samuel Finzi in einem Buchstaben, obwohl sie Vater und Sohn sind. Bei uns ist Samuel der weitaus bekanntere, denn seit 1989 tritt er regelmäßig im deutschsprachigen Raum auf und hat in Inszenierungen von Dimiter Gotscheff, Jürgen Flimm, Benno Besson und Michael Thalheimer Erfolge gefeiert. Obwohl er meist entspannt wirkt, ist Finzi doch ein unermüdlicher Arbeiter, der in weit über 100 Filmen vor der Kamera stand. Mit Krimis verdient er Geld, etwa neben Axel Milberg im »Tatort«, neben Hannelore Hoger in »Bella Block«, neben Heino Ferch in »Allmen«, als Titelheld in »Flemming«. Am Dienstag konnte der Mann aus Plowdiw seinen 60. Geburtstag feiern.

Ein eher heimatverbundener Schauspieler war Gerd Micheel, der am 24. Januar vor 100 Jahren in Schwerin zur Welt kam und mit 70 in Rostock starb. Schon während des Schauspielunterrichts bei der großen Lucie Höflich trat Micheel als 19jähriger in der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne auf. In Annaberg-Buchholz und Greiz ließ er sich den Wind um die Nase wehen, ehe er 1953 nach Schwerin zurückkehrte, wo er das klassische Repertoire spielte. Auch nach seinem Wechsel 1960 nach Rostock blieb er seiner plattdeutschen Leidenschaft treu, nahm beispielsweise Fritz Reuters Gesamtwerk für den Rundfunk auf. Auch bei Film und Fernsehen setzte er den Dialekt ein, spielte beispielsweise 1975 neben Rita Feldmeier die Hauptrolle in dem vom DFF übertragenen Volksstück »Dann wollen wir mal wieder«, das der kunstsinnige Generaldirektor der Neptunwerft, Kurt Dunkelmann, geschrieben hatte.

Am gleichen Tag begeht Nastassja Kinski ihren 65. Geburtstag. Als junge Leute waren mein Freund Jens und ich verliebt – er in Nastassja und ich in ihre Schwester Pola (die ich aus Staudtes Film »Zwischengleis« kannte). Jens schlich 1982 auf dem Defa-Gelände umher, weil Nastassja hier als Clara Wieck neben Herbert Grönemeyer und Rolf Hoppe Peter Schamonis Film »Frühlingssinfonie« drehte. Jens hat seinen Schwarm nicht kennengelernt, träumte aber davon, Klaus Kinskis Schwiegersohn zu werden. Nastassja hat sich kurz darauf für einen US-amerikanischen Produzenten entschieden, später noch für den Musiker Quincy Jones. Wir hatten immerhin Gelegenheit, sie in tollen Filmrollen bei Wim Wenders, Francis Ford Coppola oder zuletzt Thomas Stuber zu sehen.

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