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30.12.2024
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Gute Musik
Das Neujahrskonzert aus Wien soll nach den Worten von Dirigent Riccardo Muti eine Botschaft von Harmonie, Schönheit und Frieden senden. Es gehe nicht darum, den populären Walzer »An der schönen blauen Donau« zum x-ten Male zu spielen. »Wir hoffen, dass die Wellen der ›blauen Donau‹ Schiffe voller Schönheit und Liebe antreiben«, sagte Muti bei einer Pressekonferenz in Wien. Das vom ORF übertragene Konzert wird weltweit von 93 TV-Stationen ausgestrahlt.
Das Neujahrskonzert 2025 widmet sich vor allem dem »Walzerkönig« Johann Strauss, dessen 200. Geburtstag gefeiert wird. Außerdem wird erstmalig in der Geschichte des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker die Komposition einer Frau erklingen. Der »Ferdinandus-Walzer« der damals erst zwölfjährigen Constanze Geiger sei »gute Musik«, sagte Muti mit Blick auf etwaige Gedanken, dass der Walzer nur aus Rücksicht auf Geschlechterdebatten im Programm sei.
Muti kritisierte wegen der verbreiteten Kultursparprogramme Regierungen, die den Wert von Kultur und Musik nicht erkennen würden. »Wir brauchen Musik mehr und mehr. Musik ist ein Medikament«, so der 83jährige. Asien scheine sich dessen sehr bewusst zu sein, sagte Muti kürzlich der österreichischen Tageszeitung Kurier. In China würden Konzerthäuser und Konservatorien gebaut. Das südkoreanische Seoul allein betreibe 22 Orchester.
Dabei bekannte sich der Dirigent zur Bedeutung der Stille – statt dem Verbreiten »gefährlicher Worte«. »Wörter sind das Problem in dieser Welt. Worte können töten.« Musiker könnten ein lautloses Innehalten des Publikums genau interpretieren. Es gebe die Ruhe voller Bedeutung, Zuwendung und Achtsamkeit. Andererseits: »Wir spüren, wenn es sich um Stille voller Leere handelt.«
Muti und die Wiener Philharmoniker verbindet eine jahrzehntelange Beziehung, die weit über das Kollegiale hinausgehe, sagte Orchestervorstand Daniel Froschauer. Zusammen haben sie den Angaben des Orchesters zufolge bisher mehr als 500 Konzerte gegeben. Für Muti ist es bereits das siebte Neujahrskonzert unter seiner Leitung. »Es ist das letzte Mal«, legte sich der 83jährige fest.(dpa/jW)
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