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Aus: Ausgabe vom 14.01.2026, Seite 16 / Sport

Dann kam der Postmann

Von André Dahlmeyer
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Hatte seinen Spaß: Raphinha vom FC Barcelona (Dschidda, 11.1.2026)

Einen wunderschönen guten Morgen! In einem elektrisierenden Match gewann am Sonntag im Stadion King Abdullah Sports City im Norden von Dschidda, Saudi-Arabien, der FC Barcelona gegen seinen Lieblingsgegner Real Madrid zum sechzehnten Mal die aus Raffgier exportierte spanische Supercopa. Es war der spannendste Clásico seit langem. Mann des Abends war Raphinha.

Schon die erste Halbzeit ein Feuerwerk. In Minute 36 vernaschte Raphinha Vizeweltmeister Aurélien Tchouaméni und ließ Thibaut Courtois mit einem flachen Linksschuss an den langen Pfosten keine Chance. Nachdem der belgische Hüne anschließend noch zwei Hundertprozentige von Fermín López und dem 18jährigen Lamine Yamal entschärft hatte, wurde es in der Nachspielzeit richtig hot. Vom linken Flügel aus spazierte Vini Jr. durch den Strafraum, tunnelte Jules Koundé, ließ den Rest der Culés wie Slalomstangen vereisen und drückte Joan García den Stempel »Pennäler« auf die Stirn.

Zwei Minuten drauf ließ sich der 37jährige Jungspund Robert Lewandowski nicht lumpen und lupfte die Pille nach einem magistralen Filtrationspass von Pedri mit dem rechten Botten per »Vaselina« über Courtois gegen den Innenpfosten zur erneuten Führung für den Blaugrana in die Reusen des Klassenfeindes. What a strike! Denen von Barça schoss ad hoc härtestes Adrenalin aus den Poren, gedanklich lümmelte man in der Kabine am Bollerofen und hing hochkonzentriert am Riesenrutschenstrohhalm über dem Lambruso-Eimer. Unschlau. Letzter Spielzug, Ecke Rodrygo und nahe dem Sanktionspunkt schraubt sich der 20jährige, für Spanien spielende niederländische Innenverteidiger Dean Huijsen in die Höhe wie ein vorm Erdöl fliehender Bohrturm, es sieht aus, als ob der Ball genau ins Dreieck fliegt. Doch am langen Pfosten hat Raphinha aufgepasst, macht ebenfalls auf Bohrturm und kann das Ballgerät gerade noch mittels artistischer Einlage an den oberen Pfosten köpfen, unglaublich. Ball noch ganz, Kopp noch ganz, Pfosten gibt keine Auskunft. Jedoch hat am Fünfmeterraum Gonzalo García aufgepasst, der den Abpraller im Zweikampf mit Pedri im Fallen nach drei fast gleichzeitigen Körperberührungen mit der Pike unter die Latte haut, wo der Ball hinter der Linie einschlägt wie der Taubenschiss eines Kadmiumbombers. Zwozwo.

Das war beiden Teams nach dem Wechsel auch deutlich anzumerken. Flick brachte später Dani Olmo und Ferran Torres, Xabi Alonso ersetzte den verwarnten Federico Valverde durch Arda Güler. Dann kam der Postmann. Er hieß Raphinha und brachte schlechte Nachrichten, ganz wie ihm geheißen. Ein Warhol-Stündchen vor Schluss rutschte ihm bei einem Schuss vom Sechzehner der Standfuß weg, Raúl Asencio fälschte den Schuss leicht ab, was aber reichte, weil der Belgier schon auf dem Hosenboden saß. In der Schlussphase wurde Frenkie de Jong nach einem beidfüßigen Bügeleisentritt gegen Kylian Mbappé an der Mittellinie zum Frühduschen angewiesen. Für Hans-Dieter Flick war es das achte Finale seiner Trainerlaufbahn, er hat alle gewonnen.

Stunden nach der Niederlage der »Königlichen« entließ deren Skandalpräsi Florentino Pérez den Nachfolger von Carlo Ancelotti, Spielerlegende Xabi Alonso, vom Trainerposten. Begonnen hatte der etwa mit einer 0:4 Klatsche im Semifinale der Klub-WM gegen PSG. Es folgte u. a. ein 2:5 bei Atlético Madrid in LaLiga. Die Fans monierten vor allem die späten Einwechslungen von Mbappé und Argentiniens »Wunderkind« Franco Mastantuono.

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