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Aus: Ausgabe vom 06.01.2026, Seite 3 / Inland
US-Angriff auf Venezuela

Inwiefern ist das eine Zäsur in der Weltordnung?

Dass die USA den Angriff auf Venezuela unverhohlen begehen, ist eine neue Qualität, findet Vinzenz Glaser
Interview: Max Grigutsch
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So haben die US-Angriffe einige Gebäude in Venezuela hinterlassen (Catia La Mar, 4.1.2026)

Hiesige Politiker, allen voran Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul, halten eine Bewertung der US-Angriffe auf Venezuela für »komplex« – Sie auch?

Ich finde diese Äußerungen zutiefst befremdlich, denn Völkerrecht ist alles andere als schwammig. Völkerrecht besteht aus festgelegten Rechtsnormen. Darin ist definiert, wann etwas ein völkerrechtswidriger Angriff ist. Um den scheint es sich bei der sogenannten Militäraktion auf Venezuela zu handeln. Das war ein schockierender Angriff, der nicht mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Es ist eine Zurschaustellung der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA. Und es ist eine Zäsur in der Weltordnung, wie wir sie bisher kannten, dass so unverhohlen und ohne große Ausreden ein anderes Land angegriffen und in dessen Souveränität eingegriffen wird.

Eine Zäsur, nicht nur für Venezuela. US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Tagen Drohungen gegen Kuba, Mexiko, Kolumbien, aber auch Grönland oder den Iran ausgesprochen. Was macht diese neue Qualität der imperialistischen Ambitionen der USA aus?

Die neue Qualität ist eben dieses Unverhohlene, Unverstellte. Es werden keine großartigen Vorwände gesucht wie in vergangenen Kriegen der USA. Es wird einfach gesagt: Wenn ihr nicht das macht, was wir wollen, seid ihr die nächsten. Insofern bricht es mit einer alten Weltordnung. Man kann zwar sagen, dass Völkerrecht, auch Menschenrechte, bisher immer selektiv angewendet wurden, auch von seiten Deutschlands. Aber diese unverhohlenen Drohungen können einem wirklich angst machen. Es wäre jetzt höchste Zeit, dass die deutsche Bundesregierung da Farbe bekennt. Merz und Wadephul halten die Sachlage für komplex. Viele andere Staatsoberhäupter sehen das komplett anders. Das sind zumeist die, die nicht mit den USA auf Kuschelkurs sind.

Das sogenannte internationale Recht war schon immer ein Recht des Stärkeren. Ist die Zäsur also rein propagandistischer Natur?

Es tritt immer offener zutage, dass es um geopolitische Machtspiele geht, dass Ressourcen eine große Rolle spielen. Venezuela ist das Land mit den größten Ölvorkommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und dieser Schelm muss man gar nicht sein, da die US-Regierung selbst ausspricht, dass sie die Kontrolle über die Ölvorkommen übernehmen wird. Sie will, dass eine Übergangsregierung oder die Menschen, die jetzt noch in Venezuela an der Macht sind, so handeln, wie die USA sich das wünschen.

Linke-Chef Jan van Aken fordert von der Bundesregierung, dass diese eine Verurteilung des US-Angriffs durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erwirkt. Da haben die USA aber das Vetorecht. Worauf hofft van Aken?

Es besteht aufgrund dieser Vetoregelung keine große Hoffnung, dass es zu gravierenden Beschlüssen kommen wird. Dennoch ist der Sicherheitsrat ein wichtiges Gremium, auf das die Welt schaut. Meine Hoffnung ist, dass Öffentlichkeit geschaffen wird für diese Ungerechtigkeit, die Venezuela widerfahren ist.

Plant Die Linke in der BRD über den parlamentarischen Rahmen hinaus aktiv zu werden?

Erst mal kann ich skizzieren, was wir seit Sonnabend in Sachen Parlamentarismus gemacht haben. In der Obleuterunde – das ist eine Art Vorstandsgremium im Auswärtigen Ausschuss – habe ich ein sogenanntes Obleute-Briefing beantragt. Das sollte die Bundesregierung verpflichten, genauere Details über ihren Kenntnisstand preiszugeben. Dieses Briefing hat am Sonntag stattgefunden, es kam aber wenig heraus, was man nicht schon den Zeitungen hätte entnehmen können. Am Sonntag haben wir als Fraktion eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses beantragt. Das muss letztendlich die Bundestagspräsidentin bewilligen. Ich halte es für eher unwahrscheinlich. Dennoch haben wir das gemacht, weil es wichtig ist, Öffentlichkeit für dieses Thema zu schaffen.

