Jordan, Gusner, Trösch, Pelikowsky
Von Jegor Jublimov
Ein erfülltes Leben! Der Leipziger Günter Jordan, der am Freitag 85 wird, studierte in Jena, um Lehrer zu werden. In Potsdam-Babelsberg folgte ein Regiestudium, das ihn zum Dokumentarfilmregisseur machte. In Berlin verteidigte er 1990 seine Dissertation zu einem filmhistorischen Thema und war bald ein angesehener Filmhistoriker. Jordan drehte mehrere Werke, mit denen er das Geschichtsverständnis von Kindern wecken wollte, etwa »Matrosen in Berlin« von 1978 über die Gründung der Volksmarinedivision, die Novemberrevolution und den Spartakusaufstand.
Spannend auch »Max Hoelz« (1989) über den anarchistisch agierenden Kommunisten, der 1934 in der so-wjetischen Emigration starb. Damals konnte Jordan noch Zeitzeuginnen wie Ada Gelz-Tur und Lotte Loebinger befragen. Zu seinen filmhistorischen Veröffentlichungen zählt auch ein umfangreiches Werk über den niederländischen Dokumentaristen Joris Ivens (2018).
Eine geschätzte Spielfilmregisseurin wird am Donnerstag 85. Iris Gusner kam mit vier Jahren aus Oberschlesien nach Markkleeberg und arbeitete nach der Schule in einem Holzveredelungswerk. Von der Babelsberger Filmhochschule wurde sie 1961 zum Studium nach Moskau delegiert und arbeitete nach dem Abschluss bei der Defa. In ihrer Arbeit stellte sie Frauen in den Mittelpunkt, beispielhaft in die »Die Taube auf dem Dach« (mit Heidemarie Wenzel, 1973/1990), »Das blaue Licht« (1976, mit Katharina Thalbach), »Alle meine Mädchen« (1980, mit Lissy Tempelhof) oder »Kaskade rückwärts« (1984, mit Marion Wiegmann und Johanna Schall).
Jubilare dieser Woche sind auch zwei Bühnengrößen aus den Alpenländern, die seit Gründung der DDR das künstlerische Leben hier mitbestimmten. Der ältere heißt Robert Trösch, 1911 in Zürich geboren, wo er am Marionettentheater begann. In Berlin spielte er bis 1933 mit Gustav von Wangenheim Agitprop und wirkte auch in dessen Film »Kämpfer« mit, der 1935 in der Moskauer Emigration entstand. In der Heimat hatte Trösch schon Fuß fassen können, spielte in Erika Manns Kabarett »Die Pfeffermühle«, übernahm 1933 erste Filmrollen, in denen er bis 1943 u. a. neben Mathilde Danegger, Heinrich Gretler und Paul Hubschmid zu sehen war. Ab 1946 in Berlin knüpfte er an die Arbeit mit Erika Mann an, spielte und inszenierte Kabarett, häufig an der »Distel«. Bei der Defa stand er vor der Kamera (»Saure Wochen, frohe Feste«, 1950), im DFF inszenierte er Werke von Theodor Fontane und Curt Goetz. Es gelang ihm, Pathos und Ironie zu verknüpfen. Dieser Mittwoch ist sein 40. Todestag.
Eine echte Wienerin war Erika Pelikowsky, deren Geburtstag sich am Sonntag zum 110. Mal jährt und die 1990 in ihrer Heimatstadt verstarb. Dort war sie bereits in den vierziger Jahren an führenden Bühnen aufgetreten. Ab 1951 gastierte sie am Deutschen Theater Berlin und blieb ab 1956 mit ihrem Mann Wolfgang Heinz drei Jahrzehnte lang. Sie spielte auch am Berliner Ensemble und in zahlreichen Filmen bei Defa und DFF. Das Publikum schätzte ihr außergewöhnliches Können und nicht zuletzt ihren typischen Wiener Tonfall.
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