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Aus: Ausgabe vom 07.01.2026, Seite 10 / Feuilleton

Grube-Deister, Simon

Von Jegor Jublimov
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»Sie spielt mit, nicht auf, und schon gar nicht spielt sie sich in den Vordergrund«: Elsa Grube-Deister im seligen Jahr 1996

Sie gehört nicht zu denen, die etwas von sich hermachen, sondern zu denen, die etwas aus sich machen. Sie spielt mit, nicht auf, und schon gar nicht spielt sie sich in den Vordergrund«, schrieb der Theaterkritiker und Brecht-Kenner Ernst Schumacher über Elsa Grube-Deister, eine der großen Schauspielerinnen der Bühnen der DDR, die am Sonntag 100 Jahre alt geworden wäre und mit 75 Jahren starb. Die gebürtige Hamburgerin kam noch zu Brechts Lebzeiten ans Berliner Ensemble, wo sie mit der Inszenierung »Pauken und Trompeten« schon 1955 erstmalig ins Fernsehen kam. Von 1960 an blieb sie für fast vier Jahrzehnte am Deutschen Theater, wo ihr der Wechsel von der frechen jungen Frau (als Peter Hacks’ »Schöne Helena«) zu mütterlichen Rollen (Juno in O’Caseys »Juno und der Pfau«) gelang. Im DFF war sie umwerfend als plebejische Mutter Wolffen in Hauptmanns »Der Biberpelz« (1971) und hatte sich schon ein Jahr zuvor als Anna Quangel in dem Dreiteiler »Jeder stirbt für sich allein« neben Erwin Geschonneck und Wolfgang Kieling behaupten können – zweifellos die beste der bisherigen Adaptionen von Falladas Roman. In den 90er Jahren brillierte sie ein weiteres Mal im DFF neben Reimar Johannes Baur in Turrinis »Josef und Maria«.

Der aus Hainichen stammende Rainer Simon war der einzige Defa-Spielfilmregisseur, der einen Goldenen Bären der Berlinale gewann. Den gab es 1985 für »Die Frau und der Fremde« nach einer Erzählung von Leonhard Frank und verhalf seiner DDR-Satire »Jadup und Boel«, die seit 1981 auf Eis lag, 1988 zur verspäteten Premiere. Simon, der 1965 sein Filmstudium in Babelsberg absolvierte, wurde es mit eigenen Projekten schwergemacht, weil er phantasievoll statt stromlinienförmig war. Immerhin gelangen ihm trotz Gängelei mit dem Märchen »Wie heiratet man einen König« (1969), dem Sagenstoff »Till Eulenspiegel« (1975) und der Phantasie mit Experimentalcharakter »Das Luftschiff« (1983) vielbeachtete Filme.

Rainer Simon und sein Kameramann Frank Sputh drehten 1998 in Ecuador gemeinsam den Film »Mit Fischen und Vögeln reden« über das vom Aussterben bedrohte Volk der Sápara. Damals entstand die Idee, eine Vereinigung zur Unterstützung indigener Völker zu gründen. »Lebendige Erde – Sacred Earth e. V.« mit Ehrenmitgliedern in Ecuador und auf den Philippinen unterstützt seither den weltweiten friedlichen Kampf indigener Völker um internationale Anerkennung ihrer Grundrechte. Indigene werden durch den Verein auch finanziell bei gesundheitlichen Problemen unterstützt. Der Film, der am Anfang dieses Engagements stand, war die Humboldt-Biographie »Die Besteigung des Chimborazo« mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle: 1988/89 als deutsch-deutsche Koproduktion in Potsdam-Babelsberg, Paris, Spanien und Ecuador entstanden und 1990 auf der Berlinale vorgestellt. Am 12. Januar, dem Tag nach seinem 85. Geburtstag, stellt Rainer Simon diesen Film in einer Veranstaltung der Defa-Stiftung im Berliner Kino Krokodil vor.

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