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Lass es Liebe sein

Von Gabriele Damtew
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Teil der Nationalelf Mosambiks: Stanley Ratifo (13) von BSG Chemie Leipzig

Der derzeit in Marokko stattfindende Africa Cup of Nations, kurz AFCON, soll in dieser Kolumne keineswegs als unterklassiges Ereignis behandelt werden, im Gegenteil. Es ist der bedeutendste Titelkampf im afrikanischen Fußball. Alle zwei Jahre (ab 2028 soll es ein vierjähriger Turnus werden) spielen 24 Nationen, die sich vorher, wie auf anderen Kontinenten, in einer Qualifikation durchsetzen müssen, um den heißbegehrten Cup. Als absoluter Underdog schaffte das die Inselgruppe der Komoren, eines der ärmsten Länder der Welt, regiert von einem autokratischen Präsidenten.

Das Wort »Nationen« steht allerdings häufig unter einem anderen Vorzeichen, was vor allem die Favoriten betrifft: Kaum einer der in die Nationalelf berufenen Spieler lebt bzw. verdient sein Auskommen in der vielgelobten »Heimat«, mancher wurde dort auch nicht geboren. Die Kader dieser Mannschaften bestehen oft aus populären, hochbegabten und hochbezahlten Stars, die wiederum in großen Teams der ersten europäischen Ligen spielen: Paris Saint-Germain, FC Liverpool, Real Madrid, FC Barcelona, Bayern München, you name it. Manche verdienen ihre Brötchen in weniger bekannten Teams oder in Klubs kleinerer europäischer Fußballänder wie Tschechien, Dänemark oder Russland. Einige sogar in unterklassigen Vereinen in Italien oder Deutschland.

Titelverteidiger Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) ist bereits am vergangenen Sonnabend im Viertelfinale gegen Rekordtitelträger Ägypten ausgeschieden, ein herber Schlag. Der Afrikacup kann aber Geschichten von Verlierern erzählen, die eigentlich Gewinner sind. Einer ist Stanley Ratifo (31 Jahre) vom Regionalligisten BSG Chemie Leipzig. Der gebürtige Hallenser hat einen mosambikanischen Vater, der als sogenannter Vertragsarbeiter in die DDR gekommen war – um nach dem Mauerfall zu bleiben. 2017 folgte Ratifo dem Ruf in die Auswahl von Mosambik. Das Gruppenspiel beim diesjährigen AFCON gegen Topfavorit Côte d’Ivoire mit dem Shootingstar Yan Diomande vom »Lokalrivalen« RB Leipzig wurde nur knapp mit 0:1 verloren, im Spiel gegen Gabun mit Superstar Pierre-Emerick Aubameyang (Olympique Marseille) gelang dem südostafrikanischen Underdog der erste Sieg bei einem Afrika-Cup überhaupt (3:2). Auch wenn Ratifo bei diesem Match von der Bank zuschaute, bleibt er seinen treuen Fans für ein Tor auf ewig im Gedächtnis: Er schoss bei seinem Debüt den Siegtreffer für Mosambik gegen den bis dato unbesiegbaren afrikanischen Kontrahenten Sambia. »Man wird hier schon mit sehr viel Liebe empfangen.«

Auch Drittligist Erzgebirge Aue konnte mit Stolz behaupten, einen Teilnehmer der afrikanischen Kontinentalmeisterschaft in seinen Reihen zu wissen – Jonah Fabisch (24 Jahre), der wegen seiner Mutter (einer ehemaligen Hürdenläuferin) für Simbabwe an den Start ging und gegen Mitfavorit Ägypten nur mit 1:2 in der Gruppenphase unterlag. Und trotz des Ausscheidens, auch wenn die Fangruppen aus dem weit entfernten Süden im nordafrikanischen Marokko klein sind, machen sie doch einen Riesenalarm für ihre Lieblinge.

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