Gegründet 1947 Donnerstag, 26. Februar 2026, Nr. 48
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 12.01.2026, Seite 7 / Ausland
US-Imperialismus

Gefeilsche um Grönland

Trump mit Besitzanspruch, NATO will »schützen«
Von Ina Sembdner
Dänemark - Grönland.jpg
Ach wie schön ist … Grönland: Und vor allem mit Rohstoffen »gesegnet« und strategisch günstig gelegen (Nuuk, 19.3.2025)

Eigentlich ging es bei der Sitzung mit Konzernvertretern um die Sicherung des venezolanischen Öls bzw. dessen Einnahmen für die USA. Auf Nachfragen von Reportern bekräftigte Präsident Donald Trump am Freitag dann erneut Grönlands Zukunft unter US-Herrschaft – zumindest, wenn es nach Washington geht. Trump würde zwar gern einen »Deal« diesbezüglich machen, aber russische und chinesische Zerstörer und russische U-Boote seien »überall«. Und »wir werden nicht zulassen, dass Russland oder China Grönland besetzen. Und genau das werden sie tun, wenn wir es nicht tun. Also werden wir etwas mit Grönland unternehmen, entweder auf die nette Art oder auf die schwierigere Art.« Die USA unterhalten bereits eine Militärbasis auf der größten Insel der Welt, aber laut Trump müsse man etwas »besitzen«, um es zu verteidigen.

Grönland ist als De-facto-Kolonie Dänemarks in die NATO eingebunden. Mehrere Staaten des westlichen Kriegsbündnisses debattieren unter Führung Londons über die Entsendung einer Streitmacht nach Grönland, die für Trump die Arktis bewachen soll, berichtete The Telegraph am Sonnabend. Demnach seien NATO-Militärs bereits mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Mission befasst, beteiligt an den Gesprächen seien auch Paris und Berlin. Unter Berufung auf nicht weiter bestimmte Quellen berichtete das Blatt weiter, dass die EU darüber hinaus Sanktionen gegen US-Unternehmen plane, sollte Trump das Angebot eines NATO-Einsatzes ablehnen.

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bestätigte unterdessen am Sonntag ein Treffen ihres Außenministers Lars Løkke Rasmussen mit dessen US-Kollegen Marco Rubio in dieser Woche. Auf Grönland berichtet die Rundfunkanstalt KNR mittlerweile in einem Liveticker über die Drohungen aus den USA und die entsprechenden Reaktionen aus der Europäischen Union, der NATO und insbesondere aus Dänemark. Die politischen Parteien Grönlands bekräftigten in einer gemeinsamen Stellungnahme: »Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.«

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (11. Januar 2026 um 20:37 Uhr)
    Was soll das ganze militärische Geschwafel? Worum es geht, kann frau hier nachlesen: »Grönland ist reich an Bodenschätzen wie Eisenerz, Graphit, Wolfram, Palladium, Vanadium, Zink, Gold, Uran, Kupfer und Erdöl. Die Ressourcen, die in der Region das größte Interesse wecken, sind jedoch die Seltenen Erden.« (https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/freihandel/geooekonomie/570764/warum-groenland-so-wichtig-ist/ , 10.09.2025)