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Aus: Ausgabe vom 12.10.2022, Seite 10 / Feuilleton

Hartmann, Schreier

Von Jegor Jublimov
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1999 noch Mann der Soko: Hartmut Schreier

Ein Fußmarsch von rund 650 Kilometer über Berge und durch Täler, und immer hungrig – das kann man nur, wenn man 18 ist und gerade einen Weltkrieg überstanden hat. Siegfried Hartmann ist es 1945 so ergangen. Der Schlesier hatte im Januar 1945 das Notabitur abgelegt, musste dann als Luftwaffenhelfer in der Wehrmacht dienen und kam in Österreich aus US-Kriegsgefangenschaft frei, weil er noch so jung war. Die Eltern waren nach Halle geflohen, wohin es nun auch den Sohn notgedrungen zu Fuß zog. Hier arbeitete er zunächst als Kohlenträger, ehe es ihm 1946 gelang, Volontär in einer Presseabteilung zu werden. Bald führte er Interviews im Mitteldeutschen und im Berliner Rundfunk. Das Defa-Nachwuchsstudio, ein Vorläufer der Babelsberger Filmhochschule, nahm ihn 1949 auf, und Hartmann bekam schnell Gelegenheit, Regiegrößen wie Kurt Maetzig, Slatan Dudow und Wolfgang Staudte zu assistieren. Ab 1952 drehte er auch selbständig populärwissenschaftliche Filme. Für seinen ersten Kinderspielfilm »Fiete im Netz« (1958) kritisierte man ihn, weil er die Rolle der Pionierorganisation nicht beachtet habe. Doch das Märchen vom »Feuerzeug« mit damals außergewöhnlicher Tricktechnik wird 1959 ein Publikumserfolg, der bis heute (trotz einer nicht mehr ganz zeitgemäßen Erzählweise) anhält. Hartmann drehte in der Folgezeit Spielfilme für Defa und DFF in diversen Genres, Lustspiele (z. B. »Das verhexte Fischerdorf«, 1962), Krimis (u. a. »Flucht ins Schweigen«, 1966) und immer wieder Märchenfilme (etwa »Schneeweißchen und Rosenrot«, 1978). Dem Kinderfilm blieb er auch als Autor treu, nachdem er sich aus Krankheitsgründen von der Regie zurückzogen hatte und nur noch Szenarien schrieb. Er ist widerstandsfähig geblieben und kann am Sonnabend in Berlin seinen 95. Geburtstag feiern.

Auch der Schauspieler Hartmut Schreier hat – beginnend 1977 mit »Ein Schneemann für Afrika« – in Kinderfilmen mitgewirkt, wenn auch nicht in solchen von Siegfried Hartmann. Schreier ist schließlich ein Vierteljahrhundert jünger und wurde am Dienstag 70. Nach dem Studium hat der sportliche Schweriner in seiner Heimatstadt und anschließend an der Berliner Volksbühne Theater gespielt. Dem breiten Publikum wurde er durch Film- und Fernsehrollen bekannt, oft unter Regie von Gunter Friedrich (»Unternehmen Geigenkasten«, 1985) oder Edgar Kaufmann, der Schreier in Filmen der »Polizeiruf«- und »Staatsanwalt«-Reihen Rollen auf den Leib schrieb (Mörder in »Die alte Frau im Lehnstuhl«, 1987, Exknacki in »Noch nicht zu Hause«, 1989). Ab 1992 gehörte er für immerhin 315 Folgen zum Stammpersonal der »SOKO 5113«. Nachdem sein Kommissar Manne Brand 2010 den Serientod sterben musste, hat Schreier nur noch ein paar TV-Gastauftritte absolviert und sich dann zur Ruhe gesetzt.

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