Stichwort Öffentlichkeit.

Stichwort Außerparlamentarisches. Die Linke wäre gut beraten, sich den Protesten anzuschließen, die es jetzt schon deutschlandweit gibt. Die Linke sollte eine Akteurin sein, die sich zusammen mit anderen auf die Straße stellt und sich klar gegen diesen US-Imperialismus positioniert.

Vinzenz Glaser ist Sprecher für antikoloniale Außenpolitik der Fraktion Die Linke im Bundestag

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Oliver S. aus Hundsbach (6. Januar 2026 um 17:09 Uhr)
    Was sollen uns Sätze wie dieser sagen? »Und es ist eine Zäsur in der Weltordnung, wie wir sie bisher kannten, dass so unverhohlen und ohne große Ausreden ein anderes Land angegriffen und in dessen Souveränität eingegriffen wird.« Dass die Politik und nun die Partei »Die Linke« das Problem hat, klar und unmissverständlich gegen den US-Imperialismus und somit gegen den deutschen und europäischen Imperialismus, als dessen »Subzentrum«, Stellung zu beziehen, der »freiheitlich-demokratischen Grundordnung« verpflichtet zu sein und dabei als »Linke« glaubwürdig zu bleiben? Die Zäsur ist für uns zunächst nur eine aus der Ferne! Es ist auch keinesfalls eine neue Qualität festzustellen. Fragt mal die Koreaner, Vietnamesen, Algerier usw.! »Kapitän Trump« verzichtet lediglich auf Rechtfertigungen und nimmt Kurs auf einen offenen Faschismus, der keiner Täuschungen mehr bedarf. Was von Europa zu erwarten ist, wird durch die lächerlichen und grotesken Verlautbarungen zu den »rechtlich komplexen Fragen«, die der Angriffskrieg der USA gegen Venezuela aufwirft, doch ganz eindeutig beantwortet. Neben dem medialen Valium, das gerade großzügig verteilt wird, ist im Schatten der US-Verbrechen ein Putschversuch gegen Ibrahim Traoré in Burkina Faso vereitelt worden. Es wird zumindest gemunkelt, dass französische Interessen und lokale »pro-Pariser-Netzwerke« involviert gewesen sein sollen. In der Endphase des demokratisch kostümierten Kapitalismus könnte aus der in der alten BRD gern gestellten hypothetischen Frage, wie man sich persönlich zur Zeit des Faschismus in Deutschland verhalten hätte, bald eine der alltäglichen Lebenspraxis werden.
  • Leserbrief von B.S. aus Ammerland (6. Januar 2026 um 10:09 Uhr)
    Die Partei »DIE LINKE« . . . . . . mit ihrem »Spitzenpersonal um van Aken, Reichinnek und Glaser« zeigen erneut, dass sie nicht nur in der Schule nicht aufgepasst haben, sondern auch sonst leichtfertig »Dummes Zeug von sich geben!« Anstatt offen die Anglo-Amerikanische Aghängigkeit zuzugeben, eiern sie gekonnt um dieses Thema herum. Selbst LARRY FINKS Laufbursche, Friedrich Merz, oberster CDU-Ausreden-Kanzler, weiß ihm und Deutschland droht, wenn er nur einen Hauch von Kritik äußern würde. Soviel Zölle können gar nicht verhängt werden, wenn die EU und ihre Nationalen Befehlsempfänger sich ihrer eigenen Macht bewußt sein könnten. Aber mit DADDY, dem Faschistoiden Mafioso, will sich keiner anlegen. Man hat ja auch so ein sehr schönes Leben . . . Seit Ende ds 2. Weltkriegs finden solche Kriminellen Praktiken der US-Amerikaner und ihrer Britischen Vettern statt. Und einmal ganz ehrlich . . . wären die Anglo-Amerikaner nicht gewesen, von Israel wäre nicht mehr viel übriggeblieben nach dem Iranischen Angriff. Aber nicht nur die Israelische Atombombe im Hintergrund hat die USA und Großbritannien zum Eingreifen veranlasst. Israelische Lobbyvereine zahlen gut, dass wissen Washington und London nur zu gut. Und natürlich Rüstungsgeschäfte . . . Frag nach bei - nicht bei Shakespeare - aber bei den Windsors z.B. !! Aber DIE LINKE liest lieber die BILD-ZEITUNG und driftet immer weiter nach Rechts. Noch scheint es beim Mittelstand und Bildungsbürgertum nicht angekommen zu sein, der Niedergang der Politik und Gesellschaft hat sehr viel mit Linken, Grünen und Sozen zu tun.

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