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Aus: Ausgabe vom 23.09.2022, Seite 5 / Inland
Maritime Wirtschaft

Keine gute Figur

Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven bleibt auch nach zehn Jahren weiter hinter ursprünglichen Erwartungen zurück
Von Burkhard Ilschner
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Der Wilhelmshavener Containerhafen benötigt weiterhin jedes Jahr hohe Zuschüsse aus der Staatskasse

In fünf bis sechs Jahren Vollauslastung – so lautete bei Inbetriebnahme des Wilhelmshavener Tiefwasserhafens Jade-Weser-Port (JWP) am 21. September 2012 die Prognose des Experten Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik: Jüngst erinnerte der NDR in einem aktuellen Bericht daran. Am Mittwoch wurde dieser Hafen, ausgelegt auf einen Jahresumschlag von 2,7 Millionen Standardcontainern (TEU), zehn Jahre alt – und ist von diesem vorhergesagten Ziel noch immer weit entfernt. Lemper sieht darin kein Problem: Man sei, so erläuterte er dem NDR im Gespräch, von bestimmten Annahmen ausgegangen, und die seien so nicht eingetreten; »das ist eben die Natur von Prognosen«.

Der Haken an der Sache ist nur: Jahr für Jahr benötigt dieser Hafen, mit mehr als einer Milliarde Euro Steuergeld und unter erheblich verzögernden Pannen, Bauschäden und Rechtsstreitigkeiten in das Jade-Watt gerammt, weiterhin hohe Zuschüsse. Erst vor knapp zwei Jahren war es deshalb zu einer kurzen Krise gekommen, als in der Freien Hansestadt Bremen »grundsätzlich eine Beendigung der bremischen Beteiligung« erwogen wurde, die jedes Jahr sieben- oder achtstellige Zuschüsse verlangt. Aber der Streit versank in jenem Jadeschlick, der neben der Unterauslastung maßgeblich zur Kostentreiberei beiträgt, weil immer mehr gebaggert werden muss: Auch heute noch ist der JWP ein Gemeinschaftsprojekt der Bundesländer Niedersachsen (50,1 Prozent) und Bremen (49,9 Prozent).

Rückblick: Anfang der 1990er Jahre kam die Idee auf, an der Jade einen neuen Containerhafen zu bauen, der mit einer Fahrwassertiefe von rund 18 Metern (»Tiefwasserhafen«) imstande sein sollte, die immer größer werdenden Containerschiffe abzufertigen und so den immer rasanter wachsenden interkontinentalen Warenumschlag zu bewältigen. Zur Jahrtausendwende wurde die Planung konkret, im Mai 2008 begannen die Bauarbeiten, vor zehn Jahren dann folgte die Inbetriebnahme. Zwar hatten sich seither viele Annahmen der Planer verändert oder erledigt, hatten besagte Pannen die Kosten-Nutzen-Prognosen gesprengt, hatte eine Weltwirtschaftskrise die Transportströme erst einbrechen und dann (etwa bei den Ostsee-Feederverkehren) teils drastisch verändert neu aufleben lassen – nichts konnte den Optimismus der nordwestdeutschen maritimen Wirtschaft und der beteiligten Landespolitiker bremsen.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Jüngst erst lobte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) die Entscheidung für den Bau des JWP als »strategisch richtig und klug«, sein Alleinstellungsmerkmal (des tiefen Fahrwassers) stärke die Wettbewerbsfähigkeit des maritimen Standorts Deutschland. Und Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) zeigte sich laut Radio Bremen »davon überzeugt«, in zehn Jahren werde man »heilfroh sein, dass man das gemacht hat«.

Ob der JWP bis dahin je seine Kapazität ausgeschöpft hat, bleibt offen (dennoch werden übrigens schon Erweiterungspläne finanziert). Für das erste volle Betriebsjahr 2013 sagten Prognosen 700.000 TEU Umschlag voraus, es wurden aber nur rund 76.000 TEU. In den Folgejahren ging es zwar sehr langsam auf-, mit Corona dann wieder abwärts. Als dann im Februar 2022 Althusmann stolz das 2021-Ergebnis von knapp 713.000 TEU vermeldete, musste er einräumen, dieser Erfolg sei vor allem ungeplanten Schiffsanläufen zuzuschreiben, weil pandemiebedingt Liniendienste aus anderen Häfen umgeleitet wurden.

Jahr für Jahr gibt es immer neue Ankündigungen – etwa der Einstieg von Hapag-Lloyd oder das vereinbarte, aber bislang nicht realisierte chinesische Logistikzentrum –, die immer auch mit neuen Prognosen und Erwartungen verknüpft werden. Nur sind eben davon schon viele geplatzt oder verzögern sich. Aktuell wird wieder nach einer norddeutschen Hafenkooperation gerufen. Hamburg, das frühzeitig aus der gemeinsamen Länderplanung ausgestiegen war, bleibt aber bis heute außen vor, die Hafenbetreiber an Elbe und Weser hatten im Juli ihre Gespräche abgebrochen.

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